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Bahn-Bauarbeiten sorgen für Ärger zwischen Hofgeismar und Kassel

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Von: Thomas Thiele

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Eine wochenlange Bahnbaustelle zwischen Warburg und Kassel sorgt derzeit für Verspätungen und Zugausfälle. Der Ärger ist groß.

Hofgeismar/Kassel/Mönchehof/Immenhausen - Am Hofgeismarer Bahnhof und nicht nur dort herrscht derzeit morgens schlechte Stimmung: Viele Züge haben zum Teil erhebliche Verspätung, vergangene Woche sind mehrere ganz ausgefallen. Grund ist die aktuelle Baustelle der Bahn AG zwischen Warburg und Kassel.

Gerade Berufstätige können sich Verspätungen nicht erlauben und sind verärgert. Mehrere junge Leute haben gerade in Kassel eine Ausbildung angefangen und können sich Unpünktlichkeit zum Berufsstart nicht erlauben. Ein Ehepaar fährt nach drei Jahren erstmals wieder mit der Bahn und hat nun seinen gebuchten ICE verpasst. Am Wochenende fahren Ersatzbusse, an Werktagen aber meist nicht. „Der Busfahrer konnte kein Deutsch und wusste nicht, dass er zum Bahnhof fahren soll“, schildert ein Kunde. Wer stattdessen ein Taxi nehmen will, hat auch oft Pech: Die Taxis in Hofgeismar sind morgens meist mit Krankenfahrten zu Kliniken ausgebucht.

Bahn-Baustelle zwischen Warburg und Kassel: Arbeiten meist nachts

Grund für die Verzögerungen ist eine Baustelle der Bahn AG, bei der großflächig auf der gesamten Strecke der Gleisschotter gereinigt und teilweise ausgetauscht wird, was alle 25 bis 30 Jahre nötig wird. Zudem werden vor allem im Bereich von Bahnübergängen und an den Bahnhöfen die Schwellen und Schienen erneuert. Die Arbeiten erfolgen vor allem nachts unter Vollsperrung, tagsüber ist meist ein Gleis befahrbar, dann aber immer nur im Wechsel, was für die unvermeidbaren Verzögerungen sorgt. Viele Menschen sind deshalb wieder auf das Auto umgestiegen.

Die Fahrgastinformation auf dem Hofgeismarer Bahnsteig zeigt in Laufschrift an „20 Minuten später“
Täglicher Anblick: Aktuell sind viele Züge nach Kassel und Paderborn von Verspätung betroffen. © Thomas Thiele

Die Bahn AG als Betreiber der Strecke hatte im Vorfeld auf die Behinderungen hingewiesen und um Verständnis gebeten. „Die Arbeiten sind sehr umfangreich und wir versuchen, so viele Arbeiten wie möglich parallel auszuführen und zu bündeln, damit es nicht zu lange dauert“, sagte am Mittwoch ein Bahn-Sprecher in Düsseldorf auf Anfrage unserer Zeitung. Regelmäßige Unterhaltungsarbeiten an den Strecken seien aber aus Sicherheitsgründen unvermeidbar. Auch der NVV, dessen Regiotrams ebenfalls von den Bauarbeiten betroffen sind, bedauert die Verzögerungen, erklärte eine Sprecherin. Immerhin, so beide Sprecher, seien die Arbeiten begrenzt. Einige bis zum 9. Oktober, andere bis Monatsende.

Bahn verbaut zwischen Kassel und Warburg 42 Kilometer neue Schienen

Immer wenn es Nacht wird, beginnt das große Getöse: Zwischen Kassel und Warburg lässt die Bahn AG auf 40 Kilometer Strecke für fast 22 Millionen Euro 43 000 Tonnen Schotter, 50 000 Schwellen und 42 Kilometer Schienen austauschen. Es stellt große Anforderungen, das Projekt in den Betrieb einzubinden.

