Trend zur Nachhaltigkeit

In Hofgeismar und Reinhardshagen: Weihnachtsbaum-Verkäufer profitieren von Corona-Pandemie

Steven Rudolph steht neben einer Netzmaschine und verpackt eine Tanne
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Weihnachtsbaumverkauf mit Maskenpflicht: Steven Rudolph, Mitarbeiter vom Landtechnischen Lohnunternehmen Menke in Hofgeismar, verkauft Nordmanntannen aus dem Sauerland beim Backhaus Amthor.

Ein erfolgreiches Jahr für die Weihnachtsbaum-Verkäufer bringt die Pandemie mit sich: Viele Menschen kaufen Bäume aus der Region. Viele setzen auf Alternativen.

Hofgeismar – Nicht viele Branchen profitieren in Zeiten der Corona-Pandemie. Doch die Weihnachtsbaum-Verkäufer gewinnen auch in diesem Jahr wieder an Kunden. „Die Menschen bleiben zu Hause, fahren weniger weg und kaufen dann bei uns Bäume, die sie vielleicht sonst nicht oder wo anders gekauft hätten, weil sie zur Verwandtschaft gefahren wären“, erklärt dazu Martin Menke vom Landtechnischen Lohnunternehmen in Hofgeismar.

Bei ihm und seinen Mitarbeitern startete der Weihnachtsbaumverkauf in diesem Jahr am 4. Dezember. Aufgebaut ist sein Stand am Backhaus Amthor. „Dieses Jahr haben wir ein wenig später gestartet, weil es im Sauerland schon sehr viel Schnee gab und sich deswegen der Baumverkauf verschoben hat“, erklärt Menke. Denn seine Nordmanntannen kommen regional aus dem nahen Sauerland. Er lege Wert auf Regionalität und kurze Transportwege.

Weihnachtsbaum-Verkauf in Hofgeismar: Mehrere Hundert Tannen pro Jahr

„Warum von weit weg, wenn wir so schöne Bäume in der Nähe haben“, sagt Menke zufrieden. Ihm sei es einfach besonders wichtig, „in der Weihnachtszeit ein bisschen Freude ins Wohnzimmer zu bringen.“ Mehrere Hundert Tannen in verschiedenen Größen verkauft Menke im Jahr.

Weil der Verkauf erst am Nachmittag des 4. Dezember gestartet wurde, „haben die Kunden schon ihre Runden gedreht und geguckt wann es losgeht.“ Das sind die ersten, die ihre Bäume im Wohnzimmer stehen haben. Es gebe aber auch die, die erst am 23. und 24. Dezember auf den letzten Drücker ihre Bäume kaufen.

Corona-Maßnahmen beeinträchtigen den Weihnachtsbaum-Verkauf kaum: Einzige Regel Maskenpflicht

Die diesjährigen Corona-Maßnahmen schränken den Verkauf nicht ein: Da sich die Bäume auf Außengelände befinden, gilt die Maskenpflicht im Käfig und der Mindestabstand. Außerdem stehen Desinfektionsspender am Eingang. „Wenn es zu viele Kunden auf einmal sind, dann müssen ein paar kurz draußen vor dem Zaun warten, aber die Leute sind sehr einsichtig“, erklärt Menke weiter.

Neben Gärtnereien, Landwirten und anderen Plantagenbesitzern bietet auch das Forstamt Reinhardshagen in diesem Jahr Weihnachtsbäume an. Laut Pressesprecher Klemens Kahle vertreibt es Nordmanntannen aus dem Forstamtsgarten und Fichten aus dem Wald zum selbst schlagen.

