Zufallsprinzip für Priogruppe 3 ärgert Leser

HNA-Leser verärgert über Impftermin-Vergabe: „Absolut ungerechte Behandlung“

Eine Impfung für die Priorisierungsgruppe 1 im Impfzentrum Calden.
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Eine Impfung für die Priorisierungsgruppe 1 im Impfzentrum Calden.

Nach unserem Bericht über die Impfterminvergabe für die Priogruppe 3 nach dem Zufallsprinzip haben sich HNA-Leser gemeldet und ihr Unverständnis geäußert.

Kreis Kassel/Hofgeismar/Niestetal - Zu ihnen gehört Simon Schneiderat aus Niestetal (44), Vater von vier schulpflichtigen Kindern. „Jetzt wundere ich mich nicht mehr, dass ich noch keinen Termin bekommen habe“, erklärte Schneiderat, der unter Bluthochdruck und chronischer Bronchitis leidet und ein Attest für die Priorisierungsgruppe 3 hat. Er hat sich bereits am 29. April online für die Corona-Impfung registriert und bis jetzt noch keinen Termin bekommen.

Dagegen habe eine 34 Jahre alte Arbeitskollegin ohne Vorerkrankungen (aber mit einer Berechtigung für Priogruppe 3, wegen eines zu pflegenden Elternteils) sich erst vor zwei Wochen registriert und wurde bereits diese Woche geimpft. Schneiderat: „Ich finde das sehr ungerecht. Wieso wird nicht nach dem FIFO-Prinzip (First In – First Out) in der Reihenfolge der Anmeldung geimpft? Das wäre nur fair!“ Er würde sich auch gerne bei der Regierung darüber beschweren, aber eine „Corona Beschwerdestelle“ sei ihm nicht bekannt. Das Impfportal des Landes Hessen nehme nur Registrierungen entgegen, aber keine Beschwerden, erfuhr er.

Corona im Kreis Kassel: Leser klagen über ungerechte Behandlung

Bei der HNA-Redaktion meldeten sich weitere Leser und beklagten eine „absolut ungerechte Behandlung der Priorisierungsgruppe 3 nach dem Zufallsprinzip“. Jedes Mal waren es Personen, die sich bereits kurz nach der Registrierungsfreigabe im April angemeldet hatten und jetzt, nach vier Wochen, immer noch keinen Termin erhalten haben während andere, jüngere und offenbar gesündere Personen sogar schon die erste Impfung erhalten hätten. Wie könne das sein?

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Nach Anfrage der Redaktion: Innenministerium Hessen äußert sich

Wir fragten beim Hessischen Innenministerium an, warum die Impftermine in der Gruppe 3 (Alter über 60, medizinische Gründe, besondere Berufe) grundsätzlich nach dem Zufallsprinzip vergeben werden und nicht nach der Reihenfolge der Anmeldung. Der stellvertretende Pressesprecher im Innenministerium, Marcus Gerngroß, antwortete, dass die Terminvergabe von der Verfügbarkeit der Impfstoffe, der Kapazität der Impfzentren, der Priorisierung, dem Zeitpunkt der Anmeldung und der Altersstruktur der jeweiligen Bevölkerung abhänge.

Personen der Priorisierungsgruppen 1 und 2 erhielten vorrangig Impftermine. In der 3. Priogruppe mit Terminvergabe nach dem Zufallsprinzip sei die Wahrscheinlichkeit, ein Terminangebot zu erhalten, für alle zum Zeitpunkt der Vergabe gleich hoch: „Angesichts einer nach wie vor und perspektivisch weiterhin deutlich größeren Menge von Menschen, die aktuell ein Impfangebot erhalten möchten und einer nach wie vor nicht ausreichenden Menge von Impfdosen für alle, ist für uns nicht ersichtlich, welchen Vorteil das von Ihnen erfragte (FIFO-)Prinzip gegenüber dem Zufallsprinzip hätte.“

Corona-Impfung im Kreis Kassel: Rückmeldung zu Terminen nicht möglich

Eine Rückmeldung, wann wohl ein Termin zu erwarten sei, sei angesichts der sich ständig ändernden Bedingungen (Impfstoffanwendbarkeit, Lieferverzögerungen, Sonderimpfaktionen) nicht möglich. Aufgrund der Altersstruktur kämen in Stadtregionen (relativ viele junge, relativ wenige ältere Menschen im Vergleich zum Landesdurchschnitt) wie beispielsweise Frankfurt, Offenbach oder Wiesbaden in aller Regel die Angehörigen der Gruppe 3 schneller zu einem Terminangebot.

In einigen Teilen Hessens werde es voraussichtlich bis in den Juli hinein dauern, bis die Priorisierungsgruppe 3 größtenteils ihre Impftermine erhalten hat. Damit die Impfkampagne überall fortschreiten könne, erfolge im Juni die Registrierung für alle. Zunächst würden Termine priorisiert an alle registrierten Personen der Gruppen 1 bis 3 vergeben, dann an die übrigen. (Thomas Thiele)

In immer mehr Bundesländern in Deutschland ist die Priorisierung der Corona-Impfungen aufgehoben. Darunter Berlin und Baden-Württemberg.

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