Corona-Folgen auf Arbeitnehmer und Selbstständige

Hofgeismarer Steuerberater haben wegen Corona-Hilfen zurzeit viel zu tun

Zwei Herren mittleren Alters sitzen in Abstand voneinander an einem runden Tisch, im Hintergrund ein großer Bildschirm.
+
Eine Vielzahl von Hilfen gibt es für Unternehmen. Banken und Steuerberater, hier Dirk Van Lancker (links) und Uwe Hofmeyer, haben sie auf ihren Homepages meist übersichtlich zusammengestellt.

Bei den Steuerberatern herrscht zurzeit Hochbetrieb. Grund dafür sind vor allem Kurzarbeit und die vom Bund angekündigten November- und Überbrückungshilfen.

Hofgeismar – Was die Politik auf den Weg bringt, um die wirtschaftlichen Einbußen für die von den Corona-Maßnahmen betroffenen Wirtschaftszweige zu mindern, müssen Fachbüros umsetzen. Kurzarbeit, Novemberhilfe und Überbrückungshilfen heißen die Stichworte, die Betriebe und Berater heute gleichermaßen beschäftigen.

Viele Selbstständige haben wegen Lockdowns Existenzangst

Seit Anfang November ist die Gastronomie im Lockdown, seit Mitte Dezember auch der Einzelhandel. Von jetzt auf gleich fielen für die Selbstständigen die Einnahmen weg.

Während Angestellte Kurzarbeitergeld beantragen konnten, waren bei den Selbstständigen auf dem Konto keine Einnahmen zu verzeichnen. Ausgaben (Miete, Versicherung, Strom und Ähnliches) liefen aber weiter.

Unter dem Stichwort Novemberhilfe und Überbrückungsgeld kündigte der Staat Hilfen an. Um sie zu erhalten, war der Gang zum Steuerberater nötig. „Viele hatten Existenzangst“, sagt Uwe Hofmeyer, Steuerberater in Hofgeismar.

Geht es üblicherweise bei den Steuerberatern darum, ihrem Klientel dabei zu helfen, die komplexe Steuergesetzgebung richtig anzuwenden, so geht es seit dem zweiten Lockdown bei manch kleinem Betrieb ums schlichte Überleben.

Hilfsanträge müssen geprüft werden, um Betrug vorzubeugen

Zunächst standen für viele Geschäftsinhaber ihre Mitarbeiter im Vordergrund, für die sie Kurzarbeitergeld beantragen mussten. In der Finanzkrise 2009 „hatten wir eine Handvoll Betriebe, die Kurzarbeit beantragten“, sagt Hofmeyer. Im Corona-Jahr 2020 waren es über 100. Aus Gesprächen mit Kollegen wisse er, dass dort die Steigerung ähnlich sei.

Was für die Arbeitnehmer das Kurzarbeitergeld ist, sollten für die Selbstständigen die Überbrückungshilfen sein.

Die meisten Steuerberater, aber auch viele Geldinstitute, haben auf ihren Homepages unter dem Stichwort Corona die wichtigsten Infos übersichtlich dargestellt.

Ein Steuerberater, Rechtsanwalt oder Wirtschaftsprüfer ist dennoch nötig, um sie beantragen zu können: Der Gesetzgeber will die Abwicklung so zum einen schneller machen, zum anderen aber auch verhindern, dass durch falsche Angaben dem Betrug die Tür geöffnet wird.

Vor allem Auszahlung der zweiten Hilfshälfte zog sich

Die Novemberhilfen sollen zeitnah ausgezahlt werden, versprach die Politik. Tatsächlich schleppte es sich aber lange hin. Bereits Ende Oktober wurde sie versprochen, erst fünf Wochen später gab es grünes Licht.

Die Betroffenen, vor allem Gastronomen, Caterer und Hoteliers, saßen derweil auf heißen Kohlen. Schon beim ersten Lockdown hatten viele ihre Rücklagen, aber auch private Ersparnisse aufgebraucht. Sie warteten auf den Rettungsring, der laut Politik in Sichtweite war, ihnen aber nicht zugeworfen wurde.

Erst Anfang Dezember gab es eine leichte Besserung. Anträge konnten gestellt werden. Dann ging es, so die Erfahrung von Hofmeyer, zunächst auch schnell. Die Abschlagszahlung von 50 Prozent wurde teils noch am Tag der Antragstellung angeordnet.

Die Auszahlung der zweiten Hälfte aber zog sich. Sechs bis acht Wochen mussten die Menschen im Regelfall warten. Ähnlich war es bei anderen Hilfen, über die beispielsweise Fixkosten abgerechnet werden können.

Novemberhilfen größtenteils ausgezahlt, Dezemberhilfen nicht

„Das Geld ist vorhanden“, sagt Hofmeyer, genauso der Wille, es schnell auszuzahlen. Doch manch bürokratisches Hemmnis, manch Softwareproblem und manch Gerangel um Zuständigkeiten verhinderten, dass das vorhandene Geld dort landete, wo es hin sollte: auf das Konto der Pandemie-Geschädigten.

Gerade für kleine Betriebe, „die nicht viel Speck auf den Rippen haben“, wie Hofmeyer sagt, ist das lange Warten auf das Hilfsgeld gepaart mit Existenzangst.

Nach Schätzungen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes wartet noch ein Drittel der Gastronomen auf zugesagtes Geld aus der Novemberhilfe. Bei der Dezemberhilfe seien es gar drei von vier Betrieben.

Bisher arbeitsintensivste Situation für Steuerberater

Betriebe, die Staatshilfen benötigen, müssen Fachleute einschalten. Die Steuerberater, sagt Hofmeyer und schließt dabei auch die anderen regionalen Büros mit ein, hätten sich in den vergangenen Monaten gut auf die neue Situation eingestellt und sich tief in die Materie eingearbeitet: „Da hat vieles nicht mit Steuerrecht zu tun, sondern mit Verwaltungsvorschriften.“

Eine solch arbeitsintensive und herausfordernde Situation habe es bislang nicht gegeben. Hofmeyer muss es wissen. Der 58-Jährige hat den Beruf von der Pike auf gelernt. Seit 28 Jahren ist er selbstständig mit dem Büro Hofmeyer & Van Lancker. Das Büro hat 30 Mitarbeiter. (Michael Rieß)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.