Jüdische Vorfahren

Amerikaner fanden in Hofgeismar Spuren ihrer Ahnen

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Ergriffen: Rita und Sidney Mathias besuchten das Haus am Töpfermarkt 5, in dem die Vorfahren von Sidney Mathias lebten und einen Viehhandel betrieben.  

Hofgeismar. Sich auf die Suche nach den Vorfahren zu begeben, kann sehr emotional sein. Sidney und Rita Mathias aus den USA fanden in Hofgeismar und Liebenau Spuren ihrer Ahnen.

Als Sidney und Rita Mathias im vergangenen Jahr Deutschland besuchten, hörten sie von der Aktion „Stolpersteine“, die an die jüdischen Menschen erinnert, die im Dritten Reich verfolgt, vertrieben und getötet wurden. Da Sidney Mathias selbst jüdische Vorfahren in Deutschland hatte, bestand der Wunsch, auch für sie Stolpersteine verlegen zu lassen.

Er wusste, dass seine Großeltern aus Hofgeismar und Liebenau kamen, und fing an, nach ihren Spuren zu suchen. Schon bald stieß er dabei auf die Arbeit von Julia Drinnenberg, die die Geschichte der Hofgeismarer Juden dokumentiert hat. „Das war eine angenehme Überraschung“, so Sidney Mathias, der sich daraufhin vornahm, den Geburtsort seines Vaters zu besuchen.

Der 72-Jährige aus Buffalo Groves im US-Bundesstaat Illinois nahm Kontakt zu Drinnenberg auf und erfuhr, dass es in Hofgeismar bereits Stolpersteine für die Familie Mathias gibt. Julia Drinnenberg hatte auch deren trauriges Schicksal zusammengetragen. Sie fand heraus, dass Albert und Bienchen Mathias von Liebenau aus zum Töpfermarkt 5 gezogen waren, wo sie einen Viehhandel betrieben. Das Paar hatte vier Kinder: Erich, Ernst, Elsa und Judith. Ernst Mathias war Sidney Mathias’ Vater. Nur Erich und Ernst gelang die Flucht in die USA – alle anderen Familienmitglieder wurden von den Nationalsozialisten verfolgt, inhaftiert und wahrscheinlich ermordet.

„Mein Vater starb 1973“, sagte Sidney Mathias nachdenklich, „weder er noch mein Onkel haben je über die Zeit der Verfolgung und ihre Zeit in den Lagern gesprochen. „Mein Cousin erinnert sich noch daran, dass er als kleines Kind plötzlich von den Nachbarskindern verprügelt und beschimpft wurde. Und er erinnert sich bis heute an die Aufmärsche der Nazis in der Stadt. Er ist heute 88 Jahre alt.“

Sehr gerührt zeigte sich das Ehepaar von dem Engagement und der Mühe, die Julia Drinnenberg in ihre Arbeit investiert. Sie seien sehr dankbar für die Dokumente, die sie zusammengetragen habe. Sie würden Lücken in der Familiengeschichte schließen. „Wir haben ein Foto eines Paares in unserem Flur hängen, wussten aber nie, wer aus der Familie das eigentlich ist“, berichtet Rita Sidney, „jetzt wissen wir, dass das Albert und Bienchen Sidney sind, die Großeltern meines Mannes.“

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