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Atommüll-Zwischenlager Würgassen: BGZ kritisiert Tüv-Studie

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Von: Daria Neu

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In Würgassen befindet sich bereits ein Atommüll-Zwischenlager der BGZ: Hendrik Kranert erklärt, dass das Logistikzentrum im Bereich hinter dem Gebäude geplant ist.
In Würgassen befindet sich bereits ein Atommüll-Zwischenlager der BGZ: Hendrik Kranert ( © Daria Neu

Die BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung übt Kritik an der Tüv-Studie, die ein Atommüll-Bereitstellungslager in Würgassen für nicht notwendig erklärt hat.

Würgassen – Einige Aspekte seien unzureichend beachtet worden, erklärt Sprecher Hendrik Kranert. Man habe zum Gutachten eine Stellungnahme erarbeitet, die in die Bewertung der Entsorgungskommission (ESK) und damit in die finale Entscheidung auf Bundesebene mit einfließen soll.

Vor einiger Zeit hatte das zuständige Bundesumweltministerium auf HNA-Anfrage bereits geantwortet, dass man die von den Bundesländern in Auftrag gegebene Studie sorgfältig prüfen wolle. Im Dreiländereck herrscht seither große Hoffnung darauf, dass die Pläne für den umstrittenen Bau in Würgassen platzen könnten (wir berichteten).

Kranert sieht das ganz anders. In den Augen der BGZ zähle das Argument, dass die Gesamtdauer der Einlagerung von schwach- und mittelradioaktivem Atommüll mit einem Bereitstellungslager kürzer sei. „Nur mit dem Logistikzentrum ist es möglich, den Atommüll zügig und ohne Unterbrechung ins Endlager zu bringen und ihn auf diese Weise so schnell wie möglich und dauerhaft zu entsorgen.“ Deshalb widerspreche er einem Teil der Tüv-Studien-Ergebnisse zum geplanten Atommüll-Zwischenlager in Würgassen, dass mit einer geeigneten Vorausplanung das Endlager Konrad auch ohne Bereitstellungslager beschickt werden könne.

BGZ kritisiert Tüv-Studie: Es gebe „unhinterfragte Daten“

„Die Studie geht teilweise von falschen Voraussetzungen aus“, sagt Kranert. Zum Beispiel sei es nicht richtig, dass eine Pufferhalle am Endlager ein Logistikzentrum ersetzen könne, dafür sei sie viel zu klein. Es gebe außerdem weitere „unhinterfragte Daten“, beispielsweise dass ein Großteil der Abfallmengen von den Lkw auf Züge verladen würden, bevor sie Würgassen erreichten.

In Würgassen (Kreis Höxter) soll ein Atommüll-Bereitstellungslager entstehen. Doch das Vorhaben gerät zusehends ins Wanken. Archiv
In Würgassen (Kreis Höxter) soll ein Atommüll-Bereitstellungslager entstehen. Doch das Vorhaben gerät zusehends ins Wanken. Archiv © Markus Löschner

Möglichst risikoarm und zügig Atommüll entsorgen – das sei das Ziel der BGZ. Beverungens Bürgermeister Hubertus Grimm, der auch Sprecher des Standort-Arbeitskreises ist, sieht in puncto Risiko jedoch ein großes Problem. „Es war zu erwarten, dass die BGZ Teile der Studie infrage stellen würde“, sagt er auf Anfrage. Entscheidend sei jedoch die Kosten-Nutzen-Relation des Bereitstellungslagers insgesamt. Diesbezüglich würde der Aspekt „Gefahren“ seitens der BGZ zu wenig beachtet. Trotz der Stellungnahme sei Grimm derzeit „sehr entspannt.“ Auf Ministerebene gingen die Gespräche weiter. Zum Standort Würgassen sei nicht das letzte Wort gesprochen.

Ein Zwischenlager steht bereits in Würgassen

Abgesehen vom geplanten Logistikzentrum betreibt die BGZ bereits ein Atommüll-Zwischenlager in Würgassen. Dort werden vor allem Reststoffe aus dem Betrieb und Rückbau des Kernkraftwerks zwischengelagert. Der Bau wurde 1981 errichtet und ging im Jahr 2020 an die BGZ. Das Lager ist bereits voll und enthält 311 Konradradcontainer mit 2949 Kubikmeter Abfallvolumen (maximale Lagermenge: 3000 Kubikmeter) aus dem Rückbau des Kernkraftwerks.

