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Antisemitisches documenta-Kunstwerk sorgt für Unmut bei Künstlern aus dem Landkreis

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Von: Clara Veiga Pinto

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Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen die documenta haben die Künstlergruppe Taring Padi, die Geschäftsführung und die künstlerische Leitung beschlossen, das stark kritisierte Banner des indonesischen Künstlerkollektivs abzubauen. archi
Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen die documenta haben die Künstlergruppe Taring Padi, die Geschäftsführung und die künstlerische Leitung beschlossen, das stark kritisierte Banner des indonesischen Künstlerkollektivs abzubauen. © Andreas Fischer

Das antisemitische documenta-Kunstwerk sorgte in den vergangenen Tagen für Unruhe. Auch Künstlerinnen aus dem Kreis Kassel beschäftigt dieses Thema seither.

Kreisteil Hofgeismar – Das antisemitische documenta-Kunstwerk auf dem Friedrichsplatz sorgte in den vergangenen Tagen für Unruhe. Am Dienstagabend wurde das Kunstwerk des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi abgebaut, da es judenfeindliche Motive enthält. Einen Abend zuvor hatte man es erst mit einem Tuch abgedeckt. Auch Künstlerinnen aus dem Kreis Kassel beschäftigt dieses Thema seither.

„Wir haben in der Familie viel über das antisemitische Kunstwerk diskutiert“, sagt Karin Bohrmann-Roth, Bildhauerin aus Hofgeismar. „Ich bin der Meinung, dass sowas in Deutschland einfach nicht geht“, sagt sie.

Antisemitisches documenta-Kunstwerk: Künstlerinnen äußern sich

Normalerweise finde sie, dass Kunst absolut frei ist und fast alles abbilden darf. In diesem Kontext sei das Kunstwerk allerdings „völlig unpassend“, da es schon vor documenta-Beginn Antisemitismus-Vorwürfe gab. „In jedem anderen Land hätte man das Kunstwerk zeigen können, aber gerade vor dem historischen Hintergrund Deutschlands geht das nicht“, sagt Bohrmann-Roth.

Die Hofgeismarerin hoffe nicht, dass die anderen documenta-Kunstwerke nun von den Diskussionen überschattet werden. „Die Ausstellungen sind viel mehr als nur das“, betont sie. „Ich freue mich dennoch darauf, die documenta zu erkunden, und lasse mir das nicht nehmen“, sagt die Künstlerin.

Die documenta selbst sieht sie nicht in Gefahr. „Skandale können auch guttun. Sie erregen Aufmerksamkeit und laden zur Diskussion ein.“

Kunstwerk auf dem Friedrichsplatz: „Ein Künstler hat auch künstlerische Freiheit“

Evelin Höhne, Malerin aus Ahnatal, hat die Diskussion um das antisemitische Banner auch zum Nachdenken angeregt. „Ein Künstler hat auch künstlerische Freiheit“, gibt sie zu bedenken. Höhne ist der Meinung, dass Kunst allerdings nicht immer politisch sein muss. „Ich bleibe in meiner Kunst lieber unpolitisch.“

Doch auch sie lasse sich die Freude über die Kunstausstellungen nicht nehmen. „Ich lasse mich gerne begeistern, bin aber auch nicht kritiklos“, betont sie. Dass die documenta durch die Diskussionen in den Fokus rücke, finde sie gut.

Bettina Richter, Künstlerin aus Burghasungen, hält den Abbau des antisemitischen Kunstwerks für richtig. „Meiner Meinung nach ist es aber zu spät dafür. Schon im Vorfeld gab es ja Antisemitismus-Vorwürfe. Den Skandal hätte man vermeiden können“, sagt sie.

documenta-Eklat: „Kunst sollte auch positiv motivieren“

Kunstfreiheit sei zwar wichtig, aber nicht um jeden Preis. „Kunst sollte immer Hautfarbe, Alter und gute Sitten achten. Antisemitismus darf nicht geduldet werden“, sagt die Burghasungerin.

Sie finde es schade, dass Kunst immer extremer würde, um mehr Aufmerksamkeit zu generieren. „Kunst sollte auch positiv motivieren und nicht immer nur das Schlechte abbilden.“ Richter glaubt, dass der Eklat der documenta auch auf längere Sicht geschadet hat. „Bei der documenta gab es schon immer Diskussionen. Aber das ist extremer.“

Ihre Freude würde das aber nicht trüben. Die Künstlerin habe eine Dauerkarte und werde die documenta dennoch besuchen. „Der Ansatz der Künstlerkollektive ist toll. Lumbung ist ein schönes Motto“, betont Bettina Richter. (Clara Pinto)

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