Kein Tanz in den Mai, kein Fest

Brauchtum im Kreisteil in abgespeckter Form: Maibaum trotz(t) Corona

Halten am Brauchtum fest: Heiko Reuse, Markus Kamenik und Andreas Lange (von links) von der Holzhäuser Feuerwehr haben sich vor der Maibaumaufstellung extra auf Corona testen lassen.
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Halten am Brauchtum fest: Heiko Reuse, Markus Kamenik und Andreas Lange (von links) von der Holzhäuser Feuerwehr haben sich vor der Maibaumaufstellung extra auf Corona testen lassen.

Mit dem Wonnemonat kommt einmal wieder die Frage auf, wie es sich mit den Maibaumaufstellungen verhält.

Kreisteil Hofgeismar - Wie schon im vergangenen Jahr verzichten auch diesmal die meisten Orten darauf. Also jene, die bis vor zwei Jahren dem Brauch nachkamen. Einige allerdings halten an der Tradition fest – natürlich in abgespeckter Form. Ohne Musik, Würstchen und Tanz.

Das Brauchtum aufgeben, und womöglich noch in Vergessenheit geraten lassen, kommt für die Holzhäuser Feuerwehr nicht in Frage. „Wir haben uns zuvor auf Corona testen lassen und mit Masken und Abstand gearbeitet“, sagt Wehrführer Andreas Lange. Da der Mast noch aus dem vergangenen Jahr vor dem Dorfgemeinschaftshaus stand, war es keine große Aktion. Lediglich der Kranz musste platziert werden. „Mit der Drehleiter aus Immenhausen sind wir nach oben gefahren, haben die Dekoration befestigt und das war es dann schon“, erklärt Einsatzmitglied Heiko Reuse.

Seit 33 Jahren gebe es bei ihnen nun schon einen Maibaum, der normalerweise bei einem großen Fest aufgestellt würde. Das sei eine Tradition, die man nicht so einfach fallen lasse. Um auch die Öffentlichkeit ein wenig in Maistimmung zu bringen, hat die Wehr ein Video vom Errichten und ehemaliger Maifeste erstellt, das auf der Internetseite feuerwehr-holzhausen.com ab heute ab 11 Uhr zu sehen ist.

Ganz ähnlich sieht man das in Grebenstein, wo eine Handvoll Mitglieder der örtlichen Werbegemeinschaft gestern das Frühlingssymbol am Rewe aufgestellt hat. „Natürlich werden wir coronakonform die Aktion durchziehen. Das war schon vergangenes Jahr so“, berichtet Nils Tauche. Der rund 15 Meter lange Mast wurde mithilfe eines Treckers und reichlich Muskelkraft in die Höhe gebracht. „Natürlich gab es auch bei uns die Diskussion, ob wir es ausfallen lassen wollen, was einfach gewesen wäre“, ergänzt Tauche. Doch gerade in diesen Zeiten, wo so vieles auf der Strecke bleibe, sollte man es doch möglich machen.

Wenn man Traditionen zu lange ausfallen lässt, schlafen sie ganz schnell ein.

Dennis Paukstat, Wehrführer Udenhausen

Auch die Udenhäuser Feuerwehr möchte auf den Maibrauch nicht verzichten. „Da wir vergangenes Jahr keinen hatten, haben wir uns dieses Jahr dafür entschieden. Wenn man Traditionen zu lange ausfallen lässt, schlafen sie ganz schnell ein“, bemerkt der Udenhäuser Wehrführer Dennis Paukstat im Gespräch. Irgendwann in der ersten Maiwoche wollen Wehrmitglieder still, heimlich und im kleinen Kreis die den Maibaum vor dem Bürgerhaus aufstellen.

Seit Donnerstag können sich die Hofgeismarer an einem Maibaum erfreuen. Mitarbeiter des städtischen Bauhofs bekamen hierbei Unterstützung von der Firma Sander und der Feuerwehr. Da der Mast 21 Meter lang ist, war schon die Fahrt vom Bauhof, wo er gelagert wird, bis zum Rathaus eine Herausforderung. Dort angekommen lief dann alles reibungslos: In die Halterung auf dem neuen Platz wurde der Mast eingelassen und per Kran in die Höhe gezogen. Die Schilder, die am Maibaum hängen, wurden über die Drehleiter angebracht. „Normalerweise bauen wir den Maibaum zum Viehmarktsumzug ab. Da dieser allerdings ausfällt, wird er wohl länger stehen bleiben“, vermutete Bauhofmitarbeiter Björn Köbeler. (Tanja Temme)

Vielerorts bleiben Dorfplätze leer

In den meisten Orten bleiben diesen Mai die Dorfplätze leer. So auch in Obermeiser, wo man nun das zweite Jahr in Folge die Aufstellung aussetzt. „Uns ist das einfach zu gefährlich“, sagte Anja Leck von der dortigen Feuerwehr. Hinzu komme, dass sie auf ihrem Gelände, eben dort wo der Mast gewöhnlich stehe, eine Baustelle hätten.

Auch in Oedelsheim, wo der Junggesellenverein für das Event – denn das war es bisher – zuständig ist, hat man erneut kalte Füße bekommen. „Da wir traditionell den Baum selbst hochschieben und wir einige Helfer dafür brauchen, war uns das zu gewagt“, berichtet Vereinsvorsitzender Moritz Leibecke. Dem schließt sich auch André Köhler von der Liebenauer Feuerwehr an: „In diesen Zeiten haben wir auf den Maibaum verzichtet – aber nächstes Jahr soll unser Ort wieder einen haben.“

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