Engpass bei Lieferung

Arzneimittel kann Leben verändern: Cannabis sorgt für mehr Appetit

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Medizinisches Cannabis gegen Übelkeit und Appetitlosigkeit: Die Patienten von Palliativmedizinerin Dr. Birgit Zwerger befinden sich in einer extremen Lebenslage, doch nicht jeder profitiert von Cannabis.

Immenhausen. Vor einem Jahr, im März 2017, trat ein Gesetz in Kraft, nach dem Ärzte ihren Patienten medizinisches Cannabis verschreiben können. Dadurch stieg die Nachfrage.

Die Wirkung der Cannabisblüte verschafft vor allem Schwerkranken Linderung. Schon davor gab es Ausnahmegenehmigungen, nun übernehmen die Krankenkassen allerdings die Kosten dafür.

Mehr Lebensqualität

„Ich finde die Gesetzesänderung super, allerdings nur, wenn Cannabis sinnvoll eingesetzt wird“, sagt Dr. Birgit Zwerger von der Lungenfachklinik Immenhausen. Die Palliativmedizinerin verschreibt ihren Patienten Cannabis-Medikamente in Form von Tropfen oder Tabletten nur, wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind. 

Normalerweise werde die Pflanze hauptsächlich in der Schmerztherapie eingesetzt. „Meine Patienten sind sehr dünn und ausgemergelt. Daher bekommen sie das Cannabis, um den Appetit zu steigern und gegen nicht beherrschbare Übelkeit.“

Das könne bei manchen das Leben wieder lebenswert machen, wie die Medizinerin berichtet: „Ein Patient hatte nur noch apathisch im Bett gelegen. Er wollte am liebsten nur noch sterben.“ Nach der Einnahme von Cannabis konnte er nach zwei Wochen wieder laufen, Gitarre spielen, quasi am normalen Leben teilnehmen.

Kein Wundermittel

„Solche Fälle gehören zu den Höhepunkten, Cannabis ist aber kein Wundermittel“, gibt Dr. Zwerger zu Bedenken.

Die Patienten reagierten unterschiedlich auf Cannabis. Das reiche von Rückmeldungen wie „Ich fühle mich wie im Nebel“ bis zu gar keinem Effekt. Daher sei es wichtig, bei jedem die richtige Dosis herauszufinden.

Auch Nebenwirkungen sind nicht ausgeschlossen. Dazu gehören: trockene Schleimhäute, Schwitzen, Müdigkeit, Unruhe, Herzrasen.

Ein Suchtpotenzial sei beim Cannabis wie bei jedem starken Schmerzmittel auch gegeben. Wie schnell jemand süchtig wird, hänge auch von der Persönlichkeit ab. Eine große Nachfrage seitens ihrer Patienten gebe es nicht, im Gegenteil. 

„Manche haben auch Angst davor, weil sie nicht wissen, was das ist. Manche befürchten auch, dass sie davon high werden.“ Dafür sei die Dosis allerdings zu gering.

Engpass bei Lieferung

Auf Nachfrage gaben die meisten Apotheken im Altkreis Hofgeismar an, kein medizinisches Cannabis herausgegeben zu haben. Lediglich bei der Löwen Apotheke in Grebenstein sei die Nachfrage gestiegen.

Eine Patientin hat bereits vor der Gesetzesänderung Cannabis-Medikamente erhalten, nun kamen zwei weitere Anfragen aus Fulda, sagt Apotheker Lutz Mohr. Im Moment sei es schwierig, Cannabis zu bekommen. „Die Wartezeiten dauern teilweise zwei bis drei Monate.“

Das Problem haben viele hessische Apotheker. „Es herrscht eine Knappheit, da Cannabis zurzeit noch aus Holland und Kanada importiert werden muss“, erklärt Katja Förster vom Hessischen Apothekerverband. Die wochenlangen Lieferzeiten werden sich wohl erst ändern, wenn der Anbau der Pflanze ab 2019 auch in Deutschland möglich ist.

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