Kurse für Flüchtlinge 

Chaos bei Sprachkursen für Asylbewerber

+
Seine Schüler wünschen sich einen Kurs in Holzhausen: Ehrenamtlicher Lehrer Afschin Parvizi (Mitte) mit den Schülern Mohammad Niksirat (29, Iran) und Latifa Ayni (27, Afghanistan). 

Holzhausen. Nicht ausreichend und vor allem zu durcheinander: So lautet die Kritik eines ehrenamtlichen Lehrers aus Holzhausen am Sprachkurs-Angebot.

„Ich werde keinen nach Hause schicken, aber ich kann mich nicht aufteilen“, sagt Afschin Parvizi über seine Tätigkeit als ehrenamtlicher Deutschlehrer für Flüchtlinge. Auch jetzt stehen 20 vor der alten Schule in Holzhausen. Der Andrang ist so groß, dass sie bereits in einen größeren Raum umziehen mussten.

Im Gegensatz zu offiziellen Kursen ist dieser nicht verpflichtend für Flüchtlinge. „Sie kommen freiwillig hierher und stehen auch bei Wind und Wetter draußen und warten.“ Viele seiner Schüler kommen aus Fuldatal-Rothwesten, andere aus Grebenstein oder Kassel. „In Fuldatal gibt es viele Flüchtlinge, aber keinen Kurs“, sagt Parvizi.

Keine Koordination

Der ehrenamtliche Lehrer aus Holzhausen kritisiert jedoch nicht nur, dass es zu wenig Sprachkurse gibt. „Es gibt keine richtige Koordination, es ist ein ziemliches Durcheinander.“ Aufbaukurse sollten ein durchgängiges Lernen ermöglichen, das sei aber nicht immer der Fall.

So auch bei seinem Schüler Mohammad Niksirat. Der 29-jährige ist vor mehr als einem Jahr aus dem Iran geflohen. Er war bereits in einem Integrationskurs samt Praktikum, sein letzter Kurs war allerdings im Dezember vorbei. „Ich muss vier Monate auf den nächsten Kurs warten, das ist nicht gut“, erklärt Niksirat, „man braucht viel mehr Übung, sonst vergisst man die Sprache wieder.“ Einen neuen Kurs zu finden sei aber immer ein Problem bei Flüchtlingen.

Viele kämen nach Holzhausen zu Parvizi, da dieser selbst 1984 aus dem Iran geflohen ist. „Er weiß wie es uns geht, kennt unsere Probleme und kann die Grammatik auf Persisch erklären“, sagt Niksirat.

Nicht lernen ist belastend

Die Sprache ist das wichtigste, um einen ersten Fuß in die Gesellschaft zu setzen, schildert Parvizi. „Ich kann den Schülern Sprachkenntnisse schneller vermitteln, sodass kein Frust entsteht.“

Den erlebe er oft bei Flüchtlingen, die in ihren Sprachkursen nicht weiterkommen: Entweder weil sie nicht mitkommen, oder im Gegenteil unterfordert sind.

In seinem Kurs sitzen neben Bachelor-Absolventen auch Analphabeten. „Die Leute kommen mit unterschiedlichem Wissen zu mir“, berichtet der Lehrer. Ein Problem, das er auch bei Schülern aus offiziellen Sprachkursen öfters beobachtet. „Es gibt zwar Einstufungstests für Flüchtlinge, der Witz an der Sache ist aber, dass das scheinbar keine Auswirkungen hat.“ In den Kursen würden Menschen mit grundverschiedenen Kenntnissen sitzen. Die Folgen seien dieselben, wie in seinem Kurs. „Ich werde niemanden zurückweisen, aber ich kann im Unterricht nicht auf jeden einzelnen Rücksicht nehmen.“

Es müsste nicht nur mehr Kurse geben, sondern auch zu Ende gedacht sein, meint Parvizi: „Der Schüler soll das Gefühl haben, dass es Sinn macht.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.