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Lempe-Bach ist wieder frei

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Von: Thomas Thiele

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Sechs Personen stehen links und rechts eines kleinen Baches, der sich durch frisch aufgegangenes Grün schlängelt. Im Hintergrund ist links ein abgebaggerter Berghang.
Die Lempe soll sich wieder frei bewegen und Mäander bilden können. Sie führt hier nach dem trockenen Sommer relativ wenig Wasser. Der Diplom-Geologe und Ingenieur Thomas Schmidt (links) von Wagu Kassel erläuterte Jessica Pfannkuche, Torben Busse und Annika Hampe vom Ortsbeirat Hombressen das Konzept. Rechts im Bild Christoph Hartmann und Dirk Lindemann vom Bauamt der Stadt. © Thomas Thiele

Mehr als ein halbes Jahr war der Mühlstädter Teich im Reinhardswald bei Hombressen Baustelle. Nun können Fische besser wandern und das Hochwasserrisiko ist verringert.

Hombressen. Monatelang hatten Hombresser Bürger befürchtet, dass ihr Mühlstädter Teich im Lempetal, in dem früher viele das Schwimmen gelernt haben, in diesem Jahr verschwindet. Doch dem ist nicht so – der als Vogel- und Amphibienparadies sowie Ausflugsziel geschätzte Teich ist noch da und hat sogar eine neue Funktion zum Hochwasserschutz erhalten. Die Lempe hat einen natürlichen Bachlauf zurückbekommen.

Ausgangspunkt waren zwei Probleme: Die mangelnde Sicherheit des Staudamms des 400 Jahre alten Mühlstädter Forst-Teiches und das Bemühen, die Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie zu erfüllen, um alle Gewässer wieder in einen möglichst naturnahen Zustand zu versetzen.

Bach hatte kein Wasser mehr

Für die Stadt Hofgeismar ergab sich im Lempetal eine Kombination aus beidem: Zum einen wurde ein künstlich angelegter Umgehungsgraben der Lempe, der Überschusswasser am Teich vorbei talabwärts leitete, zurückgebaut und in ein naturnah sich bewegendes Bachbett verwandelt. Dazu wurde, wie Christoph Hartmann vom Bauamt der Stadt und Bauamtsleiter Dirk Lindemann erläuterten, der 220 Meter lange Graben abgetragen und an seiner Stelle durch Abtrag eines Hangs ein breites Bachbett angelegt.

Die Ansicht von einem Hang herunter zeigt vorne den neuen Bachverlauf, ein Wall dahinter ist abgetragen und im Teich im Huintergrund ist eine Inasel zu sehen, die aus dem abgeschobenen Boden besteht.
Deutlich verändert: Im Vordergrund wurde ein Hang abgetragen, um Platz für ein breiteres Bett der Lempe zu schaffen, die vorher durch einen geraden Kanal lief. Der abgetragene Boden wurde als Insel im Mühlstädter Teich (hinten, nicht vollgestaut) aufgeschüttet, der dadurch kleiner wurde. © Thomas Thiele

Das Hauptproblem aus Tier- und Naturschutzsicht war, dass in trockenen Sommern dieser Graben kein Wasser mehr führte und für Fische und Amphibien nicht mehr passierbar war. Der Weg von der Lempe aufwärts durch den Teich war ihnen durch die Staumauer und den Damm ohnehin versperrt. Durch die Neuregulierung soll das Lempebachbett nun durchgehend Wasser führen. Diese Maßnahme wurde zu 95 Prozent vom Land bezahlt.

Gefahr eines Dammbruchs reduziert

Zum anderen wurde die Hochwassergefahr reduziert, wie der Diplom-Geologe und Ingenieur Thomas Schmidt vom Kasseler Büro Wagu vor Ort im Gespräch mit Bürgermeister Torben Busse sowie Jessica Pfannkuche und Annika Hampe vom Ortsbeirat Hombressen erläuterte.

Um die vom Mühlstädter Teich möglicherweise ausgehende Gefahr eines Dammbruchs bei Hochwasser auszuschließen, wurden drei Varianten untersucht, von denen eine Sanierung des Staudamms aus Kostengründen ausschied. Die Öffnung des Damms als weitere Variante hätte das Ende des Teiches bedeutet.

Wasserlauf wird neu gesteuert

Übrig blieb die nun umgesetzte dritte Möglichkeit. Während das Bachwasser der Lempe bislang direkt in den Teich und nur bei höherem Wasserstand ein Teil in den bereits erwähnten Umgehungsgraben floss, ist die Wasserführung nun genau umgekehrt. Das Einlaufbauwerk aus Beton, das bislang den Zulauf in den Graben regulierte, wurde abgetragen und durch eine Schwelle aus Gestein ersetzt. Sie regelt nun den Zulauf zum Teich so, dass hier erst bei mehr als mittlerem Wasserstand Wasser in den Teich fließt, die größte Menge aber im neuen Bachbett bleibt und am Teich vorbeigeleitet wird.

Der Lempeverlauf am Mühlstädter Teich wurde neu gestaltet und zudem eine Insel aufgeschüttet.
Der Lempeverlauf am Mühlstädter Teich wurde neu gestaltet und zudem eine Insel aufgeschüttet. © HNA

Die Überlaufschwelle und die Abflussquerschnitte wurden so gestaltet, das selbst bei einem 5000-jährlichen Hochwasser eine Überströmung des Dammes ausgeschlossen werden kann, wie das Planungsbüro erklärte. Das Hochwasser kann sich in der oberhalb liegenden Aue ebenso ausbreiten wie in der vergrößerten Fläche entlang des neuen Lempebettes.

Wasserfläche im Teich jetzt kleiner

Aus Transportkosten- und Umweltaspekten wurde der vor Ort abgetragene Erdaushub direkt daneben im Teich als Insel wieder eingebaut, wodurch sich die Wasserfläche des Teiches von rund 9650 auf 8300 Quadratmeter reduziert. Im Zuge der Planung wurde ein digitales Geländemodell erstellt, welches in die GPS-gestützte Steuerung der Bagger eingelesen wurde. Somit konnte das Gelände präzise gemäß der Planung profiliert werden.

Der Wasserstand im Teich ist zwar nun niedriger als früher, aber nach Ansicht der Beteiligten nicht in Gefahr. Bei ausreichend Wasserstand fließe nach wie vor Wasser aus der Lempe in den Teich und zudem Regenwasser von allen angrenzenden Hängen und Wiesen, erklärte Christoph Hartmann: „Priorität hat die Lempe“.

Kompromiss als bestmögliche Lösung

Die Stadt, die Planer, Hessen Forst und die Naturschutzbehörden bei Landkreis und RP hätten alles versucht, den Restteich zu retten, denn nach den berechtigten Anforderungen des Regierungspräsidiums Kassel an technische Stauanlagen hätte der Staudamm entweder saniert oder stillgelegt werden müssen. Durch den jetzt gefundenen Kompromiss mit der Senkung der Wassermenge sei die bestmögliche Lösung gefunden worden.

Noch nicht gelöst ist die rasche Verlandung des Teiches durch Laub und Faulschlamm. Früher wurde der Teich immer wieder abgelassen und zwei Jahre trocken liegen gelassen, um das Problem zu beseitigen. (Thomas Thiele)

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