Alterssimulation: HNA-Praktikant testet speziellen Anzug der Altenhilfe Hofgeismar

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Alt mit wenigen Handgriffen: Bei der Woche der Demenz testete HNA-Mitarbeiter Markus Schäfer einen Alters-Simulationsanzug. Ilona Dierkes von der Altenhilfe legte ihm die verschiedenen Elemente an. 

Hofgeimsar. HNA-Praktikant Markus Schäfer hat im Rahmen des Welt-Alzheimertages einen Alters-Simulationsanzug bei der Altenhilfe Hofgeismar getestet. 

Die Ausgangslage

Ich werde alt. Und das ziemlich schnell. Mein Selbstversuch im Alters-Simulationsanzug ist eine 30-minütige Zeitreise vom Student zum Senior und wieder zurück.

Der Alterungsprozess

Treppen runter: Normale Abläufe fielen Markus Schäfer im Alters-Simulationsanzug schwer. Links ist Birgit Vering von der Altenhilfe.

Ballast wird angelegt. Eine schwere Weste, Gewichte an den Unterarmen. Die Beweglichkeit wird mir genommen. „Arm hoch“, sagt Ilona Dierkes, Auszubildende bei der evangelischen Altenhilfe. Der Ellenbogen wird bandagiert. Das Gewicht ist noch nicht wirklich schwer, aber je länger es dauert, desto unangenehmer wird es. Zugegeben: Ich, 21 Jahre alt, fit und trainiere regelmäßig im Fitnessstudio. Gewichte zu stemmen ist nichts Neues für mich. Das hier schon. Ein Stück Bewegungsfreiheit verschwindet. Und es geht weiter: Es wird noch eine Knieschiene angelegt. Zum Schluss geht es an die Sensorik. Sehen, hören, fühlen. Ich setze eine Brille auf. Diese verzerrt den Blick und hat dunkle Punkte auf den Gläsern. So simuliert sie eine Seherkrankung. Gehörschutz und Handschuhe schränken auch die beiden anderen Sinne ein.

Jetzt bin ich alt

So soll sich also hohes Alter anfühlen, wurde vor dem Test gesagt. Und tatsächlich: Ich fühle mich so, wie ich mir das Altern immer vorgestellt habe. Denn die ersten Schwierigkeiten beginnen schon. Aus kurzer Distanz höre ich eine dumpfe Stimme, die mir eine Frage stellt. Ich antworte mit einem lauten: „Was?“.

Die Aufgaben beginnen

Birgit Vering von der Altenhilfe nimmt mich am Arm. Treppen steigen ist angesagt. Normalerweise laufe ich Stufen zügig hoch. Zwei Stück nehme ich auf einmal. Das geht jetzt aber nicht mehr. Jede Stufe muss einzeln und konzentriert genommen werden. Dabei ist es nicht das Gewicht, das stört, sondern die Unbeweglichkeit. Ich habe Angst zu stolpern. Treppe rauf ist ungewohnt, Treppe runter geht es besser. Die nächste Aufgabe ist, sich auf eine Bank zu setzen. Das ist weniger problematisch. Dennoch bleibt es unangenehm.

Einen Kaffee trinken

Aufstehen, weiter geht’s. Das Schwierigste kommt noch - Kaffee trinken. Ein bisschen Milch in die Tasse und umrühren. Noch nie musste ich mich dabei so konzentrieren. Dementsprechend langsam bin ich. Aber ich kriege es hin, ohne etwas zu verschütten. Den Kaffee habe ich mir redlich verdient.

Wieder frei

Dann: endlich fertig. Ich kann den Anzug ausziehen. Ein Gefühl der Befreiung. Bewegen, Sehen, Hören - alles wie früher. Der Unterschied ist gewaltig.

Die Erkenntnis

Dass älteren Menschen der Alltag deutlich schwerer fällt, wusste ich vorher. Wer im Supermarkt an der Kasse steht und wartet, bis das Kleingeld langsam abgezählt aus dem Portemonnaie genommen wird, weiß, was ich meine. Warum das so ist, kann ich jetzt nachvollziehen. Auch mir hat vor allem die schlechtere Sensorik zu schaffen gemacht. Körperlich ging es mir hingegen besser als gedacht. Vermutlich ist das der Lohn für meine Besuche im Fitnessstudio. Fit sein erleichtert doch den Alltag mehr als gedacht. Auch im Alter.

In Hümme besteht am heutigen Freitag ab 14 Uhr für alle Interessierten die Gelegenheit, den Anzug selbst auszuprobieren.

Von Markus Schäfer

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