Alkohol als Problem: Flüchtlinge verlangen meist Schnaps

Calden. Eigentlich hat er schon genug, das ist nicht zu übersehen. Dabei ist es gerade einmal kurz nach 17 Uhr, als der junge Mann betrunken die Caldener Tankstelle betritt.

Zielstrebig und merklich torkelnd steuert er die Kühlschränke an, in denen die Bierdosen aufbewahrt werden. Er entscheidet sich für eine der Billigmarken, zahlt wortlos und verschwindet in der abendlichen Dunkelheit.

„Er war nicht zum ersten Mal hier heute“, sagt Kassierer Markus Kravitz*, zuckt verständnislos mit den Schultern und scheint froh, dass der Bewohner des Erstaufnahmelagers am alten Flughafen schnell wieder gegangen ist. So unproblematisch nämlich soll es mit den Flüchtlingen hier nicht immer zugehen.

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„Ich könnte von meinen Erlebnissen ein Liedchen singen“, sagt Kravitz. Nicht selten kämen Flüchtlinge im Pulk von zehn und mehr Männern, stürmten regelrecht die Verkaufsräume, um die Regale leerzukaufen. „Es ist meist das Hochprozentige, das sie verlangen, und Zigaretten.“ Auch wenn er sich wundert, dass sie nicht in den benachbarten Supermärkten die wesentlich günstigeren Produkte kaufen, freut er sich über den Umsatz. „Wir profitieren natürlich davon, ohne genaue Zahlen zu kennen, sagt mir mein Gefühl, dass der Zigaretten- und Alkoholverkauf deutlich angestiegen ist.“

Die meisten Flüchtlinge seien in Ordnung, hielten aufgrund der mangelnden Sprachkenntnisse lediglich ein wenig den Verkehr auf. „Es gibt aber auch diejenigen, die schon besoffen sind, wenn sie kommen und dann im Verkaufsraum herumbrüllen und auch mal Kunden unangenehm zulabern“, berichtet der junge Mann. Gerade vor wenigen Stunden habe er einen solchen Fall gehabt. Es sei dann äußerst schwer, die Männer aus dem Laden zu befördern. „Wenn es Überhand nimmt, rufe ich die Polizei, das ist auch schon vorgekommen.“ Seine Pappenheimer kenne er schon, oftmals nämlich seien es die gleichen, die Probleme bereiten.

Generell habe er überhaupt nichts gegen Ausländer, das betont er immer wieder und weist deshalb auch auf die andere Seite der Medaille hin, die es ebenfalls gebe. „Ein Mann kommt immer wieder mit seiner kleinen Tochter, kauft Telefonkarten und ist einfach nur lieb.“ Sogar ein paar Worte könnten sie schon miteinander sprechen, auch wenn sich dies auf ein freundliches „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ beschränke.

*Name von der Redaktion geändert

Rubriklistenbild: © dpa

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