Atommüll-Zwischenlager Würgassen: BGZ sieht zwingende Notwendigkeit

Dass es im Dreiländereck mit Blick auf das geplante Atommüll-Bereitsstellungslager in Würgassen massive Kritik hagelt, das sei BGZ-Sprecher Hendrik Kranert bewusst: „Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass das Thema Atommüll bei den Menschen hier vor Ort besonders im Fokus ist.“ Würgassen müsse eine Last des gesamten Bundes auf den Schultern tragen.

Allerdings gehöre der Plan des Bundesumweltministeriums und der BGZ zum Atomausstieg. „Wir setzen ihn um, wir beschleunigen ihn.“

Die Kritik

Man wolle sich ernsthaft mit allen Kritikern austauschen und ihre Sorgen ernstnehmen. Seit Monaten stellen sich Bürgerinitiativen, Lokalpolitiker und Privatpersonen gegen das Vorhaben, organisieren Aktionen und brachten in Zusammenarbeit mit den beteiligten Bundesländern sogar ein Gutachten auf den Weg, das das Projekt ernsthaft ins Wanken bringen soll.

Kranert vermute dennoch, dass nicht unbedingt der Großteil der Menschen aus Würgassen und Umgebung gegen das Bereitstellungslager sei. Tatsächliche Ergebnisse wolle man perspektivisch mittels einer Umfrage herausfinden.

So sehen sieht verpackter Atommüll aus, der laut BGZ unter anderem durch eine Betonschicht in Containern von der Außenwelt abgetrennt ist.
So sehen sieht verpackter Atommüll aus, der laut BGZ unter anderem durch eine Betonschicht in Containern von der Außenwelt abgetrennt ist. © Daria Neu

Der Plan

In Deutschland gibt es 30 dezentrale Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, erklärt Kranert. Diese würden von innen nach außen zurückgebaut. Die Betreiber, zu denen auch die BGZ gehört, verschließen die Abfälle in Fässer, die wiederum in Container vergossen werden. Dann würden diese in Zwischenlager eingelagert. In Würgassen gibt es bereits eines.

„Das Endlager Konrad soll ein rigides Einlagerungssystem verfolgen. Vereinfacht gesagt ist es dafür notwendig, die Behälter je nach Abfallart in die richtige Reihenfolge zu bringen“, sagt Kranert. Und genau für diesen Vorgang sei das Logistikzentrum wichtig. „Die Zwischenlager laufen uns sukzessive voll.“ Mit dem Bereitsstellungslager spare man sich zehn Jahre Einlagerungszeit insgesamt. Laut dem BGZ-Sprecher besteht der Wunsch, radioaktiven Müll so schnell wie möglich sicher und final zu entsorgen.

Die Notwendigkeit

Die Notwendigkeit, die die Tüv-Studie deutlich infrage stellt, halte die BGZ für unbestritten. „Natürlich ist das Logistikzentrum eine Belastung für die Region, auch in der Bauphase.“ Sorgen um die sichere Verpackung des Abfalls und um die langfristige Belastung durch die Transporte müsse man sich seiner Meinung nach jedoch nicht machen. „Am Ende sind es maximal 20 Lkw pro Tag, in der Regel deutlich weniger. Der hauptsächliche Transport soll ohnehin auf Schienen stattfinden.“ Diese würden dafür instandgesetzt.

Die Studie

Dass die Tüv-Studie die Pläne für das Logistikzentrum, das ursprünglich ab dem Jahr 2027 in Betrieb gehen sollte, platzen lassen könnte, glaube Kranert nicht. „Wir rechnen damit, dass es etwas wird.“ Gleichzeitig räumt er ein, dass man bereits jetzt etwa ein Jahr im Verzug sei. Wann genau das Bundesumweltministerium eine Entscheidung treffen werde, dazu könne sich die BGZ nicht äußern. (Daria Neu)

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