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Der Trend geht zu kleineren Tieren: Kreisverband Hofgeismar-Wolfhagen kürt die besten Züchter

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Von: Gerd Henke

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Erfolgreiche Züchterinnen: Tina Meimbresse mit ihrem Zwergwidder Rhön (links) und Heike Schulze mit ihrer Satin-Elfenbein-Rotaugen-Häsin „Emily“ wurden Kreismeisterinnen.
Erfolgreiche Züchterinnen: Tina Meimbresse mit ihrem Zwergwidder Rhön (links) und Heike Schulze mit ihrer Satin-Elfenbein-Rotaugen-Häsin „Emily“ wurden Kreismeisterinnen. © Henke, Gerd

Kleintierzucht ist mehr als nur ein Hobby - davon konnten sich Besucher der 61. Kreisverbandsschau in Gottsbüren überzeugen. 250 Tiere wurden vorgestellt.

Gottsbüren – Auch die Kleintierzüchter sind von der Corona-Pandemie nicht verschont geblieben. Zwei Jahre konnten sie keine Schauen veranstalten und die Ergebnisse ihrer Züchtungen präsentieren. Umso größer war die Freude, als der Kreisverband Hofgeismar-Wolfhagen am Wochenende zur 61. Kreisverbandsschau in die Reinhardswaldhalle nach Gottsbüren einlud. In Gottsbüren feiert der Kleintierzuchtverein K37 in diesem Monat sein 75-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum bildete den Rahmen der Kreisverbandsschau mit der angeschlossenen allgemeinen Rassekaninchen- und Geflügelschau.

„Nach zwei Jahren Pandemie ist dies die erste Schau überhaupt wieder in unserer Region“, sagt Ausstellungsleiter Peter Dippel vom Kleintierzuchtverein K37. „Darüber freuen wir uns natürlich alle riesig.“

Peter Dippel Ausstellungs- leiter
Peter Dippel Ausstellungsleiter © Henke, Gerd

Von den bis zu sieben Kilogramm schweren Deutschen Riesen bis zu den 1200 Gramm leichten Kleinchinchillas wurden in der Schau alle bekannten und weniger bekannten Kaninchenrassen und Farbschläge präsentiert. Zum Beispiel die Widderkaninchen mit hängenden Ohren. Auch Blaue Wiener und Rote Neuseeländer ebenso wie Kleinsilber Gelb, Englische Schecken, Alaska, Havanna und Sachsengold waren vertreten. Besucher konnten insgesamt 250 Tiere begutachten – jeweils in Zuchtgruppen zu vier Tieren zusammengestellt.

Nicht mehr nur Männersache: Immer mehr erfolgreiche Züchterinnen

Früher war die Kleintierzucht eine Männerdomäne. Doch mittlerweile mischen immer mehr Frauen mit. Während die Verarbeitung der weichen Kaninchenfelle meist Aufgabe der Ehefrauen der Züchter war, gibt es inzwischen immer mehr erfolgreiche weibliche Züchterinnen. So wie Heike Schulze aus Udenhausen und Tina Meimbresse aus Deisel. Die beiden dürfen sich seit dem Wochenende Kreismeisterinnen nennen. Heike Schulze hat mit ihrer Satin-Elfenbein-Rotaugen-Häsin überzeugt und Tina Meimbresse mit einem Zwergwidder Rhön.

Bei der Auswahl ihrer Zuchtgruppe achtet Heike Schulze auf schöne Kopfformen, auf die Fellstruktur und auf den Körperbau. Selbstverständlich erhalten alle Tiere vor der Präsentation eine ausgiebige Fellpflege. „Aber alles nur mit Bürste – ohne Doping“, sagt die Udenhäuserin.

Schmucke Pokale erhielten die erfolgreichsten Kleintierzüchter aus der Region. Darunter die frisch gekürte Jugendkreismeisterin Vanessa Heisler.
Schmucke Pokale erhielten die erfolgreichsten Kleintierzüchter aus der Region. Darunter die frisch gekürte Jugendkreismeisterin Vanessa Heisler. © Gerd Henke

Zuchttiere leben länger als ihre normalen Rassekolleginnen und -kollegen. Ein erfolgreicher Rammler kann bis zu zehn Jahren leben, eine gute Häsin etwas weniger. Jungtiere, die nicht zur Zucht geeignet sind, erhalten schon nach ein bis zwei Jahren ihren Fangschlag.

Kaninchen dienen als Nutztiere zur Erzeugung von Fleisch und Wolle. Sowie für die Bereitstellung von Dünger. Gefressenes Heu und Stroh von heimischen Wiesen und Feldern landet als Kaninchenköttel wieder dort – eine Art regionale Kreislaufwirtschaft.

Junge Nachwuchs-Züchter werden gesucht

Die Inflation, verbunden mit der Energiekrise habe inzwischen auch Auswirkungen auf die Kleintierzucht, sagt Peter Dippel. „Wir beobachten, dass Züchter vermehrt auf kleinere Rassen umsteigen.“ Warum? Die Erklärung ist einfach: Kleinere Tiere brauchen weniger Futter und beanspruchen weniger Platz im Stall. Zudem sind die Käfige ebenso wie die Transportboxen kleiner dimensioniert. „Es macht eben einen Unterschied, ob ich einen Deutschen Riesen oder einen Zwergwidder zur Ausstellung transportieren muss“, sagt Dippel.

Wie viele andere Vereine auch, würden sich die Kleintierzüchter über mehr jugendlichen Zuspruch freuen. Die Nachwuchsarbeit ist ein Problem. Ein kleiner Lichtblick ist da Vanessa Heisler. Sie wurde bei der Verbandsschau als Jugendkreismeisterin gekürt.

Geflügelzüchter: Steffen Niebur präsentierte in Gottsbüren seinen Rhodeländer-Hahn.
Geflügelzüchter: Steffen Niebur präsentierte in Gottsbüren seinen Rhodeländer-Hahn. © Henke, Gerd

Kleintierparadies auf 400 Quadratmetern

Bei einer Kleintierzuchtschau haben auch gefiederte Tiere ihren Platz. Steffen Niebur aus Fürstenhagen betreibt das Züchter-Hobby sehr intensiv. Auf seinem 4000 Quadratmeter großen Hofgelände hält er über 100 Hühner, Enten, Wachteln und Fasane. Darunter sind auch Jersey Giants, die größte domestizierte Hühnerrasse der Welt. Zur Ausstellung nach Gottsbüren brachte Niebur seine Rhodeländer mit. Die Rasse ist an ihrer stattlichen Größe und dem dunkelroten Gefieder erkennbar. Anders als Legehühner, bei denen die Legeleistung nach einem Jahr kontinuierlich zurückgeht, „sind Zuchthühner über Jahre stabil im Eierlegen“, sagt Niebur. Auch deshalb sei es ein schönes und auch ertragreiches Hobby.

Am kommenden Samstag, 10. Dezember, findet ab 18 Uhr die Feier anlässlich des K37-Jubiläums in der Reinhardswaldhalle statt. Dann werden Festredner die Arbeit der Kleintierzüchter würdigen.

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