Altern ist etwas Schönes

Bundesministerin a.D. Ursula Lehr war zu Gast in der Stadthalle Hofgeismar

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Freuten sich über eine fast volle Stadthalle: Markus Mannsbarth (von links), Prof. Werner Vogel, Rudolf Schmidt, Prof. Ursula Lehr, Andreas Siebert. 

"Mit über 80 Jahren" war das Thema der Veranstaltung der Stiftung Pro Alter für Selbstbestimmung und Lebensqualität, die am Dienstag, 15.Oktober, in die Stadthalle Hofgeismar eingeladen hatte. 

An der Wand der Stadthalle Hofgeismar ist ein Cartoon abgebildet. Auf ihm zu sehen: Eine alte Dame, die mit ihrem Hund einen Friedhof besucht. Im Hintergrund die Grabsteine dreier Männer. „Einer geht noch“, ist in der Sprechblase zu lesen. Die Besucher der Stadthalle lachen schallend.

Ausgewählt hat diesen Comic die Bundesministerin a.D. Ursula Lehr (89). Sie hielt den Hauptvortrag bei der Veranstaltung „Mit über 80 Jahren“ der Stiftung Pro Alter für Selbstbestimmung und Lebensqualität in Kooperation mit dem Landkreis Kassel und der Stadt Hofgeismar. Der Comic ist nur einer von vielen unterhaltsamen Zeichnungen und Anekdoten an diesem Nachmittag, die beispielhaft für Lebenslust im hohen Alter stehen.

Als ehemalige Gesundheitsministerin, und erste Inhaberin eines Lehrstuhls für Gerontologie (Alternsforschung) in der Bundesrepublik, verkörpere Lehr für ihn, erfolgreich gelebt zu haben, sagt Rudolf Schmidt, Vorsitzender der Stiftung, in seiner Willkommensrede. Er freue sich über die mehr als 400 Anmeldungen, die die Bedeutung des Themas bestätigten. Und er gratulierte den Anwesenden für ihre Teilnahme an der Veranstaltung. Denn: Bewegung, Geselligkeit und Neugier seien wichtige Voraussetzungen für erfolgreiches Altern.

Wie man erfolgreich altert, und wie Alter erforscht wird, berichtete Lehr in ihrem Vortrag „Mit über 80 – den Jahren Leben geben – ein Gewinn für den Einzelnen selbst und die Gesellschaft.“

Leider werde Alter oft als etwas Negatives gesehen, auch ungewollt und unterschwellig, in Witzen, in der Werbung und in Schulbüchern, sagte die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Auch die Forschung habe sich zunächst darauf konzentriert, was alte Menschen nicht können, nun sehe man, was noch möglich sei. Sie rät dazu, aktiv zu bleiben und sich immer neuen Aufgaben zu widmen. 20 Prozent aller Demenzpatienten seien falsch diagnostiziert und litten stattdessen unerkannt an Depression. Daran erkenne man: Gesundheit und Produktivität seien eng miteinander verbunden.

Glücklich mit über 80

So sahen das auch viele Besucher des Vortrages, wie Helge Tamm (71) und Heinz Vorbach (75) aus Bad Hersfeld. Sie sind überzeugt, dass Altern nichts Negatives ist und wollen so lange wie möglich in der eigenen Wohnung leben.

Claudia Sälzer (56) aus Schauenburg gehörte zu den jüngeren Teilnehmern an diesem Tag. Sie wollte sich informieren, wie man ältere Personen, auch die eigenen Eltern, unterstützen kann. „Glück im hohen Alter bedeutet für mich Zufriedenheit.“ Christa Moll (69) aus Kassel ist es wichtig, in einer guten Gemeinschaft zu leben. Sie ist in eine Wohngemeinschaft gezogen und hat sich der Aufgabe gewidmet, neue Dinge zu lernen. Nun kann sie mit Computer und Smartphone umgehen.

Diese und weitere Gäste wurden von 14 Kuchenbäckern über 80 Jahren versorgt. Nach der Pause ging es in zwei Diskussionsrunden, moderiert von Werner Vogel aus Hofgeismar.

Zuwachs an Über-80-Jährigen im Landkreis

2018 lebten laut Vizelandrat Andreas Siebert 236 633 Menschen im Landkreis. Davon waren 17 226 über 80 Jahre alt (7,3 Prozent). Im Vergleich dazu waren es 2014 noch 233 451 Personen, davon 14 545 über 80 Jahren (6,2 Prozent) – ein Anstieg von 2 681 in vier Jahren.

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