Beberbeck: Mieter steckten viel Arbeit in Häuser

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Akzeptieren die Kündigung ihrer Mietshäuser nicht: Ingolf Reuß (hinten, von links), Alexander Bienemann, Peter (vorn,von links) Veronique, Julia und Anna-Lena wollen nicht ausziehen.

Beberbeck. „Ein kleines Paradies" nennt Veronique Bollerhey ihren Wohnort an der Hombresser Straße im Hofgeismarer Ortsteil Beberbeck.

Sie meint damit nicht nur das Haus, das sie mit ihrer Familie mietet. Auch das umliegende Grün haben sie und die anderen Mieter der Straße nach ihren Geschmäckern hergerichtet.

Alexander und Galina Bienemann zum Beispiel bauten zwei Gewächshäuser und einen Grillplatz und legten einen kleinen Teich an. „Auf dem Grillplatz kommen oft alle Nachbarn zusammen und verbringen Zeit miteinander“, sagt Alexander Bienemann. Für die teuren Baumaschinen, die er besitzt, musste eine Werkstatt her. Die hat sich der Schreiner einfach selbst gebaut, nur wenige Meter von seinem Mietshauses entfernt. „Nachdem damals die Pläne für ein riesiges Ferienresort in Beberbeck auf Eis gelegt worden sind, haben meine Frau und ich gedacht, dass wir für immer hier wohnen bleiben können“, sagt Bienemann. „Deshalb haben wird hier so viel Arbeit reingesteckt. Wenn die Pläne für den Bau eines Ferienresorts durchgesetzt worden wären, hätten damals alle Bewohner ausziehen müssen.

Ingolf Reuß geht es ähnlich. Er wohnt seit 2006 an der Hombresser Straße und hat bereits 8000 Euro in sein Mietshaus investiert. Das Bad, der Boden, die Wände sind renoviert, fast alle Möbel hat er selbst gebaut. „Ich werde bis zum Schluss protestieren und mein Haus nicht freiwillig verlassen“, sagt Reuß zu den Abrissplänen.

Veronique Bollerhey kündigt ebenfalls an, nicht auszuziehen. „Ich möchte meine Enkelkinder hier großziehen“ sagt die Mutter zweier Töchter. Außerdem habe sie Ponys, Hunde und Katzen, mit denen sie nicht einfach umziehen könne. „Als ich die Kündigung bekommen habe, bin ich in ein tiefes Loch gefallen. Mir hat es in dem Moment den Boden unter den Füßen weggerissen“, sagt Bollerhey. Sie hat eine Facebook-Gruppe mit dem Namen „Beberbeck kein Abriss“ gegründet, bei der sich bereits über 1000 Anhänger gemeldet haben.

Warum sich die Sanierung der Häuser wirtschaftlich nicht lohnen soll, können alle Mieter nicht verstehen. Um zu zeigen, dass die Räume in keinem schlechten Zustand sind, haben sie ihre Türen geöffnet und einen Einblick gegeben.

Die Hofgeismarer Stadtverwaltung will die Abrisspläne ebenfalls nicht einfach hinnehmen. Laut Baugesetzbuch muss sie ihr Einvernehmen zu dem Vorhaben geben. „Wir werden unsere Unterschrift nicht ohne weitere Erklärungen daruntersetzen“, sagt Stadtrat Günter Ebel. „Das kann die Pläne nicht verhindern, aber wir geben damit ein Signal.“ Das Hessische Landwirtschaftsministerium müsse jetzt erklären, warum die Häuser unbedingt abgerissen werden müssen und ob es nicht auch eine andere Möglichkeit gebe.

„Es könnte vielleicht mehr dahinterstecken als reiner Landgewinn“, sagt Ebel.

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