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Apotheken fehlt der Nachwuchs: Inhaber finden keine Nachfolger

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Von: Amira Sayed El Ahl, Johannes Rützel, Natascha Terjung

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Apothekendichte nimmt seit Jahren ab: Ein Grund dafür sind laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände gesundheitspolitische Entscheidungen. Symbo
Apothekendichte nimmt seit Jahren ab: Ein Grund dafür sind laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände gesundheitspolitische Entscheidungen. Symbo © Jessica Sippel

Inhaber von Apotheken finden keine oder nur schwer Nachfolger. Der Apothekenabschlag an die Krankenkasse stellt potenzielle Inhaber vor eine weitere Hürde.

Kreis Kassel – Der Fachkräftemangel trifft auch die Apotheker: Inhaber haben es immer schwerer, einen Nachfolger zu finden. Einige Apotheker müssen deshalb ihr Geschäft schließen. Davon sind vor allem inhabergeführte Apotheken im ländlichen Raum betroffen, sagt Matti Zahn, Geschäftsführer der Landesapothekerkammer Hessen (LAK).

„Viele suchen mehrere Jahre nach einem Nachfolger und finden niemanden“, sagt Zahn. So sei es nicht unüblich, dass einige Inhaber noch mit über 70 Jahren ihren Betrieb führen. „Generell gibt es immer weniger Apotheken.“ So gab es 2017 laut einer Erhebung der LAK in Hessen 1485 öffentliche Apotheken, in diesem Jahr sind es noch 1407 (Stand: April).

Apotheker-Branche findet keinen Nachwuchs: Apotheker kritisieren Abschlag

Die Gründe liegen laut Zahn vor allem in der demografischen und gesellschaftlichen Entwicklung: „Die Baby-Boomer gehen jetzt langsam in Rente und es gibt zu wenig Nachwuchs.“ Zudem sei heute für viele potenzielle Nachfolger der Beruf des Apothekers nicht gut mit der Familie vereinbar, da vor allem im ländlichen Raum Notdienste zum Alltag gehörten. Sorge bereitet Matti Zahn die von der Bundesregierung geplanten Erhöhungen des Apothekenabschlags an die Krankenkassen von 1,77 auf 2 Euro – angesichts der gestiegenen Personal- und Warenkosten könnte das Apotheker, die ein Geschäft übernehmen wollen, abschrecken.

„Mittlerweile schließe ich nicht mehr aus, eine eigene Apotheke zu gründen. Aber es werden einem schon Steine in den Weg gelegt“, sagt Anne Kassat (27 Jahre), aus Bad Emstal, angestellte Apothekerin in Kassel. Auch Alina Lang, Inhaberin der Brunnenapotheke in Hofgeismar, sieht das als Problem. „Im Schnitt bedeutet das für uns jährliche Verluste im fünfstelligen Bereich.“

Kreis Kassel: Es fehlen junge Fachkräfte – Nordhessen bildet keine PTA mehr aus

Gerhard Peter beschäftigt 25 Angestellte in seinen Apotheken in Helsa, Kaufungen und Fürstenhagen. Die Hälfte der Angestellten ist über 55 Jahre alt. „Das zeigt die Altersstruktur in Apotheken“, sagt Peter. Es kämen kaum noch jüngere Fachkräfte nach. Ein Grund dafür ist, dass es seit 2016 in Nordhessen keine Ausbildung mehr für Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) gibt. Damals hatte der Landkreis sein Angebot an der Willy-Brandt-Schule, der Beruflichen Schule des Landkreises, eingestellt, nachdem eine Förderung vom Land weggefallen war. „Wir konnten das alleine nicht mehr stemmen“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. (Natascha Terjung/Amira Sayed El Ahl/Johannes Rützel)

Apotheker ist ein Engpassberuf

Die Bundesagentur für Arbeit bewertet den Beruf des Apothekers in ihrer Fachkräfteengpass-Analyse für das Jahr 2021 als einen Engpassberuf. Das zeigen auch die Ergebnisse einer Befragung im Auftrag der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände: Demnach wollen bundesweit mehr als die Hälfte der Apotheker in den kommenden drei Jahren Fachpersonal einstellen, neun von zehn Inhaber planen keine Entlassungen. ter

Auch bei den Produkten in den Apotheken kam es im Kreis Kassel vor kurzem zu einem Engpass: Das Medikament Elotrans war weit und breit ausverkauft. Grund dafür: Ein Internet-Trend.

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