Hilfe für todkranke Kinder

Annette Gerecht ist Ehrenamtliche beim Kinderhospizverein Kassel/Nordhessen

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Mit Herzblut dabei: Annette Gerecht aus Hofgeismar ist seit über einem Jahr als ehrenamtliche Mitarbeiterin des Kinder- und Jugendhospizvereins Kassel/Nordhessen tätig.

Kinder und Jugendliche, die unheilbar erkrankt sind, und deren Familien, benötigen in ihrem Alltag Unterstützung. Dafür gibt es Ehrenamtliche des Kinderhospizvereins Kassel.

Ehrenamtlich war Annette Gerecht schon vorher tätig. Im Café Gesundbrunnen der Evangelischen Altenhilfe in Hofgeismar. Dann sah sie im Spätsommer 2018 eine kleine Annonce des Kinder- und Jugendhospizvereins Nordhessen in einer Zeitung. Der Verband war auf der Suche nach ehrenamtlichen Mitgliedern. „Ich wusste sofort: Das ist genau das, was ich tun möchte“, sagt die 72-Jährige mit Überzeugung. Sie informierte sich, ließ sich von einer Koordinatorin alles erklären. 

In einem Befähigungskurs lernte Gerecht das, was für eine ehrenamtliche Begleiterin wichtig ist. „Einzelne Krankheiten der Kinder werden uns näher gebracht und Situationen der Familien erläutert“, erklärt die gebürtige Stuttgarterin zwei Kursinhalte. Ein Besuch beim Bestatter gehörte ebenso zum Pflichtprogramm wie das Treffen mit betroffenen Eltern, die vom Schicksal ihrer Kinder berichteten. 

Zwei bis vier Stunden in der Woche bei der Familie

Vor rund einem Jahr war es dann soweit, Annette Gerecht kam in ihre erste Familie als ehrenamtliche Begleiterin. „Wir werden in den Kursen zwar sehr gut vorbereitet, aber wie die Familie reagieren wird, ist im Vorfeld schwer einzuschätzen“, sagt Gerecht. Man sei schließlich fremd, dringe in ein privates, geschütztes Umfeld ein. 

Die Familie, die von Kassel aus in einem Radius von 25 Kilometern wohnt, nahm die 72-Jährige sehr herzlich auf. „Die Begleitung soll eine Erleichterung für die Familie der Betroffenen sein. Sie wissen, dass jemand da ist, der sich kümmert. So können sie dann auch mal etwas für sich tun“, erklärt die Seniorin, die zwischen zwei und vier Stunden einmal in der Woche bei der Familie ist. 

"Ich nehme immer etwas Positives mit nach Hause"

Aber nicht nur die ehrenamtliche Begleitung sei für Familien wichtig – das habe sie im vergangenen Sommer gemerkt. „Durch die Geldspenden wurde der Familie, die ich betreue, ein Urlaub am Meer finanziert“, sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht. Selten habe sie den Jungen so glücklich erlebt. „Und für die Familie bleibt diese Erinnerung für immer“, fügt Gerecht hinzu. 

So schwer das Ehrenamt auch sein kann, so dankbar ist die Hofgeismarerin, dass sie es ausüben darf. „Ich nehme immer etwas Positives mit nach Hause“, sagte sie. Ihr Schützling, wie sie den zu begleiteten Jungen selbst bezeichnet, sei trotz seiner unheilbaren Krankheit ein Sonnenschein gewesen – im November vergangenen Jahres starb er. 

Auch nach dem Tod ihres Schützlings ist Gerecht weiter für die Familie da. „Ich bin keine ausgebildete Trauerbegleiterin, aber wenn weiterhin Unterstützung benötigt wird, dann bin ich da“, sagt die 72-Jährige. Vor allem die Geschwister des verstorbenen Jungen und die Eltern würden Annette Gerecht gerne weiter an ihrer Seite haben. „Ich freue mich, wenn ich dann etwas Positives beitragen kann,“ sagt sie und fügt an, einfach nur da zu sein und zuhören, das sei in der Zeit nach dem Tod für viele Familien das Wichtigste.

