Stadt soll Pflicht zur Vorgartenbepflanzung prüfen

Diskussion um Schottergärten in Hofgeismar

Ein Vorgarten vor einem Haus in Hofgeismar besteht aus einer großen Fläche mit schwarzem Kies, eingefasst von Steinblöcken und Platten. Es wächst kein Grün, mit Ausnahme von einem dünnen gekappten  Baumstamm in der Mitte und zwei niedrigen, kleinen immergrünen Gewächsen in den Ecken.
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Umstritten: Versiegelte Schotter- und Kiesflächen, in denen es kaum grünt, sind kein Lebensraum für Bienen und andere Nutzinsekten. In Hofgeismar wird beraten, ob ihre Anlage künftig geregelt werden soll.

In Hofgeismar wird diskutiert, ob naturarme Kies- und Schottergärten verboten werden sollen.

Hofgeismar – Wenn künftig in Hofgeismar neue Häuser gebaut werden, dann sollen Schottergärten, in denen keine Pflanzen wachsen und der Boden durch wasserundurchlässige Planen abgedichtet ist, nicht mehr zugelassen werden. Dieses Ziel hat ein Prüfauftrag, den die Stadtverordneten am Montag mit 16 Stimmen von SPD und WSD gegen 13 Stimmen der CDU bei zwei Enthaltungen aus WSD und FDP beschlossen hat. Entschieden ist damit noch nichts, der Magistrat soll zunächst nur prüfen, ob eine Bepflanzungspflicht in die Bebauungspläne aufgenommen werden kann.

„Wenn wir den Klimaschutz ernst nehmen und nicht nur Klimakommune auf dem Papier sein wollen, dann müssen nun geeignete Maßnahmen folgen“, begründete der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Tim Kolle den Antrag. Er wies den Vorwurf zurück, die SPD würde die Bürger gängeln. Eigentum verpflichte, und wer Flächen nicht begrüne und sie wasserundurchlässig mache, verstoße schon jetzt gegen geltende Vorschriften der Hessischen Bauordnung. Das solle der Magistrat überprüfen.

Ziel ist ein gutes Klima

Flächen ohne Pflanzen seien sinnlos für Tiere und wenn dann auch noch Chemie gegen Unkraut eingesetzt werde, sei das auch schädlich für Insekten, vor allem Bienen. Hofgeismar, so argumentierte die SPD, solle eine grüne Stadt bleiben und ein gutes Klima durch möglichst viele Grünflächen und unterschiedlichste Bepflanzungen erreichen.

SPD: „Schlecht für Tiere und Temperaturen“

Steinwüsten und Schotterflächen in den Vorgärten würden das Insektensterben beschleunigen. Insekten seien ein wesentlicher Bestandteil der biologischen Vielfalt und daher gelte es, sie zu schützen. Zudem würden Steinschüttungen die Sommerhitze bis in die Nacht speichern, Bäume und Pflanzendecken würden dagegen Luft und Boden abkühlen.

CDU: „Schottergärten kein Problem“

Klar gegen den Antrag sprach sich Barbara Klemm für die CDU aus. Man habe das in der Fraktion intensiv diskutiert und meine, dass Schottergärten in Hofgeismar, anders als in Großstädten, kein Problem seien. Eine Regelung für Neubaugebiete würde eine Ungleichbehandlung der Bürger bedeuten.

Es gibt verschiedene Gartenvarianten

Zunächst gelte es zu klären, was ein Schottergarten überhaupt sei. Es gebe wasserdurchlässige und undurchlässige Vliese, mitunter gälten sogar Holzhackschnitzel oder Rindenmulch bereits als Schotter. Zudem gebe es auch bepflanzte Schotterflächen. Da könne man sich schon auf Nachbarschaftsstreitigkeiten einstellen, warnte Klemm. Bauplätze in Hofgeismar sollten attraktiv bleiben. Es sollte reichen, an die Vernunft der Hausbesitzer zu appellieren. Klemm: „Müssen wir da noch eins draufsetzen?“ Die CDU sehe keinen Handlungsbedarf und stimme deshalb nicht zu.

Auf Nachfrage der HNA erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank Nikutta, dass der Magistrat die Gesamtlage prüfen solle. Praktisch umsetzbar sei das wohl nur für künftige Bebauungspläne. Man könne nicht dazu auffordern, bestehende Schottergärten abzuräumen.

Stadt soll 200 weitere Bäume pflanzen

Ebenfalls um Klimaschutz ging es in einem weiteren, einstimmig angenommenen Antrag der SPD, der den Magistrat beauftragt, in der Stadt und den Stadtteilen 200 Bäume zu pflanzen, damit diese CO2 speichern und Sauerstoff freisetzen. Dafür sollen Zuschüsse beantragt werden. Auf Antrag der WSD sollen Standorte und Bäume so gewählt werden, dass es ökologisch wertvolle Bäume mit Zukunftsperspektive sind. (Thomas Thiele)

Schotter und Kies

Beim Schottergarten wird eine Fläche mit groben Steinen belegt. Zuvor müssen darunter die Humusschicht bis zu 50 Zentimeter tief abgetragen und eine Folie gegen Unkraut verlegt werden, sodass der Boden versiegelt wird und kein Wasser mehr abfließen kann. Solche Flächen können sich stark aufheizen. Sie speichern, anders als unversiegelter Boden, kein Wasser. Wertvolle Lebensräume sind dagegen wasserdurchlässige Stein- und Kiesgärten, wo zwischen einer dünnen Stein- und Felsschicht alpine Arten oder Präriepflanzen wachsen.

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