Mitgenommen wird, was nicht niet- und nagelfest ist

Von Toilettenpapier bis Silberleuchter: Was Hotelgäste alles stehlen

Karl Koseck, Seniorchef vom Dornröschenschloss Sababurg, mit Silberbecher und -leuchter: Die Becher wurden schon häufiger gestohlen, von den Leuchtern gab es mal zwei auf der Sababurg. Nachdem einer geklaut wurde, schließe man den verbliebenen nach Gebrauch immer gut weg.

Hofgeismar. Ein Wildschweinfell, Toilettenpapier, Fernbedienungen, Toilettenschilder, ein Perserteppich – kaum zu glauben, aber all das ist aus Hotels im Kreistteil bereits verschwunden.

„Die Leute können alles gebrauchen“, witzelt Karl Koseck, Seniorchef im Dornröschenschloss Sababurg. Von den über 40 Porzellanschildern etwa, die Auskunft über die Rosensorten im hauseigenen Rosengarten geben sollten, sei keines mehr da. Auch die Toilettenschilder aus Messing seien irgendwann weg gewesen. Erklären könne er das nicht: „Die Leute müssen Schraubenzieher dabei haben.“

Auch ein dreiarmiger Silberleuchter aus dem Zimmer fürs Standesamt und ein Perserteppich aus einem Zimmer sind hier schon verschwunden. Letzterer habe zwar einer Gästegruppe zugeordnet werden können, aber man wolle „kein Theater“, sagt Koseck. Das gilt offenbar auch, wenn Gäste Hygieneartikel einstecken. Hier sind die Hoteliers großzügig: „Die sind im Preis drin und stehen dem Gast zu“, sagt Koseck. Das sieht auch Uwe Humburg, Inhaber des Alten Brauhauses in Hofgeismar, so: „Ob der Gast es aufschraubt und einpackt oder wir es entsorgen, ist egal. Deshalb kann das gern jeder mitnehmen“, sagt er.

Auch bei Kugelschreibern oder Blöcken, auf die ja das Hotellogo gedruckt seien, habe er nichts dagegen, wenn sie mitgenommen werden. „Insgesamt haben wir aber ehrliche Gäste“, sagt Humburg. Die Föhne auf den Zimmern seien jedenfalls alle noch da. Nur ein Wildschweinfell, das als Wanddekoration auf einem Flur hing, sei mal abhanden gekommen, ab und an verschwinde eine Fernbedienung. „Ob bewusst oder ob die Gäste das für ihr Handy halten, kann ich nicht sagen“, schmunzelt er.

Ohne Fernseher könne man damit ja nichts anfangen. Ein solcher ist bereits aus der Bar im Waldhotel Schäferberg in Espenau verschwunden. Leider habe sich der Vorfall nicht aufgeklärt, sagt Geschäftsführer Axel Brandt. Außerdem müsse jedes Jahr viel neues Besteck gekauft werden. Er wisse allerdings nicht, ob das immer auf Gäste zurückzuführen ist. „Es könnte sein, dass durch die Hektik im täglichen Betrieb versehentlich etwas weggeworfen wird“, vermutet er. Damit der Reiz für Souvenirjäger nicht so groß ist, habe man Mietwäsche mit unbedruckten Handtüchern ohne Firmenlogo. Auch stehe kein klarer Schnaps mehr in den Minibars: „Die wurden wieder mit Wasser aufgefüllt“, berichtet Brandt.

Diebstähle sind allen befragten Hotels bekannt, wirtschaftlich offenbar aber einigermaßen verkraftbar. Anders sieht das mit Zechprellern aus: Viele Hoteliers der Region berichten, dass sie schon häufiger Anzeige wegen nicht bezahlter Rechnungen für Übernachtungen oder Veranstaltungen erstattet haben. Das sei ärgerlich, sagt Brandt: „Man hat ja eine Leistung erbracht, die sollte auch bezahlt werden.“

Auch bundesweit ein Problem

Ob Handtuch, Kleiderbügel oder Hausschuh: In Hotels ist fast nichts vor diebischen Gästen sicher. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Online Reiseportals travel24.com. Auch die Hotels im Kreisteil sind bereits häufig mit Diebstählen konfrontiert worden. Nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) ist das allerdings alles andere als ein Kavaliersdelikt.

Laut der Umfrage unter 5800 Reisenden stehen Kosmetikprodukte ganz oben auf der Liste der entwendeten Gegenstände. Rechtlich sei die Lage eindeutig, sagt Anna Homm, Geschäftsführerin des Dehoga-Bezirksverbandes Nord- und Osthessen. Selbst ein angebrochenes Shampoofläschchen mitzunehmen, sei der juristischen Definition nach Diebstahl. Kaum ein Hotelier werde deshalb aber gegen seinen Gast vorgehen. Anders sehe das aber schon bei Bademänteln aus, Platz 7 des am häufigsten geklauten Hoteleigentums.

Durch Diebstähle in Hotels entstehen deutschlandweit jährlich 37 Millionen Euro Schaden. Für die Region lasse sich der wirtschaftliche Verlust nicht beziffern. „Meist gehen die Hotels aus Reputationsgründen diskret damit um“, sagt Homm. Laut Studie sind zwei Drittel der Hoteldiebe zwischen 14 und 44 Jahre alt. Je höher der Bildungsgrad, desto mitnahmefreudiger die Gäste. Vielen fehle laut Homm einfach das Unrechtsbewusstsein.

Wer als Gast ein Souvenir mitnehmen möchte, sollte einfach nachfragen, empfiehlt sie. Die meisten Hotels, insbesondere größere Ketten, würden Ausstattung gezielt zum Verkauf anbieten. Das bieten auch einige Hotels im Kreisteil an - wie das Dornröschenschloss Sababurg -, andere haben Pfandsysteme entwickelt. „Früher lagen Bademäntel kostenlos in den Zimmer aus, das dauerte nicht lange, da hatten wir keine mehr“, berichtet etwa Rüdiger Laabs vom Hotel Zum Schwan in Bad Karlshafen. Zudem seien auch schon Gäste auf frischer Tat ertappt worden.

Mehr in der gedruckten Ausgabe am Mittwoch.

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