10. Februar: Tag der Kinderhospizarbeit

Kinder und Jugendliche, die unheilbar erkrankt sind, und deren Familien, benötigen in ihrem Alltag Unterstützung. Darauf macht der bundesweite Tag der Kinderhospizarbeit aufmerksam, der am heutigen Montag stattfindet. Initiator des Aktionstages ist der Deutsche Kinder- und Jugendhospizverein, der seit 2006 auch in Kreis Kassel ansässig ist.

Damit den kranken Kindern und den Familien geholfen werden kann, sind viele ehrenamtliche Helfer im Einsatz. In Hofgeismar sind es zwei, im Wolfhager Land drei und in Kassel 40 Helfer. Rechnet man die Ehrenamtlichen des Standortes Fritzlar dazu, kommt der Verein auf 60 Leute, die zusammen 35 Familien ambulant betreuen.

Zu den Mitarbeitern gehört auch die Hofgeismarerin Annette Gerecht, die seit über einem Jahr eine Familie begleitet. „Es fühlt sich gut an, dieses Ehrenamt ausführen zu dürfen“, berichtet die 72-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.

Kostenlose Unterstützung

„Betroffene Familien erhalten durch den Deutschen Kinderhospizverein eine Unterstützung, die kostenlos, unbürokratisch und zuverlässig ist“, sagt Thomas Ludolph, Verantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit des Dienstes in Kassel/Nordhessen. Die Arbeit der Organisation sei langfristig angelegt, eine Kürzung des Budgets für Kurzeitpflege oder Verhinderungspflege müssen die Familien deshalb nicht befürchten.

Laut Ludolph suchen pro Jahr rund sechs Familien im Kreis Kassel und Schwalm-Eder-Kreis Hilfe beim Kinderhospizverein. „Viele Betroffene wissen nicht, dass es die Unterstützung gibt. Der Aktionstag soll darauf aufmerksam, die Angebote bekannter machen“, ergänzt er. Außerdem wolle man so Menschen für ehrenamtliches Engagement gewinnen und natürlich auch ideelle sowie finanzielle Unterstützer.

Der Verein finanziere sich zu einem großen Teil aus Hilfsgeldern. „Rund 75 Prozent der Kosten müssen über Spenden getragen werden. Die restlichen 25 Prozent kommen über eine Förderung der Krankenkassen“, erklärt Ludolph.

Häufig verbinde man den Begriff Hospiz mit älteren, im Sterben liegende Personen. „Die Kinder- und Jugendhospizarbeit startet viel früher“, sagt Ludolph. Betroffene Familien können aber der Diagnosestellung einer unheilbaren Erkrankung sowohl ambulante als auch stationäre Kinderhospizangebote wahrnehmen. „Die Arbeit versteht sich als Begleitung auf dem Lebensweg aller Betroffenen“, erzählt Ludolph. Das gelte im Leben, im Sterben und über den Tod hinaus. 

Ehrenamtliche beim Kinderhospizdienst

Wer gerne als Ehrenamtlicher beim Kinderhospizdienst arbeiten möchte, benötigt laut Thomas Ludolph keinerlei Vorqualifikation. „Wir suchen Menschen mitten aus der Gesellschaft, die bereit sind, sich langfristig zu engagieren.“ Interessierte werden vor Aufnahme der Begleitung in einem rund 100-stündigen Kurs auf ihre Tätigkeit vorbereitet. Auch während der Ausübung des Ehrenamtes gibt es Fortbildungen.

Infos: Te. 0561/5297710 oder kassel@deutscherhospizverein.de

Wer den Kinder- und Jugendhospizverein Kassel/Nordhessen finanziell unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende auf folgendes Konto tun: Kasseler Sparkasse, SWIFT-BIC: HELADEF1KAS, IBAN: DE95 5205 0353 0011 8041 01

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