In dunkler Nacht steht hell erleuchtet eine große gelb-orangene Maschine auf den Gleisen. Zwei Männer in Warnkleidung arbeiten und beobachten das langsame Voranrollen.
Arbeit im Schritttempo: Im schwer zugänglichen Gebiet zwischen Mönchehof und Immenhausen war auch am vergangenen Wochenende diese Gleisbettreingungsmaschine unterwegs. Der lange mehrteilige Zug kommt je nach Auslastung pro Stunde um 75 bis 150 Meter voran. © Thomas Thiele

Bahn-Baustelle zwischen Warburg und Kassel: Maschine mit großem Getöse

Das Getöse macht die 100 Tonnen schwere, mit Waggons über 100 Meter lange Gleisbettreinigungsmaschine. Sie holt mit Eimerketten den Schotter unter dem Gleis hervor, reinigt und sortiert ihn, füllt ihn um frisches Material ergänzt wieder unter die Schienen. Weil das Gleis dafür gesperrt wird, gibt es Verzögerungen im Betrieb.

Mehrere Autos stehen auf einem Parkplatz. Die freien Stellplätze sind in der Überzahl.
Ungewohntes Bild: Der sonst meist vollgeparkte P+R-Parkplatz am Bahnhof Hofgeismar wird derzeit nur wenig Pendlern genutzt. © Thomas Thiele

NVV bedauert Pannen - Ende der Baustelle zwischen Kassel und Warburg vorerst bis Ende Oktober

Der NVV bedauert die Situation sehr, die Fahrgäste und auch Mitarbeiter stark beeinträchtige, wie Pressesprecherin Judith Féaux de Lacroix sagt. Tagsüber sei die Strecke Warburg-Kassel nicht gesperrt. Vielmehr werden Regiotrams, Güter- und Personenzüge anderer Bahnunternehmen dann zwischen Grebenstein und Mönchehof mehrere Kilometer eingleisig an der Baustelle vorbeigeführt. Dadurch kommt es zu erheblichen Unregelmäßigkeiten und teils starken Verspätungen im RegioTram-Betrieb nicht nur der RT1, sondern auch der RT4, weil sich beide in Obervellmar die Strecke teilen. Erst Ende Oktober soll diese Baustelle vorerst beendet sein. Auch Regionalexpresse sind von Einschränkungen betroffen.

Am Dienstag, 27. September, kam hinzu, dass die DB ihre Nachtbaustelle nicht wie geplant beenden konnte und die Strecke erst mit mehreren Stunden Verspätung freigab. Zudem gab es eine Weichenstörung in Obervellmar, wodurch eine Reihe von RT1- und RT4-Fahrten entfielen.

Bahn-Baustelle zwischen Warburg und Kassel: Informationen laut NVV nicht lückenlos

Der NVV halte die Verbesserungen in der Infrastruktur für nötig und sinnvoll für einen stabileren und leistungsfähigeren Eisenbahnverkehr, der dauerhaft höhere Fahrgastströme bewältigen kann: „Wir würden es aber begrüßen, gemeinsam mit der DB wieder zur bewährten fristgerechten Baustellenplanung zurückzukehren.“ Die RT-Zugführer erhalten ihre Infos von der Leitstelle der RegioTram-Gesellschaft (RTG), die sei aber abhängig von den Infos, die die DB bereitstelle.

Der NVV sei zwar in die Baustellenplanung eingebunden gewesen, doch die Betriebsdurchführung in der Baustelle liege in Händen der Bahn AG. Der NVV bemühe sich gemeinsam mit der RTG, hier Verbesserungen zu erreichen. Obwohl detailliert vorgeplant, ergäben sich immer wieder kurzfristig Änderungen an Fahrplänen und Ersatzbussen mit immer engerem Spielraum. Der NVV verweist darauf, dass er bei Verspätungen ab fünf Minuten den Fahrpreis erstattet.

Bahn wie auch NVV hoffen, dass abgesprungene Kunden nach Ende der Bauarbeiten wieder zurückkehren. Die Züge würden dann wieder pünktlich fahren. (Thomas Thiele)

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