Aufregung um den Ärztedienst

Gemeinde Wesertal wehrt sich gegen Änderung der Bereitschaftsregelungen

Ein Rettungswagen ist vor einem unscharfen Hintergrund zu sehen.
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Rettungswagen beim Start zu einer Einsatzfahrt (hier in Hofgeismar). An der Weser soll das System für Bereitschaftsdienste wieder komplizierter werden.

Die Gemeindevertreter aus Wesertal wehren sich gegen eine Verschlechterung der ärztlichen Versorgung in ihrer Region. Der grenzüberschreitende Bereitschaftsdienst solle bleiben.

Wesertal/Bodenfelde – In einer einstimmig verabschiedeten Resolution fordern die Gemeindevertreter aus Wesertal den Erhalt des bisherigen grenzüberschreitenden ärztlichen Bereitschaftsdienstes im Raum Wesertal, Uslar, Adelebsen und Bodenfelde.

Die Gemeinde solle in die Planungen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) mit einbezogen werden. Die von der KV Niedersachsen geplante Änderung würde erhebliche Einschnitte bedeuten.

Bisheriger Bereitschaftsdienstbereich soll aufgelöst werden

Bislang werden diese Patienten bei Notfällen an Wochenenden oder nachts von Ärzten aus den Nachbarorten bis hin nach Adelebsen versorgt.

Der bisherige Bereitschaftsdienstbereich Uslar, zu dem auch Adelebsen, Bodenfelde und Wesertal gehören, soll aber nun aufgelöst werden.

Uslar und Bodenfelde sollen ab dem 1. Februar dem Bereich Northeim zugeordnet werden, Adelebsen dem Bereich Göttingen und Wesertal soll künftig aus Hessen, in diesem Fall vor allem von der Kreisklinik Hofgeismar, versorgt werden.

Gemeindevertreter befürchten längere Arztwege

Das würde die Wege zum Arzt (für die Menschen aus den niedersächsischen Orten etwa ins Krankenhaus Northeim) deutlich vergrößern oder die Wartezeiten verlängern, weil die Bereitschaftsärzte größere Entfernungen bewältigen müssten, fürchten die Gemeindevertreter.

Die Resolution aus Wesertal fordert deshalb neben dem Erhalt des bisherigen Systems auch, dass die Gemeinde in die Planungen der KV mit einbezogen wird. Sie bitten zudem die Stadt Uslar und die Gemeinden Adelebsen und Bodenfelde, sich der Resolution anzuschließen.

Sie erwarten zudem, so heißt es weiter, von den Landkreisen Northeim und Kassel, dass sie sich ebenfalls für den Erhalt des Bereitschaftsdienstes einsetzen, damit die betroffenen Kommunen „nicht zu einer medizinisch unterversorgten Problemregion werden.“

Alarmierungsprobleme häufen sich

Die Menschen hätten durch die Schließungen der Krankenhäuser in Uslar und Helmarshausen schon weitreichende Veränderungen hinnehmen müssen. Zudem gebe es zahlreiche Alten- und Pflegeheime sowie zuhause gepflegte Menschen, für die weite Fahrten in die Krankenhäuser nicht möglich seien.

Die Menschen an der Weser hatten wegen der überschneidenden Fernmeldebereiche im Grenzraum zwischen Hessen und Niedersachsen jahrzehntelang mit Alarmierungsproblemen auch schon bei Feuerwehreinsätzen zu kämpfen.

Zuletzt gab es erhebliche Probleme mit der bundesweiten Ärztedienstnummer 116 117, weil sie (angeblich aufgrund eines Softwarefehlers) in Duisburg auflief, wo man die Wesertal-Orte geografisch nicht zuordnen konnte.

Die Zusammenarbeit über die Landesgrenze funktioniert

Beim Bereitschaftsdienst hätte sich zuletzt mit Einverständnis beider KV ein funktionierendes System eingespielt, wie Bürgermeister Cornelius Turrey sagte.

Die Ärzte im Weserraum hätten sich untereinander über die Termine der Notdienste abgesprochen, die Zusammenarbeit über die Landesgrenze funktionierte.

Die KVN sah bisher keine Möglichkeit, die Pläne zu ändern. Grund für die Änderung sei vor allem der hohe Zuschussbedarf wegen der geringen Honorareinnahmen. Die Neuregelung solle Ärzte entlasten und eine Niederlassung für sie attraktiver machen. (Thomas Thiele)

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