Hitze-Knigge für Heimbewohner

Heime, Kliniken, Kindergärten und Schulen sind auf Hitze eingestellt

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Sie trotzen der Hitze: Wilma Thöne (von links), Hermann Stucke, Walburga Pfleging, Annemarie Christoph, Pflegefachkraft Erika Landefeld und Sieglinde Thiel setzen sich vor dem Alten- und Pflegeheim Albert-Klingender-Haus nur in den Schatten und erfrischen sich mit Eis.

Hofgeismar. Auch für Krankenhäuser, Altenheime, Schulen und Kindergärten stellen die hohen Temperaturen dieser Wochen eine Herausforderung dar.

Doch basierend auf den Erfahrungen aus dem Jahrhundertsommer 2003, der europaweit Zehntausende Opfer forderte, haben sich viele Einrichtungen inzwischen auf die heißen Bedingungen eingestellt.

Ein guter Leitfaden für die Häuser der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen sei der vom Umweltbundesamt herausgegebene sogenannte „Hitze-Knigge“, sagt Pressesprecherin Christiane Gahr. Danach müssen die Heimbewohner stets mit ausreichend Flüssigkeit und Elektrolyten versorgt werden, weshalb beispielsweise auch Salzstangen gereicht werden. Auf dem Speiseplan stehen leichte Gerichte, Kaltschalen und zum Dessert ein Eis. Zudem muss auf gute Belüftung und bei Bettlägerigen auf luftige Bettwäsche geachtet werden.

Die heißen Temperaturen belasten chronisch kranke Patienten besonders. Das ist die Erfahrung der Kreisklinik Hofgeismar, erklärte Dr. Hans-Ulrich Braner, Chefarzt der Inneren Medizin/Gastroenterologie und Ärztlicher Direktor, auf HNA-Anfrage. Behandlungen allein in Folge der Hitze habe es in der Kreisklinik nicht vermehrt gegeben. 

Die Kreisklinik sorge dafür, dass den Patienten stets ein ausreichendes Getränkeangebot zur Verfügung stehe, ergänzte Braner. Um Erleichterung zu verschaffen, werde viel gelüftet. Außerdem könnten die Patienten anstelle einer dicken Bettdecke ein leichtes Laken erhalten. 

Für die Mitarbeiter stehen an besonders heißen Tagen Kästen mit Mineralwasser zur Verfügung, teilte die Klinik mit. Außerdem wurden die Mitarbeiter von der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) auf ein Eis eingeladen. Auch der Ärztliche Direktor hat den Mitarbeitern seiner Abteilung ein Eis ausgegeben. 

Eis gibt es auch für die Bewohner des Alten- und Pflegeheims Albert-Klingender-Haus. „Ich vermeide es, nach draußen zu gehen“, sagt Bewohnerin Annemarie Christoph. Walburga Pfleging hingegen setzt sich bereits früh am Morgen in den Schatten. „Auch im Garten haben wir Sonnenschirme, zudem gibt es Eis, Melone und Eiskaffee. Unsere Bewohner vertragen die Hitze erstaunlich gut“, berichtet Pflegefachkraft Erika Landefeld. 

Freuten sich über Hitzefrei: (von links) Güven Kocaoglu, Niclas Schiffmann und Noah Pick von der Gustav-Heinemann-Schule.

„Möglichst früh raus – und schnell wieder rein, wenn es warm wird“: So reagieren die Erzieherinnen der evangelischen Kindertagesstätten. Das sagte Sven Wollert, Sprecher des Kirchenkreises Hofgeismar, zum Umgang mit der anhaltenden Hitze in den kirchlichen Tagesstätten.

Sie achteten auch auf Schutz mit Sonnencreme, die die Eltern mitgeben. Soweit möglich, cremen sich die Kinder damit auch selbst ein. Nur bei den ganz jungen Kindern helfen die Mitarbeiterinnen. Ganz wichtig ist natürlich die Versorgung mit Getränken. In allen Gruppenräume stehe Wasser bereit. Und die Erzieherinnen achteten auch darauf, dass die Kinder genügend trinken. Auch die, die vor lauter Spielen dazu keine Zeit haben, sagte Wollert.

Das Thema Sonnencreme ist in den Kindertagesstätten gar nicht so einfach. Die Betreuerinnen verwenden die Creme, die die Eltern mitgeben. So vermeiden sie Probleme mit möglichen Unverträglichkeiten, erklärt Pfarrer Sven Wollert, der Öffentlichkeitsbeauftragte des evangelischen Kirchenkreises. Die Erzieherinnen dürfen nicht ohne Weiteres einfach eine Creme verwenden. Das müsse mit den Eltern abgestimmt werden. 

In den kirchlichen Kindergärten in Calden gebe es im Freien bereits Sonnenschutz, damit die Kinder auch bei Sonnenschein möglichst im Freien spielen können. Der soll noch ausgebaut werden, sagte Wollert. Das Material sei bereits bestellt worden. Bleibe die Hitze, wollen die Betreuerinnen überlegen, wie die Kinder sich spielerisch und mit Freude abkühlen können, zum Beispiel mit Wasserspielen, sagte Sven Wollert. 

Schon am gestrigen ersten Schultag konnten sich viele Schüler im Kreisteil über Hitzefrei freuen. Wegen der heißen Temperaturen hieß es für die 1000 Gustav-Heinemann-Gesamtschüler oder auch für die Brüder-Grimm-Schüler früher als sonst: Schule aus! 

Den Start ins neue Schuljahr konnten die Schüler an der Gustav-Heinemann-Schule so richtig genießen: Ab 12.35 Uhr gab es Hitzefrei. „Wenn 30 Schüler in einem Raum sitzen, ist es irgendwann zu warm“, sagt Schulleiter Christoph Schwab. Der Sportunterricht könne aufgrund der kühlen Halle wie gewohnt stattfinden, auch draußen sei dies noch am frühen Morgen möglich. Sollten die warmen Temperaturen noch länger anhalten, müsse man den Stundenplan anpassen, damit nicht immer die gleichen Fächer ausfielen.

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