Jugendfeuerwehr Hofgeismar besteht seit 50 Jahren 

Crashkurs bei der Feuerwehr 

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Rätselraten: Volontärin Dorothea Wagner (25) versucht zusammen mit (von links) Lea Hönig (11) und Marlen Wiegand (12) herauszufinden, wozu der Verteiler gut ist. 

Hofgeismar. Kein Hobby für Couch-Potatos: HNA Volontärin macht einen Abend bei der Jugendfeuerwehr mit und tauscht Stift und Kamera gegen Helm und Hitzeschutzanzug. 

Die Hose ist die erste Hürde: Mit meinen 1,59 Meter bin ich zwar kleiner als viele meiner Kameraden im Alter von zehn bis 17, aber bei der Anprobe hat man wohl meinen Bauch übersehen. Als ich den Knopf der Kinderhose schließlich zubekomme, sitzt der so fest, dass ich Angst habe, die Hose zu sprengen. Der erste Einsatz einer beherzten Feuerwehrfrau an dem Abend: Die Volontärin aus der Hose befreien.

Nächste Hürde: Treppenlaufen in voller Jugendfeuerwehrmontur. Der Schweiß rinnt mir den Rücken runter. Kein Wunder. Zusätzlich zu der Feuerwehrkombi trage ich noch eine zweifach gepolsterte Allwetterjacke. Mit dem Gedanken, dass sich die wasserfeste Wimperntusche jetzt schon bezahlt gemacht hat, komme ich endlich in der Halle der Freiwilligen Feuerwehr Hofgeismar an.

Wir stehen vor den riesigen roten Einsatzwagen und reihen uns vor dem Chef auf. Das ist Maximilian Wiegand (21), Jugendfeuerwehrwart und von seinen Schützlingen schlicht „Maxi“ genannt.

Heute steht Fahrzeugkunde auf dem Programm und meine Gruppe geht zum sogenannten TLF 16/25. „Die Feuerwehr besteht komplett aus Abkürzungen“, sagt Maximilian und mir dämmert, dass man sich hier ein neues Vokabular antrainieren muss, wenn man mitreden will. TLF steht für Tanklöschfahrzeug und die Zahlen haben etwas mit Wasser zu tun. Der Feuerwehrnachwuchs weiß längst Bescheid: „2500 Liter im Wassertank“ und „1600 Liter Pumpleistung pro Minute“ kommt es wie aus der Pistole geschossen.

Feuerwehr-Vokabular

Während mein Kopf noch vor lauter Abkürzungen á la „TLF“, „HLF“ oder „FWDV“ (Feuerwehr-Dienstvorschrift) schwirrt, bekomme ich schon einen silbernen alienartigen Anzug übergestülpt. „Fachleute benutzen Fachbegriffe!“, sagt Maximilian. Nachdem ich also den „Hitzeschutzanzug“ anhabe, versinken meine Hände in etwas, das wie zwei überdimensionale Ofenhandschuhe aussieht.

Warum das alles silberfarben ist, will die Truppe wissen und Maximilian erklärt: „Wärmestrahlung ist ähnlich wie Licht und wird deshalb vom silbernen Anzug reflektiert, so kann man auch an heißere Feuer näher heran.“

Entdeckungstour im Einsatzwagen: Jugendfeuerwehrwart Maximilian Wiegand holt einen Saugschlauch hervor, mit dem man Wasser aus Teichen und Flüssen entnehmen kann. Foto: Wagner

Als wir zu dem Atemschutzgerät kommen, wird mir klar, dass das hier kein Hobby für Couch-Potatos ist und der ein oder andere Liegestütz vorher nicht geschadet hätte.

Die 15 Kilo schweren gelben Flaschen auf meinem Rücken bringen mich im ersten Moment doch ganz schön ins Wanken. Dass Kleinigkeiten bei der Feuerwehr von entscheidender Bedeutung sind, wird deutlich, als Maximilian eine rote Leine hochhält. Was der Unterschied zu einer weißen Feuerwehrleine ist, möchte er von uns wissen. „Nur mit einer weißen Leine kann man Menschen retten, weil die fester ist“, so eines der Mädchen.

„Angst ist unkontrollierbar.“

Maximilian Wiegand Jugendfeuerwehrwart

Auch ein Feuerwehrmann kann sich damit aus brenzligen Situationen befreien, erklärt uns Maximilian. „Wenn er im Feuer ist und sein Rückweg versperrt ist, dann kann er sich festknoten und sich aus dem Fenster abseilen.“ Um mich herum werden die Augen groß. „Wie Bungee-Jumping mit einem normalem Seil“, sagt aufgeregt ein jüngerer Kamerad.

Ob sie vor so etwas gar keine Angst hätten? „Nö“, lautet die Antwort prompt. Keine Angst, aber Respekt, heißt es dann nach einigem Nachdenken.

Der entscheidende Unterschied: „Angst ist unkontrollierbar“, so Maximilian. „Bei Angst weiß man nicht, was man machen soll“, erklärt ein Jugendlicher, „wenn man Respekt hat, ist man zwar vorsichtig, aber man tut etwas.“

Dorothea Wagner (25) ist Volontärin bei der HNA-Redaktion in Hofgeismar.

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