1. Startseite
  2. Lokales
  3. Hofgeismar
  4. Hofgeismar

Aufgepäppelt: Hofgeismarerin sucht ein neues Zuhause für Tauben

Erstellt:

Von: Natascha Terjung

Kommentare

Mehr als 30 Tauben hat Roswitha König von der Wildvogelhilfe Hofgeismar bei sich aufgenommen, darunter auch diese. Laut König zeigt die Federzeichnung, dass diese keine reine Stadttaube ist, denn die sind normalerweise grau.
Mehr als 30 Tauben hat Roswitha König von der Wildvogelhilfe Hofgeismar bei sich aufgenommen, darunter auch diese. Laut König zeigt die Federzeichnung, dass diese keine reine Stadttaube ist, denn die sind normalerweise grau. © Natascha Terjung

Eigentlich kümmert sich Roswitha König um verletzte Wildvögel, doch nun hat sie auch am PMV-Virus erkrankte Tauben aufgepäppelt – und findet kein Zuhause für sie.

Hofgeismar – In ihrer Vogelauffangstation in Hofgeismar kümmert sich Roswitha König eigentlich um verletzte Wildvögel. Doch seit Anfang des Jahres hat sie auch Tauben bei sich aufgenommen – und das wird allmählich zu einer enormen Belastung, wie sie sagt. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass das so dramatisch wird.“

Die Stadttaubenhilfe Kassel habe sich an sie gewandt und sie gebeten, einige Tauben aufzunehmen, die an Paramyxovirose (PMV) erkrankt sind. Dieser Virus verursacht bei den Tieren Nervenschäden und Lähmungen und kann auch zum Tod führen. Für Menschen ist die Krankheit aber ungefährlich, erklärt König.

Das Problem: Niemand will die Tauben, die momentan bei Roswitha König leben, bei sich aufnehmen. Das sei aber notwendig, sagt König, denn die an PMV erkrankten Tauben können auch nach einer Impfung nicht mehr in Freiheit leben, denn oft bleiben Schäden am Nervensystem und Organen. „Der Virus kann vor allem in Stresssituationen wieder ausbrechen.“

Hofgeismarerin sucht Zuhause für Tauben: Die Tiere können nicht mehr in Freiheit leben

Eine akut mit dem PMV-Virus erkrankte Taube kann sich meistens nicht mehr ausbalancieren, oft kommt es zu einer Kopfschiefhaltung. Dadurch können die Tiere auch nicht mehr richtig fressen und fliegen.

Da die Symptome in Stresssituationen wieder auftreten können, können die Tiere sich in Freiheit nicht ausreichend selbst versorgen, erklärt König. Doch Tauben zuhause aufnehmen und sich um sie kümmern, wollen offenbar nur wenige: „Auch nach einem Aufruf vom Nabu unter seinen vielen Mitgliedern haben sich nur zwei gemeldet“, berichtet die Hofgeismarerin.

Eine Bekannte von Roswitha König hat zwar bereits sechs Tauben bei sich aufgenommen. Doch noch immer betreut König etwa 20 der Tiere – neben den verletzten oder kranken Wildvögeln. „Ich kann das kaum schaffen, alleine die Fütterung kostet viel Zeit.“ Die Tauben brauchen laut König nur einen Platz, wo sie leben dürfen, gefüttert werden und sich bewegen und auch ein wenig fliegen können, „wobei viele der PMV-Tauben sowieso nicht mehr fliegen“.

Können nicht mehr selbstständig Futter aufnehmen: Tauben, die an Paramyxovirose (PMV) erkrankt sind, verhungern ohne fremde Hilfe. Die Brieftaube auf dem
Können nicht mehr selbstständig Futter aufnehmen: Tauben, die an Paramyxovirose (PMV) erkrankt sind, verhungern ohne fremde Hilfe. © Bea Ricken

Vermehrung und Erkrankung von Tieren kann mithilfe von betreuten Taubenschlägen eingedämmt werden

Am besten sollten sie als Paar gehalten werden, denn Tauben sind Schwarmvögel, erklärt Roswitha König. Zudem könnten die Tauben auch draußen gehalten werden, sie bräuchten nur einen trockenen Unterstand. „Alle Tauben, die ich aufgepäppelt habe, können selbstständig trinken und fressen. Sie müssen nur einmal im Jahr gegen Paramyxovirose geimpft werden.“ Angst vor Krankheiten, die die Tiere übertragen könnten, brauche man nicht zu haben: „Sonst wäre ich ja ständig krank.“

Damit nicht noch mehr Tiere an PMV erkranken oder daran sterben, sieht König eine Lösung nur in betreuten Schlägen, in denen die Tauben gefüttert und geimpft werden. So könne man die Tiere auch aus den Innenstädten holen. Doch es gebe zu wenig Ehrenamtliche, die sich darum kümmern können oder wollen. „Viele stören sich an den Tauben. Doch unternehmen will niemand etwas“, sagt König. Auch deshalb wünscht sich die Hofgeismarerin für ihre Tauben ein neues Zuhause.

Info: Wer Tauben bei sich aufnehmen möchte, kann sich bei Roswitha König unter Tel. 0170 50 16 10 7 melden. (Natascha Terjung)

Auch interessant

Kommentare