  • Der Miet-Baum kommt im Topf – Alternativen zur geschlagenen Tanne aus dem Wald
    Tipps für den Weihnachtsbaum-Kauf von Sascha Schneiderwind, Umwelt- und Klimaschutzexperte der Ergo Group
  • Kurzer Weg für den Baum: Wer den Baum online bestellt, sollte auf kurze Transportwege achten. Am besten wäre aber eine lokale Baumschule oder ein nahegelegener Forstbetrieb, da sonst unnötig viel CO2 durch lange Fahrten entsteht, erläutert Sascha Schneiderwind.
  • Miet-Baum im Topf: Damit er keinen Schaden nimmt, sollte er gut gepflegt werden. Dazu sollte man den Baum zunächst an einem schattigen, frostfreien und windgeschützten Ort aufstellen, damit er sich akklimatisieren kann.
    In der Wohnung dann möglichst weit entfernt von Heizkörpern platzieren, damit die Wurzeln in der Topferde nicht austrocknen und die Nadeln nicht abfallen. Regelmäßiges Gießen nicht vergessen und keinesfalls mit Kunstschnee besprühen.
  • Baum-Umtausch: Umgetauscht werden kann ein Baum bei Nicht-Gefallen auch, jedoch nur dann, wenn er über das Internet oder telefonisch bestellt und dann nach Hause geliefert wurde.
    „In diesem Fall gilt das gesetzliche Widerrufsrecht von 14 Tagen“, erklärt Michaela Rassat, Juristin der Ergo Rechtsschutz Leistungs-GmbH. Nachhaltig ist dies aber nicht und sollte gut überlegt sein.
  • Baum beschädigt: Die vertraglichen Regelungen sind bei den verschiedenen Anbietern von Miet-Bäumen unterschiedlich. Manche bieten an, den Baum ohne Aufpreis zu behalten, andere Anbieter sprechen ausdrücklich von Miete und sehen eine Haftung des Kunden für den Fall vor, falls der Baum zum Beispiel durch echte Kerzen, Lametta oder eine Baumspitze beschädigt wird.

Weihnachtsbaum kaufen in Reinhardshagen: Nordmanntannen aus dem Forstamtsgarten

Rund 300 Nordmanntannen stehen im Forstamtsgarten zur Auswahl bereit. Dort können sie während der Öffnungszeiten bereits vor dem Fest persönlich ausgesucht, mit Fähnchen markiert und dann am 23. Dezember geschlagen und abgeholt werden. „Die Leute kommen mit Schubkarre oder schultern den Baum einfach. So haben sie einen frischen Baum für die Weihnachtsfeiertage“, erklärt Kahle.

Jedes Jahr am Sonntag vor Weihnachten, dieses Jahr am 19. Dezember, können Baumliebhaber im Wald ihren eigenen Tannenbaum schlagen – genauer gesagt eine Fichte. Früher sei die Fichte als Weihnachtsbaum sehr beliebt gewesen. Es ist ein heimischer Baum. „Die Fichte ist piksig und wächst so, wie die Natur ihn wachsen lässt. Mal hat ein Tier dran geknabbert oder die Spitze ist ein bisschen schief“, sagt Kahle und lacht.

Weihnachtsbaum-Trend geht zur Nachhaltigkeit: Mietbäume werden im Topf geliefert

Heute kaufen nur wenige einen anderen Baum als eine Nordmanntanne. Und auch der Forstamtsgarten ist mit der Zeit gegangen: Eine Plantage mit drei Generationen von Nordmanntannen wächst dort. Fünf bis sechs Jahre muss ein Baum gewachsen sein, bis er verkauft werden kann. Das kann je nach gewünschter Größe und Standort abweichen. Besonders betont Kahle, dass die Tannen des Hessenforsts nicht chemisch behandelt seien. „Es ist höchstens mal ein Rasenmäher durch die Reihen gefahren“, sagt Kahle.

Öffnungszeiten

Baumverkauf Menke: Mo bis Sa, 8 bis 18 Uhr; Forstamtsgarten Reinhardhagen: Mo bis Do, 8 bis 16 Uhr und Fr von 8 bis 13 Uhr, Weihnachtsbäume schlagen: So, 19. Dezember, Revier Waldhaus, 10 bis 14 Uhr.

Ein geschlagener Tannenbaum gehört für viele an Weihnachten dazu. Doch mittlerweile gibt es einige Alternativen, die sich vermehrt in den Wohnzimmern an Heiligabend finden lassen. Neben dem Plastik-Weihnachtsbaum können Liebhaber ihre Tanne auch mieten. So wird der Baum nicht geschlagen, sondern im Topf geliefert und nach dem Fest wieder ausgepflanzt. Während im Kreisteil noch keine angeboten werden, gibt es bundesweit mehrere Standorte. (Kira Müller)

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