Bauern gegen Brückensperrung - Bauwerk einsturzgefährdet, Neubau fraglich

Fühlen sich ausgesperrt: Die Landwirte Stefan Faupel und Bernd Diederich (von links, mit Dominik Mulle als Enkel eines Bewohners des Eisenbahnerhauses) an der Baustahlmatte und den Felsbrocken, die die Essebrücke unpassierbar machen. Foto: Thiele

Hofgeismar/Hümme. Die Essebrücke am Schießbach unterhalb des Schönebergs zwischen Hofgeismar und Hümme ist unpassierbar.

Wo früher sogar noch Holztransporter hinüberfuhren, versperren seit mehreren Jahren dicke Felsbrocken die Durchfahrt. Und seit einigen Monaten sorgen einbetonierte Baustahlmatten dafür, dass auch Fußgänger nicht mehr hinüberkommen. Immer wieder stehen nun Wanderer und Radfahrer ratlos davor.

Ratlos sind auch mehrere Landwirte, denn ihnen ist die direkte Durchfahrt zu ihren Grundstücken und Ställen am Schöneberg versperrt und sie müssen Umwege über den Bahnübergang nahe der Steinmühle oder durch die enge Ortsdurchfahrt in Hümme in Kauf nehmen. „Ich habe noch nicht gesehen, dass an der Brücke mal was ausgebessert oder instandgesetzt wurde. Jetzt ist sie baufällig. Wir haben schon bei der Stadt vorgesprochen, aber da gab es keine Reaktion“, sagt Landwirt Bernd Diederich.

Sein Kollege Stefan Faupel, der seine jährlichen Umwege auf 1000 Kilometer schätzt, führt an, dass es schließlich die Landwirte seien, die die als Rad- und Wanderwege ausgewiesenen Feldwege im Stadtgebiet Hofgeismar mitfinanzieren und instandhalten, aber sie könnten sie nicht nutzen. Es sei Aufgabe der Stadt, für die Erhaltung der Brücke zu sorgen. Und die Hümmer Landstraße sei wegen der rasenden Autos zu gefährlich für Radfahrer, ergänzt Faupel.

Als wichtigstes Argument nennen die Landwirte aber, dass die Bewohner des ehemaligen Eisenbahnerhauses, das quasi auf einer Insel zwischen Esse und Bahnlinie steht, im Notfall von Feuerwehr oder Rettungsdiensten nicht erreichbar seien, wenn die Schranke geschlossen oder, wie im vergangenen Jahr, wegen Bauarbeiten gar nicht passierbar sei. Für Fahrten zum Arzt oder Einkaufen musste sich damals seine Frau immer ein Taxi auf die andere Seite der Brücke ordern, als diese noch begehbar war, weil sie sonst nicht herausgekommen wäre, erzählt Mieter Kurt Kmiecik. Ihnen sei schon einmal angeboten worden, sich mit 5000 D-Mark an einem Neubau zu beteiligen.

Bei der Stadt ist man nicht glücklich über die Situation mit dem nicht mehr standsicheren Bauwerk. Wegen der Bauschäden war die Tonnage der Brücke begrenzt worden, nach einer Brückenprüfung vor vier Jahren wurde sie komplett für Fahrzeuge gesperrt und im Vorjahr auch für Fußgänger, weil die Geländer morsch sind. Man berate derzeit über Lösungen. Eine Rad- oder Gehwegbrücke sei sicher machbar, eine größere aus Kostengründen aber nicht, meinte Bürgermeister Markus Mannsbarth. Früher sei die Bahnschranke immer geschlossen gewesen und nur auf Anforderung geöffnet worden. Jetzt sei sie immer offen und werde nur bei Zugdurchfahrt automatisch geschlossen. Wegen des benachbarten Übergangs an der Steinmühle mit intakter Brücke sei die Brücke am Schießbach eigentlich unnötig.

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