Nordhessen ist sein Zuhause

Türke wünscht sich Einbürgerung, hat aber Probleme mit den Behörden

Fühlt sich wie in einem Teufelskreis: Ömer Alparslan kommt aus der Türkei und hat Probleme, einen Ausweis zu bekommen. Ihm fehlen notwendigen Papiere.
+
Fühlt sich wie in einem Teufelskreis: Ömer Alparslan kommt aus der Türkei und hat Probleme, einen Ausweis zu bekommen. Ihm fehlen notwendigen Papiere.

Ömer Alparslans größter Wunsch ist die Einbürgerung nach Deutschland. Doch er fühlt sich wie in einem Teufelskreis.

Bebra/Hofgeismar – Ömer Alparslan weiß nicht weiter. Der 51-jährige Türke fühlt sich in Bebra und Hofgeismar zuhause, lebt seit etwa 20 Jahren mit einigen Unterbrechungen in Deutschland und braucht unbedingt einen Ausweis, um sein Leben so zu führen, wie er es möchte. Er will die Angst vor der Türkei loswerden, er möchte seine Frau endlich auch nach deutschem Recht heiraten und er wünscht sich, dass seine endlosen Behördengänge ein Ende finden.

Das Problem: Alparslan hat aufgrund seiner mitunter sehr traurigen und bewegenden Lebensgeschichte weder einen deutschen noch einen türkischen Ausweis. Gemeldet ist er in Bebra, häufig besucht er seine Frau, die ebenfalls Kurdin ist, im Hofgeismarer Stadtteil Schöneberg. In Nordhessen fühlen sich beide wohl. Doch sowohl bei der Ausländerbehörde des Landkreises Hersfeld-Rotenburg als auch beim türkischen Generalkonsulat in Frankfurt würden ihm nach eigenen Angaben Steine in den Weg gelegt. „Ich bin in einer Falle“, beschreibt der 51-Jährige.

Ömar Alparslan floh vor Gewalt in der Türkei

Seinen Anfang nahm die Geschichte Ende der 90er-Jahre. Gemeinsam mit seinen Eltern und Geschwistern war Alparslan – seinerzeit Mitte 20 – aus der türkischen Gemeinde Nusaybin nach Deutschland geflohen. „Der Grund war Gewalt“, sagt er. Aus Unrecht sei er verhaftet und gefoltert worden und habe daraufhin Schutz gesucht. Nach fünf Jahren in der Bundesrepublik aber sei sein Interview nicht anerkannt worden, woraufhin er wieder zurück in die Türkei musste. Es folgten nach eigenen Angaben weitere schreckliche Monate voller Gewalt und Folter – unter anderem beim Militär. „Ich bin wieder geflohen und mein türkischer Ausweis ist bis heute in der Türkei.“

Diesen benötigt Alparslan aber über kurz oder lang, um seinen Reiseausweis für Ausländer, der nach einiger Zeit abläuft, zu ersetzen und endlich seinen Wunsch erfüllen zu können: die Einbürgerung. Es sei ein Teufelskreis: „Ich müsste sowohl bei der Ausländerbehörde als auch beim Generalkonsulat beweisen, wer ich bin, meine Identität bezeugen.“ Aber wie? Schließlich fehle dem 51-Jährigen der Ausweis seit seiner Flucht. Alparslan sei enttäuscht: „Beim Landkreis kennt man mich doch. Die wissen, wer ich bin, haben meinen türkischen Ausweis vor Jahren sogar schon einmal gesehen.“

Angst vor dem Gang ins türkische Generalkonsulat

Vor einer Reise in die Türkei, um eventuell nötige Papiere zu besorgen, habe er riesige Angst. Und vor dem Gang ins Generalkonsulat auch, denn er habe Sorge, dass er irgendwann wieder abgeschoben werden muss, weil seine bisherige Erlaubnis abläuft. „Ich fühle mich hier zuhause. Das hier ist meine Heimat.“

Ausländer dürfen sich im Bundesgebiet nur aufhalten, wenn sie im Besitz eines gültigen Passes des Heimatlandes oder eines Passersatzes sind. Die Passpflicht wird auch durch den Besitz eines Ausweisersatzes erfüllt. So heißt es aus der Ausländerbehörde im Landratsamt Bad Hersfeld auf Nachfrage unserer Zeitung. Besitze der Ausländer keinen gültigen Pass, sei er oder sie verpflichtet, an der Beschaffung des Identitätspapiers mitzuwirken. Ein Passersatz/Reiseausweis für Ausländer kann nur ausgestellt werden, wenn er nachweislich keinen Pass seines Heimatlandes besitzt und diesen nicht auf zumutbare Weise erlangen kann.

Verfahren kann Monate dauern

„Ob es für Herrn Alparslan zumutbar ist, sich einen türkischen Nationalpass zu beschaffen, wird derzeit von der Ausländerbehörde geprüft. Hierzu ist der Ausgang eines durch das türkische Generalkonsulat in die Wege geleiteten Personenfeststellungsverfahrens abzuwarten. Dieses Verfahren kann nach Auskunft der türkischen Auslandsvertretung mehrere Monate dauern und ist Voraussetzung für die Entscheidung über die Passausstellung.

Für die Übergangszeit bis zum Abschluss dieses Verfahrens wurde Herrn Alparslan ein Ausweisersatz erteilt, mit dem er seine Passpflicht im Bundesgebiet erfüllt“, sagt Jana Gutsche, Pressesprecherin des Landratsamtes. „Soweit Herrn Alparslan Informationen über den Sachstand in dem Passbeschaffungsverfahren vorliegen, sollte er diese der Ausländerbehörde übermitteln. Anderenfalls muss er sich solche Informationen durch Nachfragen beim Generalkonsulat beschaffen. Eine Entscheidung der Ausländerbehörde über die Erteilung eines Reiseausweises kann so beschleunigt werden.“ Doch genau diese Nachfragen und ihre Folgen machen Alparslan eben Angst.

Das sagt das Regierungspräsidium zur Einbürgerung

Laut dem Regierungspräsidium (RP) Kassel wird bei der Einbürgerung türkischer Staatsangehöriger nach Deutschland bei Vorliegen aller Voraussetzungen regelmäßig eine Einbürgerungszusicherung erteilt. Dem RP sei dazu die Entlassung aus der türkischen Staatsangehörigkeit nachzuweisen. „Dies ist gesetzlich geregelt“, betont Sprecher Hendrik Kalvelage.

Das Entlassungsverfahren liege in der Verantwortung des türkischen Staats, deutsche Behörden hätten darauf keinen Einfluss. Wenn ein türkischer Pass nicht vorliege, sei in der Regel ein Termin bei einem türkischen Konsulat in Deutschland in Begleitung von zwei Verwandten nötig, die die Identität des Antragstellenden bezeugen können. „Sollten Ängste bestehen, das Konsulat zu betreten, ist in der Regel die Begleitung durch eine Vertrauensperson, zum Beispiel von Kirchen, problemlos möglich.“ Das Regierungspräsidium berate Antragstellende in solchen Fällen ausführlich und halte gegebenenfalls auch vorab Rücksprache mit dem Konsulat. Das Konsulat teile dem Regierungspräsidium dann mit, dass in der Türkei keine polizeilichen oder gerichtlichen Suchmaßnahmen gegen Antragstellende bestehen und informiere das RP über die weiteren notwendigen Schritte.

(Daria Neu/Thomas Klemm)

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.