60-Jähriger ist vor allem Knöllchenschreiber 

Bekannt und beliebt: Dieter Kunold ist seit 20 Jahren Ordnungspolizist in Hofgeismar

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Nur mit Parkscheibe: In bestimmten Bereichen findet der Ordnungspolizist regelmäßig Falschparker, wie hier am Altstädter Kirchplatz. Auch Behindertenparkplätze werden oft missbraucht. Die Daten gibt Dieter Kunold in sein Handy ein, die Verwarnungen macht er dann im Büro fertig. 

Hofgeismar. „Hallo Dieter", „Guten Tag Herr Kunold" oder ganz leger „Grüß Dich Kuni": Wer seit 20 Jahren als Ordnungspolizist in Hofgeismars Straßen unterwegs ist, hat einen hohen Bekanntheitsgrad. 

Trotz seiner Tätigkeit als Knöllchenschreiber ist Dieter Kunold beliebt bei den Bürgern, da er fast immer ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Probleme hat. „Ich sehe mich nicht als Geldeintreiber für die Stadt Hofgeismar, sondern wir machen Verkehrserziehung“, sagt der 60-Jährige. Als er Ende der 90er Jahre beim Ordnungsamt anfing zu arbeiten, war noch viel Erziehung auf den Straßen vonnöten.

„Damals habe ich bis zu 170 Knöllchen die Woche geschrieben – inzwischen hält sich das Ganze in Grenzen.“ Natürlich gebe es noch immer Stellen, wo häufig falsch geparkt werde, doch im Allgemeinen sei es viel besser geworden.

Besonders hält Kunold den Innenstadtbereich im Auge. Hier gebe es viele Stellen, wo eine Parkscheibe verlangt werde, um Langzeitparken zu vermeiden. Diese Regelung soll potenziellen Kunden die Gelegenheit bieten, Geschäfte leicht zu erreichen. Auch das unberechtigte Abstellen von Autos auf Behindertenparkplätzen muss er häufig ahnden. „Leider kommt das nicht selten vor, obwohl es dafür eine saftige Strafe von 35 Euro gibt.“ Sicher ist man vor Kunold meist in den Ortsteilen, da er dort nur in Ausnahmefällen unterwegs ist.

Obwohl Kuni, wie er von vielen genannt wird, regelmäßig Verwarnungsgelder verteilt, gab es nie ernsthafte Auseinandersetzungen mit Verkehrssündern. „Einmal hat jemand behauptet, ich hätte sein Auto geschlagen, weil ich auf die Heckscheibe klopfte, um mich auf dem Gehweg bemerkbar zu machen, auf den er gefahren war“, schmunzelt er. Doch auch dieser Fahrer hätte sich schnell wieder beruhigt.

Besonders gerne erinnert er sich an eine Wette mit seinem Vater, der sich als stellvertretender Polizeichef von Hofgeismar sehr sicher war, nie von seinem Sohn erwischt zu werden. „Unsere Wette ging um einen Kasten Bier – und tatsächlich habe ich ihn vor vielen Jahren auf dem Parkplatz vom Super 2000 ohne Parkscheibe erwischt.“

Nicht nur die Falschparker gehören zu Kunolds Aufgabenbereich, er kümmert sich auch um entsorgten Müll im öffentlichen Raum, schätzt Wildschaden oder sucht Neubürger auf, die sich nicht fristgerecht angemeldet haben. „Außerdem kümmere ich mich um Obdachlose, arbeite dafür mit der Einrichtung Kanapee zusammen.“

Da der gebürtige Hofgeismarer, der inzwischen in Ehrsten lebt, viel sieht, erlebt und geschildert bekommt, geht sein Engagement für sozial Schwache oft in den privat-ehrenamtlichen Bereich. „Sie sind ein Ordnungspolizist mit Herz, denn sie haben meinem Verwandten einst sehr geholfen“, ruft ihm etwa eine Passantin auf einem seiner Kontrollgänge zu. Kuni lächelt, reicht ihr die Hand und freut sich, mal wieder geholfen haben zu können. 

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