Gestiegene Kosten sind der Grund

Altenhilfe Gesundbrunnen Hofgeismar erhöht Preise für Pflege um 350 Euro monatlich

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Ein Bewohner mit einem Rollator steht in einem Flur der Altenhilfe Gesundbrunnen vor einer Tür mit Fototapete von Backsteinmuster.

Die größte Einrichtung für Altenpflege im Kreisteil Hofgeismar, die Evangelische Altenhilfe Gesundbrunnen, hat ihre Preise für die stationäre Pflege in Hofgeismar deutlich erhöht.

Heimbewohner zahlen seit vergangenem Sonntag pro Monat 350 Euro mehr. Die Erhöhung habe sich „nach strenger Prüfung unserer Kostenkalkulation“ ergeben, heißt es in einem Brief, den Geschäftsleitung, Direktion und Einrichtungsbeirat vor wenigen Tagen an die Bewohner verschickt haben. Bereits im Juni hatte der kaufmännische Leiter der Altenhilfe, Ralf Pfannkuche, den Schritt angekündigt. „Eine deutliche Pflegesatzerhöhung ist aufgrund der Lohnerhöhungen in 2018 und 2019 leider unumgänglich“, hieß es da in einer Mitteilung. 

Die Gehälter der Mitarbeiter werden an die geltenden Tarife angepasst, die im vergangenen Jahr zweimal gestiegen waren. Die Mitarbeiter hatten ab Juni und Oktober jeweils mehr Geld bekommen. Vor mehr als zehn Jahren hatten die Mitarbeiter zugestimmt, auf 20 Prozent der Entgelte zu verzichten. Das war notwendig, weil die Personalkosten nicht mehr aus den Pflegeerträgen finanziert werden konnten. Inzwischen ist vereinbart worden, schrittweise zum Tarif zurückzukehren. 

Laut Sprecherin Christiane Gahr sind zudem die steigenden Energiekosten ein wesentlicher Faktor in der Kalkulation. „Die Größe unseres Standortes ist in diesem Punkt eine Schwäche für uns“, sagt sie. Die Bewohner der stationären Pflege zahlen nach der Erhöhung zwischen 2000 und 2200 Euro pro Monat. Etwas mehr als ein Drittel ist nach Auskünften der Altenhilfe dabei auf die Unterstützung des Sozialamtes angewiesen. 

Die Preise waren zuletzt im vergangenen Jahr angehoben worden, damals um 112 Euro pauschal pro Monat. Die neuen Entgelte für Unterkunft und Verpflegung gelten im Zeitraum einer bis 30. Juni 2020 geltenden Pflegesatzvereinbarung zwischen den Kostenträgern Landkreis und Krankenkassen.

Heimbeirat erwog einen Boykott

Der Einrichtungsbeirat des Standortes Hofgeismar der Altenpflege Gesundbrunnen hat sich deutlich gegen die Entgelterhöhung ausgesprochen, dabei aber auch Verständnis geäußert. „Es kommt uns unmittelbar zugute, ob die Mitarbeitenden mit ihrer Entlohnung zufrieden sind. Dann ist die Stimmung besser und die Suppe ist weder fade noch versalzen. Aber diese Erhöhung können wir einfach nicht stemmen“, heißt es in einer Mitteilung des Beirats an die HNA.

Man habe in mehreren Sitzungen sogar einen Boykott der Mehrkosten erwogen. Das Vorhaben wurde allerdings fallengelassen, um die Pflegebedürftigen nicht der Gefahr auszusetzen, ihren Heimplatz zu verlieren. Der Entgelterhöhung müssen die Bewohner oder deren gesetzliche Betreuer schriftlich zustimmen. Der Heimbeirat geht davon aus, dass nach der Erhöhung mehr als die Hälfte der Bewohner auf Sozialhilfe angewiesen sein wird. Bislang waren dies mit 35,7 Prozent etwas mehr als ein Drittel der Bewohner.

„Menschen, die bisher für ihren Lebensunterhalt selbst sorgen konnten, werden zu Almosenempfängern herabgestuft. Das mochte in besonderen Notlagen durchgehen, aber wenn die Mehrheit der öffentlichen Fürsorge anheimfällt, ist dies ein Skandal“, teilt der Heimbeirat mit. Mit der Mitteilung über die konkrete Erhöhung in der vergangenen Woche hatte die Leitung fünf Informationsveranstaltungen in den Häusern an den Standorten Gesundbrunnen und Schloss Beberbeck angekündigt. 

Zudem haben sich Direktion, Geschäftsleitung und Einrichtungsbeirat darauf verständigt, dass die letzteren beiden gemeinsam das Gespräch mit politischen Vertretern der Region in Wiesbaden und Berlin suchen. Sie wollen bewirken, das System der Finanzierung künftig dahingehend zu ändern, dass Kostensteigerungen nur für die Pflegekassen, nicht aber für Heimbewohner beschlossen werden. Der Heimbeirat hatte deutlich gemacht, seinen Unmut nicht dem Träger zuzuschieben. „Die evangelische Altenhilfe habe sich „dieses unwürdige Verfahren nicht selbst ausgedacht“, heißt es dort. Vielmehr sei sie Teil einer allgemeinen Entwicklung geworden.

Erhöhung ist kein Einzelfall

Die derzeit 288 in Hofgeismar stationär gepflegten Heimbewohner der Altenhilfe Gesundbrunnen sind nicht die einzigen, die derzeit von einer Entgelterhöhung betroffen sind. Für den Standort Lippoldsberg wurde zwar gesondert verhandelt, die Erhöhung liegt aber ebenfalls bei knapp über 350 Euro. Im Juni war bekannt geworden, dass die Arbeiterwohlfahrt im Landkreis Kassel die Kosten für die Bewohner erhöht, in Niestetal beispielsweise um etwa 275 Euro.

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