Ausnahmegenehmigung lässt Herstellung zu

Knappheit wegen Corona-Krise: Apotheken dürfen nun selbst Desinfektionsmittel herstellen

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Die Mitarbeiterin einer Apotheke stellt im Labor der Apotheke ein Händedesinfektionsmittel her. (Symbolbild)

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie ist der Bedarf nach Desinfektionsmitteln stark gestiegen. Um einen Mangel zu verhindern, dürfen Apotheken diese jetzt selbst herstellen.

  • Desinfektionsmittel sind wegen der Corona-Pandemie derzeit knapp.
  • In vielen Drogerien und Apotheken sind sie ausverkauft.
  • Deshalb dürfen Apotheken diese nun selbst herstellen.

„Ich finde die Ausnahmeregelung sinnvoll, damit wir unsere Kunden mit Desinfektionsmitteln versorgen können“, sagt Noémi Krug von der Hubertus-Apotheke in Hofgeismar. Jeder fühle sich mit einer kleinen Flasche in der Handtasche oder im Auto sicherer, obwohl Hände waschen häufig ausreichend sei.

Isopropylalkohol oder Ethanol, Wasserstoffperoxid, Glycerin und Wasser werden für die Herstellung benötigt. „Diese Rohstoffe in ausreichender Menge zu bekommen, ist momentan sehr schwierig“, sagt Apothekerin Alina Lang von der Brunnen-Apotheke in Hofgeismar. Es habe einen massiven Preisanstieg gegeben – im Internet seien die Preise zum Teil um 200 Prozent oder mehr gestiegen. Bei seriösen Anbietern sei der Anstieg geringer, doch es gebe eine große Nachfrage.

Corona-Krise: Apotheke geben Desinfektionsmittel hauptsächlich an Ärzte und Pflegedienste

„Wir warten noch auf eine Lieferung“, sagt Lang. Sie hofft, dass ihre Apotheke dann wieder Händedesinfektionsmittel herstellen kann. Einige Liter konnte die Apotheke bereits produzieren. Diese wurden an Arztpraxen und Pflegedienste abgegeben. 

Dorthin soll auch künftig hauptsächlich geliefert werden: „Wir haben eine Verantwortung gegenüber unserem Gesundheitssystem und allen, die im Gesundheitswesen tätig sind“, sagt Lang. Denn dort sei man auf Desinfektionsmittel angewiesen, damit Mitarbeiter ihre Arbeit machen können. Aber auch an Privatpersonen soll Desinfektionsmittel verkauft werden. Wenn man zu einer Risikogruppe gehöre oder über einen langen Zeitraum nicht die Möglichkeit habe, sich die Hände zu waschen, sei es sinnvoll Desinfektionsmittel zu nutzen, erklärt Noémi Krug.

Normalerweise stellen Apotheken keine Desinfektionsmittel her. Nicht weil sie es grundsätzlich nicht dürfen, sondern weil der Aufwand zu hoch ist, erklärt Krug. „Es ist viel teurer, wenn wir es herstellen“, sagt die Apothekerin. Außerdem benötigten Apotheken vor der Ausnahmeregelung eine Erlaubnis. Eine Fortbildung für die Herstellung ist nicht nötig: Grundsätzliche dürfen pharmazeutisch technische Angestellte und Apotheker Desinfektionsmittel herstellen.

Apotheken stellen wegen Corona-Krise Desinfektionsmittel her: Mittel muss lagern

Nachdem auch in der Hubertus-Apotheke die vorhandenen Rohstoffe schnell aufgebracht waren, kam dort bereits eine neue Lieferung an. „Haushaltsübliche Mengen werden wir an unsere Kunden abgeben“, sagt Krug. Allerdings dauert die Herstellung, denn das Mittel muss drei Tage lagern, bis es einsatzfähig ist.

Bei Bedarf würden Arztpraxen und Pflegedienste immer an erster Stelle stehen. Wie hoch der Bedarf an weiteren Desinfektionsmitteln dort ist, könne sie nicht einschätzen: Bisher habe es noch keine Anfrage einer Arztpraxis gegeben, sagt Krug.

Von Sarah Neumeyer

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