Landwirte schützen Tiere

Beim Mähen auf moderne Technik setzen: Hochfrequente Töne warnen Rehe

Gemeinsam für den Wildtierschutz: (von links) Jörg Kramm, (stellvertretender Vorsitzender Regionalbauernverband Kurhessen), Reinhold Humme (Jagdaufseher), Helmut Grandjot (Landwirt), Luka Wilke (Schlepperfahrer) und Roland Humburg (Jagdaufseher).
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Gemeinsam für den Wildtierschutz: (von links) Jörg Kramm, (stellvertretender Vorsitzender Regionalbauernverband Kurhessen), Reinhold Humme (Jagdaufseher), Helmut Grandjot (Landwirt), Luka Wilke (Schlepperfahrer) und Roland Humburg (Jagdaufseher).

GPS-gesteuert zieht der Schlepper seine geraden Bahnen auf dem Grünland. An die Zugmaschine gekoppelt sind fast zehn Meter weit ausladende Mähbalken.

Hofgeismar - Die lassen die gerade noch aufrecht stehenden kräftigen Halme des Grünroggens hinter sich auf zwei Spuren sauber zu Boden fallen. Für Wildtiere, insbesondere für Rehe, sind solche Maschinen eigentlich eine tödliche Gefahr.

Doch Landwirt Helmut Grandjot, Eigentümer des zwölf Hektar großen Schlages unterhalb des Schönebergs, will die Wildtiere schützen. Deshalb lässt er sein Grünland von einem Traktor mähen, der mit einer speziellen Sicherheitstechnik ausgerüstet ist: Auf der Motorhaube des Schleppers ist ein Schallgerät montiert, das während der Fahrt einen lauten hochfrequenten Ton aussendet. „Dieser Ton warnt die Rehe und veranlasst sie, rechtzeitig das Weite zu suchen“, sagt Grandjot.

Ausreichend Zeit, um Schutzzonen aufzusuchen

Da der Schlepper beinah wie von Geisterhand über Satellitensignal gesteuert wird, kann Fahrer Luka Wilke seinen Blick konzentriert über die gesamte Fläche streifen lassen. „Dadurch kann ich erkennen, wenn sich etwas bewegt und ein Tier aufgescheucht wird. Dann hupe ich nochmal, bremse ab und lasse dem Reh, dem Fuchs oder dem Hasen Gelegenheit zu flüchten.“

Doch damit nicht genug: Damit die Wildtiere ausreichend Zeit haben, andere Schutzzonen aufzusuchen, „haben wir bereits am Vorabend mit dem Mähen begonnen“, sagt Helmut Grandjot. So wurden die vier Außenränder gemäht sowie eine Spur in der Mitte der Fläche gezogen.

„Das machte es Ricken möglich, über Nacht mit ihren gerade gesetzten Kitzen in den angrenzenden Wald des Schönebergs oder in das benachbarte Rapsfeld zu wechseln“, sagt Roland Humburg, der mit seinem Kollegen Reinhold Humme Jagdaufseher in den Schöneberger Revieren ist. Die beiden finden es „vorbildlich, wie Landwirte hier mit uns Jägern zusammenarbeiten“.

Hilfe für Landwirte und Jäger

„Von dieser Zusammenarbeit profitieren beide Seiten“, ist auch Jörg Kramm, stellvertretender Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Kurhessen, überzeugt. Er weist darauf hin, dass mit Blühstreifen am Rande von Äckern und Wiesen, wie sie Helmut Grandjot schon seit Jahren anlegt, Wildschäden verringert werden können. Solche Streifen machten es für Jäger einfacher, Schwarzwild und Rehwild gezielt zu entnehmen. „Das hilft uns Landwirten und den Jägern“, sagt Kramm und erntet Zustimmung von Humburg und Humme.

Und als wollten sie die Schutzmaßnahmen von Landwirt und Jägerschaft bestätigen, suchen just in der Zeit, als wir die Mähaktion am Schöneberg beobachten, zwei Rehe zur Flucht aus dem Grünroggen in den nebenstehenden Raps an. Über die breiten Mähschneisen, die Luka Wilke am Vorabend gezogen hat. Zur Sicherheit geht Reinhold Humburg dann noch mit seinem Teckel das Gelände ab. Aber augenscheinlich ist die gesamte Fläche nun von Wildtieren frei. Und Luka Wilke hat wenig später die zwölf Hektar komplett gemäht. Ohne, dass ein einziges Tier zu Schaden gekommen ist. (Gerd Henke)

Gute Deckung für Wildtiere – Rehe legen ihre Kitze ab

In den schon knapp meterlangen Halmen des Grünroggens finden die Wildtiere im Frühjahr gute Deckung. Gerade Rehe nutzen solche Flächen gerne als Kinderstube und legen ihre Kitze hier ab. Die Pflanze dient als Zwischenfrucht über Winter und passt gut in den Fruchtwechsel. Aus dem Schnitt wird Silage für die Biogasanlage gemacht. Landwirt Helmut Grandjot erntete im vergangenen Sommer hier Weizen. Noch in dieser Woche wird das Feld mit Mais bestellt.

Den Schlag werden ab Sommer dann sicherlich auch wieder Wildschweine annehmen. Weil vor dem Feld ein breiter Blühstreifen angelegt ist, haben Jäger vom Waldrand aus guten Überblick.

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