Vor Haus des ehemaligen Verfassungsschützers

Kölner Gruppe demonstriert in Hofgeismar gegen Andreas Temme 

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Deutliche Forderungen: Das „Tribunal NSU-Komplex auflösen" zog am Sonntag durch die Hofgeismarer Innnenstadt und verbreitete dieses Foto der Aktion im Internet.

Hofgeismar. Knapp 30 Demonstranten sind am Sonntagmittag vor das Haus des ehemaligen Verfassungsschützers Andreas Temme und durch die Hofgeismarer Innenstadt gezogen.

Sie kamen ohne Vorankündigung und wollten genauso schnell wieder verschwinden: Die Demonstranten gaben an, zum „Tribunal NSU-Komplex auflösen“ zu gehören. Im Internet verbreitete Bilder der halbstündigen Aktion zeigen die Gruppe mit Transparenten in der Fußgängerzone, wo sie an Passanten Handzettel mit ihren Vorwürfen und Forderungen verteilten. Primär geht es der Gruppe demnach darum, eine Anklage Temmes zu fordern. In einer Pressemitteilung der Gruppe ist von einer Anklageschrift die Rede, die man dem ehemaligen Verfassungsschützer an seinem Haus hinterlassen habe.

An den dortigen Zaun hängten die Aktivisten gelbe Plastiktüten. Damit spielten sie auf eine Tüte an, die Temme dabei gehabt haben soll, als er sich am Tatort des Mordes am Kasseler Internetcafébetreiber Halit Yozgat aufhielt. Es sei nie geklärt worden, ob sich in der Tüte nicht die spätere Tatwaffe befunden habe, heißt es in einer Mitteilung der Gruppe. Ob Temme sich zum Zeitpunkt des Mordes im Café befand, ist ungeklärt.

Anzeige wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz

Die Polizei traf die Demonstranten gegen 12 Uhr bei der Abreise an und konnte noch von etwa einem Drittel der Beteiligten die Personalien aufnehmen, berichtet Polizeisprecher Torsten Werner. Widerstand oder andere Auseinandersetzungen habe es nicht gegeben. Laut Werner beriefen sich Mitglieder der aus Köln stammenden Gruppe auf ihr Recht auf eine Spontandemo. „Angesichts der Banner und dem fehlenden tagesaktuellen Anlass kann von spontan hier aber nicht die Rede sein“, so der Polizeisprecher. 

Weil sich kein Leiter der Versammlung zu erkennen gab, wurde Anzeige gegen Unbekannt wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz gestellt. Dem oder der Verantwortlichen droht eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe. Die Teilnahme an der Aktion ist hingegen straffrei.

Die Demonstration sei weder angefragt noch angemeldet worden, bestätigt auch der Hofgeismarer Hauptamtsleiter Wilfried Eckart. „Und eine Anmeldung wäre nötig gewesen, egal, um was es inhaltlich geht“, sagt er.

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