Dem Regen auf der Spur

Grebensteiner ermittelt täglich heimische Niederschlagsmenge

Ein Herr mittleren bis höheren Alters hält ein Messglas in die Kamera, in der sich etwas Wasser befindet.
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Weniger Regen als im Vorjahr: 2020 lag die Niederschlagsmenge in Grebenstein bei nur 580 Litern je Quadratmeter. Horst Thiemann misst und notiert die Niederschlagsmenge genau.

Horst Thiemann aus Grebenstein führt genau Buch. Jeden Tag misst er die Regenmenge in seinem Garten und trägt sie in eine Tabelle ein. Vergangenes Jahr waren die Zahlen niedrig.

Grebenstein – In Grebenstein waren sie sogar niedriger als im Land und im Bund. Deutschlandweit wurde eine Niederschlagsmenge von 710 Liter pro Quadratmeter gemessen, hessenweit waren es 656 und in Thiemanns Garten in Grebenstein kamen gerade einmal 580 Liter von oben.

Bei Melchershof ist eine kleine Wetterscheide.

Horst Thiemann, Wetterbeobachter

„Das gilt nur für meinen Garten“, sagt der pensionierte Studiendirektor, denn er weiß, dass es einige hundert Meter weiter schon wieder anders sein kann.

Regenmenge variiert selbst innerhalb von Grebenstein

„Bei Melchershof ist eine kleine Wetterscheide“, sagt der 69-Jährige. Und tatsächlich können viele Berufspendler, die die B 83 benutzen, davon berichten, dass die Fahrbahn am Kelzer Teich oft noch feucht ist, während sie bei den Ausfahrten in Grebenstein trocken ist.

Und auch innerhalb von Grebenstein variiert die Regenmenge leicht: Gerade einmal 572 Liter wurden in Grebenstein am Ortsende Richtung Friedrichsthal gemessen – 700 Meter von Thiemanns Haus entfernt. Der Wert in Grebenstein ist durchaus repräsentativ für den Kreis Kassel.

Auch bei der Wetterstation in Schauenburg wurde in etwa die gleiche Regenmenge gemessen. 578 Liter je Quadratmeter meldet das Internetportal Wetterkontor.de.

Niedrigere Niederschlagsmengen im vergangenen Jahrzehnt

Der Wert für 2020 hinkt damit deutlich jenem Wert hinterher, den unsere Zeitung als langjährigen Schnitt täglich auf der Wetterseite veröffentlicht. Danach hätte es fast 750 Liter regnen sollen. Doch das ist langjähriger Schnitt und der ist deutlich gesunken.

In den 60 Jahren zwischen 1951 und 2010 lag die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Land bei 730 Litern. Im vergangenen Jahrzehnt wurde der Wert in Nordhessen nur dreimal, meist nur leicht, überschritten. Tiefpunkt war 2018, als in Elgershausen nur 458 Liter je Quadratmeter gemessen wurden.

Ausgetrocknete Rasenflächen in den Gärten im Kreisteil Hofgeismar zeugten damals von der anhaltenden Trockenheit im heißen Sommer.

Die Natur brauche mehr Regen, sagt Thiemann, und findet sich damit im Einklang mit der Meinung von allen, die mit Forstwirtschaft, Gartenbau und Natur zu tun haben.

Kein Zusammenhang zwischen Trockenheit und Sonnenschein

Es gibt freilich auch Nutznießer eines häufig wolkenlosen Himmels. Vergangenes Jahr lag die Regenmenge laut Wetterkontor in Schauenburg über 20 Prozent unter dem langjährigen Schnitt – die Zahl der Sonnenstunden aber lag, zur Freude der Fotovoltaik-Besitzer, hingegen um 21 Prozent über dem Schnitt. Über 1800 Sonnenstunden wurden gezählt, 300 mehr als üblich.

Allerdings hängen Trockenheit und Sonnenschein – zumindest statistisch – nicht zwangsläufig zusammen. 2019 gab es ebenfalls 1800 Sonnenstunden, die für Nordhessen übliche Regenmenge aber wurde mit 754 Litern damals mehr als erreicht. (Michael Rieß)

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