Gewerkschaft: Kein Einzelfall, Innung widerspricht

Bäcker aus dem Kreis Kassel packt aus: 50 Überstunden pro Monat

Kreis Kassel. Nachtarbeit, unbezahlte Überstunden und am Ende bleibt nicht einmal der Mindestlohn. Solche Fälle prangern Gewerkschaften im Bäckerhandwerk an - und so beschreibt ein Bäcker aus dem Kreis Kassel auch seine Arbeitsbedingungen.

Sein Fazit: Dass dem Bäckerhandwerk der Nachwuchs fehle, sei logisch.

Laut der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten NGG sind diese Arbeitsbedingungen kein Einzelfall – vor allem bei kleinen Betrieben. Ursache sei oft hoher Konkurrenzdruck. Auch die Bäckerinnung Kassel erklärt, dass es solche Fälle geben kann. Es handele sich aber nicht um ein Grundsatzproblem der Branche.

Der Bäcker aus dem nördlichen Kreis Kassel, der aus Angst um seinen Job anonym bleiben will, kennt die Branche und ihre Probleme seit vielen Jahren. Sein Betrieb sei nicht tarifgebunden: In seinem Arbeitsvertrag sind statt der tariflich üblichen 165 Stunden im Monat über 170 festgeschrieben. 

Doch davon sei die reale Arbeitszeit weit entfernt: 50 Überstunden im Monat seien die Regel. Diese würden weder bezahlt noch ausgeglichen. Bei 2000 Euro brutto liege man dann knapp unter dem Mindestlohn von 8,84 Euro. Noch härter sei es für Azubis, die keine Zuschläge bekämen.

„Solche Fälle sind ein Problem der Branche vor allem bei denen, die ums Überleben kämpfen“, sagt Andreas Kampmann, Geschäftsführer der NGG in Nord- und Mittelhessen. Auch ohne Tarifvertrag müssten Arbeitgeber die zusätzliche Arbeit entlohnen.

Bernd Riede, Obermeister der Bäckerinnung Kassel, sagt zu den Schilderungen: „Es gibt Betriebe, die am Existenzminimum rumkrebsen und bewusst nicht auf Tarif umstellen, weil sie es nicht können.“ Es gebe aber auch kleine Bäcker, die gut zahlten. Die Innung weise immer wieder darauf hin, dass man gute Mitarbeiter brauche und nur bei angemessener Bezahlung bekomme.

Rubriklistenbild: © dpa

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