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Atommüll-Zwischenlager Würgassen: Unfallgefahr ist der Knackpunkt

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Von: Daria Neu

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Hochwasser und Erdfall könnten laut Geologen zu Gefahren werden, wenn in Würgassen tatsächlich ein Bereitstellungslager für Atommüll gebaut würde. Archiv
Hochwasser und Erdfall könnten laut Geologen zu Gefahren werden, wenn in Würgassen tatsächlich ein Bereitstellungslager für Atommüll gebaut würde. (Archivfoto) © Markus Löschner

Wie gefährlich ist das geplante Bereitstellungslager für Atommüll in Würgassen wirklich? Diese Frage beschäftigt die Menschen im Dreiländereck sehr.

Würgassen – Die Kritik am geplanten Atommüll-Bereitstellungslager in Würgassen reißt nicht ab. Immer wieder betonen Gegner des Vorhabens, dass bestimmte Risiken im Standortvergleich nicht ausreichend abgewogen worden seien. Neben den geologischen und infrastrukturellen Aspekten machen sich viele Menschen auch Sorgen um das Thema Strahlung insgesamt. Aber wie gefährlich ist Atommüll eigentlich wirklich, wenn er gelagert, verpackt oder transportiert wird?

Zunächst noch einmal zum Plan der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung: In dem neuen Logistikzentrum in Würgassen sollen nach deren Angaben ab dem Jahr 2027 Behälter mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen aus dezentralen Zwischenlagern in ganz Deutschland gesammelt und für den Transport ins Endlager Konrad zusammengestellt werden. „Die radioaktiven Abfälle stammen aus Betrieb, Stilllegung und Rückbau von Atomkraftwerken sowie aus den Bereichen Medizin, Forschung und Gewerbe. Hochradioaktive Abfälle, wie etwa abgebrannte Brennelemente, werden dort nicht gelagert“, heißt es in der Beschreibung.

Atommüll-Zwischenlager Würgassen: Strahlung der Abfälle ist unterschiedlich stark

Dr. Christian Heid ist beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie für den Strahlenschutz zuständig und sagt: „Dass leicht- und mittelradioaktiver Abfall zwischengelagert wird, ist nichts Neues und im Grunde eine sehr sichere Angelegenheit.“ Das größte Unglück sei es, wenn beispielsweise ein Flugzeug genau über diesem Bereich abstürze und das Ganze in Brand setze, das sei aber ein vergleichsweise unwahrscheinliches Szenario.

Auch die Fässer, in denen die Atomabfälle verpackt würden, seien in der Regel sicher. Wie stark die Strahlung der jeweiligen Abfälle sei und wie lange diese anhalte, sei sehr unterschiedlich.

Dirk Wilhelm von der Bürgerinitiative Atomfreies Dreiländereck bestätigt, dass unter leicht- und mittelradioaktiven Müll sehr viel falle und keine Pauschalaussage über die jeweilige Halbwertszeit getroffen werden könne. „Bei manchen Abfällen handelt es sich aber um eine Strahlung, die unter Umständen Jahrhunderte dauert.“ Er betont, dass es ihm und seinen Kollegen der Bürgerinitiative nicht um die grundsätzliche Strahlung gehe, die von dem Atommüll ausgeht, wenn er sicher verpackt bleibt.

Unfallgefahr ist das Problem – Ortsdurchfahrten und eingleisiges Schienennetz wurden nicht berücksichtigt

Der Knackpunkt sei viel mehr die Unfallgefahr, die er zu wenig berücksichtigt sehe. In der Summe seien es zu viele Defizite, die nicht benannt, sondern von den Vorhabenträgern bagatellisiert würden. Das Minimierungsgebot sei nicht eingehalten worden. „Dass beim Transport des Atommülls bis zu elf Ortsdurchfahrten benutzt würden, wurde nicht berücksichtigt“, sagt Wilhelm und verweist zusätzlich auf das nicht hinreichend betrachtete eingleisige Schienennetz. All das seien Gefahren, die es zu minimieren gegolten hätte. „Die Fakten werden schöngerechnet und weichgespült“, sagt er. (Daria Neu)

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