Fachleute beobachten Entwicklung

Blühfläche wird zu wichtigem Lebensraum: Es summt und brummt bei Kelze

Die Blühfläche oberhalb von Kelze. Links steht das große Insektenhotel, das Mitarbeiter des Naturparks gebaut haben.
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Die Blühfläche oberhalb von Kelze. Links steht das große Insektenhotel, das Mitarbeiter des Naturparks gebaut haben.

An der großen Blühfläche oberhalb von Kelze blüht, summt und brummt es wieder. Die etwa vier Hektar große Fläche wurde 2019 eingesät.

Kelze - Dort wurde ein Monitoring gestartet: Fachleute beobachten die Entwicklung systematisch, um Erfahrungen für die Anlage weiterer Blühflächen zu sammeln.

Wie sind die Erfolge?

Dr. Burkhard Beinlich, Chef des Planungsbüros Bioplan in Höxter, ist zufrieden. Er und seine Mitarbeiter, die die Fläche regelmäßig untersuchen, haben 18 Schmetterlingsarten sowie 30 verschiedene Wildbienen dort festgestellt. Das sieht er als gutes Ergebnis, weil die Pflanzen, die gesät wurden, vor allem Honigbienen anlocken. Die farbenprächtigen Schwalbenschwänze vermehren sich dort, weil Futterpflanzen wie Fenchel und Wilde Möhre für ihre Raupen reichlich vorkommen.

In diesem Jahr dauerte es lange, bis sich auf der trockenen Fläche neue Blüten zeigten. Woran lag das?

Wahrscheinlich am kalten Frühjahr. Das hatte – wie bei vielen anderen Pflanzen auch – die Entwicklung dort stark gebremst, sagt Jürgen Düster vom Fachdienst Landschaftspflege beim Kreis. Möglicherweise komme hinzu, dass die Blühfläche 2021 drei Jahre alt ist. Nach seiner Erfahrung gibt es auch bei anderen Flächen im dritten Jahr einen Einbruch. Düster ist aber zuversichtlich, dass sich die Fläche wieder erholt. In den vergangenen beiden Jahren hat es dort stabile Bestände gegeben – mit vielen bunten Blumen.

Was ist das Besondere an der Blühfläche in Kelze?

Sie wurde 2019 angelegt. Sie ist 40.000 Quadratmeter groß und in mehrere Bereiche aufgeteilt. Es gibt Honigbrachen mit ein- und mehrjährigen Pflanzen sowie mehrjährige Flächen mit verschiedenen Blumenmischungen. Außerdem wurde eine Fläche angelegt, deren Schnittgut für Biogasanlagen genutzt wird, sowie eine Fläche mit Sommergetreide und anschließender Stoppelbrache. Mit dem Monitoring wird untersucht, welche Flächen die meisten Insekten anziehen.

Welche Erkenntnisse gibt es nach der Auswertung der ersten Ergebnisse?

Die Arten- wie auch die Individuenzahlen auf den einjährigen Blühflächen ist 2020 im Vergleich zu den mehrjährigen Blühflächen deutlich zurückgegangen. Das teilt das Planungsbüro in einem Zwischenbericht mit. Die mehrjährigen Flächen sind also interessanter für Tiere.

Gibt es schon spezielle Erkenntnisse?

Beim Monitoring wurden als Nahrungsgäste größere Trupps von Stieglitzen und Goldammern sowie einige Bluthänflinge beobachtet. Regelmäßig werden Rauch- und Mehlschwalben gesichtet. Daraus schließen die Beobachter, dass die Vögel dort ein gutes Insektenangebot finden.

Gibt es weitere Besonderheiten?

Auf der gesamten Fläche wird auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet. In einzelnen Streifen gibt es Bereiche ohne Bewuchs. Dort sollen Vögel ungestörte Brutplätze finden. In den freigehaltenen Streifen können Lerchen, aber auch die in unserer Region selten gewordenen Rebhühner leben. Bis jetzt wurden aber noch keine Rebhühner nachgewiesen.

Was wird in Kelze genau untersucht?

Aus den Erfahrungen mit den verschiedenen Anpflanzungen auf diesen Flächen wollen die Beteiligten Erkenntnisse für künftige Blühflächen gewinnen. Die Untersuchungen sollen Hinweise liefern, welche Pflanzen am besten geeignet sind, wie die Verunkrautung benachbarter landwirtschaftlicher Flächen vermieden werden kann. Und ob einjährige oder mehrjährige Pflanzen besser geeignet sind. Ziel ist es herauszufinden, wie Blühflächen einen möglichst großen Nutzen für unsere Natur haben.

Wer ist an dem Projekt in Kelze beteiligt?

Die Beteiligten sehen das Projekt als Beispiel für Netzwerk-Arbeit. Die Stadt Hofgeismar und der Landkreis wirken mit verschiedenen Ämtern mit. Auch Bauernverband, Imker und Naturpark sitzen mit im Boot. Dazu gehört auch Landwirt Timo Hofmeyer aus Carlsdorf. Er ist für die Pflege der Fläche zuständig.

Im Kreisteil sieht man immer mehr Blühflächen. Woran liegt das?

Landwirte wollen damit einen Beitrag zu mehr Artenvielfalt in der Agrarlandschaft leisten, sagt Jürgen Düster. Zahlreiche Wildtiere finden dort Schutz. Insbesondere in den Wintermonaten ist eine mehrjährige Blühfläche ein wichtiger Rückzugsraum für Insekten. Auch wenn diese Flächen für manche Betrachter unordentlich wirken.

Gibt es Zahlen zu den Blühflächen im Kreis?

Genaue Zahlen liegen nicht vor, erklärt Jürgen Düster. Die beim Fachdienst Landwirtschaft registrierten Flächen hätten sich seit 2019 um etwa 70 Prozent vergrößert. 2019 waren beim Kreis 330 Hektar Blühfläche auf 675 Standorten gemeldet worden. 2021 haben dem Kreis 341 Betriebe 554 Hektar auf 1059 Standorten gemeldet. Für registrierte Flächen gibt es Ausgleichszahlungen. Allerdings würden nicht alle Blühflächen gemeldet. Damit verzichteten Landwirte dort auf die Produktion von Nahrungsmitteln. Düster: „Sie produzieren Artenvielfalt.“ (Bernd Schünemann)

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