100 Jahre Bauhaus: Die Künstler in Hofgeismar

Bauhaus in Hofgeismar: Die Künstler Friedrich Wilhelm und Theodor Bogler

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Hat seinen Platz im Hofgeismarer Stadtmuseum gefunden: Bild von Friedrich Wilhelm Bogler mit dem Titel „Holztragende Mädchen“ und der Kennzeichnung „Knüll“.

Vor 100 Jahren wurde das Bauhaus gegründet: Auch die Hofgeismarer Künstler Friedrich Wilhelm Bogler und Theodor Bogler wurden dort ausgebildet. Wir stellen sie vor.

Mehr als 120 Jahre ist es her, dass in der Petristraße 8, in der Nähe des heutigen Apothekenmuseums, ein Künstler geboren wurde. Es ist das Jahr 1897 - der Keramiker und späterer Prior der Benediktiner-Abtei Maria Laach, Theodor Bogler, kommt zur Welt; fünf Jahre später in der Neuen Straße sein Brüder Friedrich Wilhelm Bogler. Beide besuchen das Bauhaus, lernen beim Künstler Johannes Itten und schlagen dennoch komplett unterschiedliche Wege ein.

Friedrich Wilhelm Bogler: Maler, Schreiner, Schneider

1919 geht Theodor Bogler an das Staatliche Bauhaus in Weimar, bis er sich 1921 entscheidet, in München Architektur zu studieren. Sein Bruder Friedrich Wilhelm macht von 1919 bis 1921 eine Schreinerlehre in Hofgeismar, die er mit dem Gesellenbrief abschließt. An das Bauhaus zieht es ihn 1921, dort kann er Kunst und Handwerk verbinden. Eine Zeit der Freiheit: Friedrich Wilhelm probiert sich aus, versucht sich in der Malerei, Weberei, Schneiderei und dem Theater. Er verlässt das Bauhaus 1925. Geht nach Berlin, wo er mit einer Kommilitonin als Modeschneider arbeitet, später als Maler bei Potsdam.

Der Keramiker Theodor Bogler

In dieser Zeit hat er wieder mehr Kontakt zu seinem Bruder Theodor, der die nahgelegende Modell- und Formwerkstatt der Steingutfabrik Velten-Vordamm leitet. In einem Brief schreibt er Jahre später nach dem Tod seines Bruders: „Unsere Wege trafen sich, sie liefen ein Stück parallel, ohne dass sie sich allzumehr berührten.“ Theodor Bogler hat es zuvor wieder an das Bauhaus gezogen, dort besuchte er die Keramikwerkstatt – ein Kunsthandwerk, das er als ehrlich und ursprünglich begreift. Sein Bruder widmet sich nun der Malerei, zeichnet und aquarelliert. Er wendet sich der Neuen Sachlichkeit zu, malt realistischer. 1929 baut er ein Atelier auf dem Knüllkopf, das er 1933 zu einem Wohnhaus umbaut.

Bauhaus-Künstler: Ein Leben auf dem Knüllkopf

Sein Bruder, mittlerweile Priester in der Benediktiner-Abtei Maria Laach, möchte, dass Friedrich Wilhelm ebenfalls ins Kloster geht. Er verneint, heiratet 1939 Johanna Peter. Auf dem Knüllkopf porträtiert er Bauern und Bäuerinnen, widmet sich in seinem Werk der Landschaft. Schließlich wird er in den Krieg eingezogen, wo er 1945 verwundet wird. Friedrich Wilhelm Bogler wird in ein Lazarett in Österreich, in Zell am See, gebracht, wo er am 22. Mai 1945 an einer Lungenentzündung stirbt. Erst in den 1950er-Jahren findet Theodor Bogler sein Grab, er ist mittlerweile Leiter der Kunstwerkstätten der Abtei Maria Laach. Er stirbt am 13. Juni 1968.

Heute erinnern eine Straße in Schwarzenborn und ein Weg in Erfurt an die Brüder. Zu Friedrich Wilhelm Bogler gab es 2002 im Stadtmuseum die letzte Ausstellung. Der zugehörige Katalog gleicht heute einer Rarität.

Was war das Bauhaus?

Das Staatliche Bauhaus war eine Kunsthochschule für Design-, Architektur und Kunst, die am 12. April 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet wurde. Sein Ziel war es Kunst und Handwerk zu verbinden, wofür er „Bauhaus“ als Oberbegriff wählte. Mehrfach musste das Bauhaus aus politischen Gründen umziehen, erstmals 1926 nach Dessau, dann 1932 nach Berlin als Privatschule. 1933 musste die Schule wegen des Zweiten Weltkriegs geschlossen werden. Seit 1996 gehören die Bauhaus-Bauten zum UNESCO Weltkulturerbe. Zu den Lehrenden am Bauhaus gehörten Kunstgrößen wie Paul Klee, Wassily Kandinsky und László Moholy-Nagy.

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