Günter Geier repariert Spielzeuge in Hofgeismar

Beim Puppendoktor fließen nur Freudentränen

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Der Notarzt am Werk: Puppendoktor Günter Geier bietet im Edeka Super 2000 in Hofgeismar noch bis Samstag seinen Notdienst an. Die Puppe von Olga Kitlitschko bekommt neue Haare.

Hofgeismar. Die Augen sollen wieder klimpern oder die Frisur muss erneuert werden: Puppendoktor Günter Geier repariert seit 55 Jahren Bären und Puppen.

Zur Zeit ist er im Edeka Super 2000 in Hofgeismar und bietet seinen „Notdienst“ an.

Olga Kitlitschko bringt gleich drei Puppen zu Geier. „In der Kindheit hatte ich schon Puppen, viele habe ich jetzt aber verkauft“, erklärt Kitlitschko. „Aber sie können doch nicht ihre Kinder verkaufen“, sagt Geier darauf.

Seinen Beruf übt der 75-Jährige mit Leidenschaft aus. „Früher gab es in jeder Stadt einen Puppendoktor, jetzt ist der Beruf fast ausgestorben“, erklärt er.

Trotzdem waren bereits am Donnerstagvormittag schon 20 Leute mit Puppen bei ihm. Bis einschließlich Samstag bietet Geier seinen Notdienst an. Er rechnet damit, dass um die 100 Menschen kommen werden.

Olga Kitlitschkos Puppen haben verschiedene Leiden. „Bei einer klimpern die Augen nicht mehr, die andere braucht eine neue Perücke“, erklärt sie.

Günter Geier hat immer einen Tipp parat: „Mit einem Schaschlikspieß tropft man etwas Speiseöl in die linke und rechte Ecke des Auges und schon klimpert sie wieder“. Vaseline auf der Puppenhaut hilft vor dem Austrocknen. „Und man muss sie lieben“, ergänzt er seine Pflegetipps.

Er sei der einzige Arzt, bei dem es nur Freudentränen gebe, sagt Geier lachend. „Es sind ideele Werte, weshalb die Menschen zu mir kommen und ihre Puppen reparieren lassen, anstatt sie einfach neu zu kaufen“, erklärt er.

Dass es aber auch Exemplare gibt, die einen sehr hohen Wert haben, weiß auch er. Das sogenannte „Kaiserbaby“ hatte er bereits zur Reparatur. Eine Puppe, die dem letzten deutschen Kaiser Wilhelm II., nachempfunden ist, als dieser ein Baby war.

„Diese Puppe hat mit rund 17 000 Euro den Wert eines Autos und war auch die älteste Puppe, die ich in der Hand gehabt habe“, sagt Geier.

Er würde gern jemanden finden, der sein Handwerk weiterführen will. Allein 15 000 Ersatzteile hat er mit nach Hofgeismar gebracht, 25 000 weitere habe er zu Hause in seiner Heimat Bamberg. Dass jemand mit diesem Bestand weiterarbeitet und auch seine vielen Kunden versorgt, ist sein größter Wunsch.

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