Flüsse bergen Gefahren

DLRG Oberweser und Wasserschutzpolizei raten vom Schwimmen in der Weser ab

Das Fahrgastschiff Hessen auf der Weser. Im Hintergrund ist der Campingplatz in Bad Karlshafen.
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Hier kann es gefährlich werden: Am Campingplatz in Bad Karlshafen gehen viele Menschen in der Weser schwimmen. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Kollision mit einem Schiff kommen.

Im Sommer laden nicht nur Freibäder ein, sich zu erfrischen. Auch Seen und Flüsse werden von denen aufgesucht, die sich Abkühlung verschaffen wollen.

Kreisteil Hofgeismar - Oft werden dabei die Gefahren vergessen oder verdrängt, die Flüsse bergen. Im Kreisteil Hofgeismar betrifft das vor allem die Weser und die Diemel.

„Seit dem vergangenem Jahr hat die Anzahl der Menschen, die in der Weser baden und schwimmen, erheblich zugenommen“, sagt Ulrich Vogel, Vorsitzender der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft Oberweser (DLRG). In manchen Bereichen der Weser sei das ein richtiger Kult: „Die Leute begeben sich in Oedelsheim bei der Weserfähre ins Wasser, lassen sich treiben und steigen dann beim Campingplatz wieder aus dem Fluss“, erklärt Vogel und betont: „Die DLRG rät grundsätzlich vom Baden in der Weser ab.“

Ulrich Vogel, Vorsitzender der DLRG Oberweser

Ausgewiesene Stellen, an denen Schwimmer ins Wasser können, gebe es nicht. „Das Baden ist in öffentlichen Gewässern nicht generell verboten“, sagt Alexander Lorch, Leiter der Wasserschutzpolizei Kassel, die für die Werra, Weser und Fulda zuständig ist. Unzulässig ist das Schwimmen 100 Meter ober- und unterhalb von Brücken, sagt der Polizeihauptkommissar. Dieses Verbot ist in einem Paragrafen der Binnenschifffahrtsstraßenordnung festgehalten. Sprünge von Brücken seien ebenso untersagt. „Wir haben solche Bauwerke in der Gemeinde Wesertal und auch in Bad Karlshafen. Dort springen zwar auch vereinzelt Menschen von Brücken. Aber es ist nicht ganz so ausgeprägt wie beispielsweise an der Fulda in Kassel“, sagt Lorch. Da oft die Wassertiefe nicht erkennbar sei, können solche Sprünge zu schweren Verletzungen führen.

Auch die Strömungen in den einzelnen Fließgewässern werde von Badenden häufig unterschätzt, bestätigen Lorch und Vogel. Selbst gute Schwimmer könnten da an ihre Grenzen stoßen und im schlimmsten Fall ertrinken. Unterm Strich zieht Lorch eine positive Bilanz: Größere Badeunfälle oder Todesfälle im Kreisteil habe es in den vergangenen Jahren nicht gegeben.

Lorch: Schiffsverkehr ist sehr gefährlich

Aber nicht nur Strömungen stellen eine Gefahr dar: „Die Schwimmer suchen oft die Flussmitte auf, weil diese tiefer ist. Auf Schifffahrtsstraßen wie der Weser sind aber genau an diesen Stellen die Boote unterwegs“, sagt Alexander Lorch von der Wasserschutzpolizei Kassel. Je nach Breite des Flusses oder Größe des Bootes sei es für die Fahrer gar nicht so einfach auszuweichen.

Als Beispiel nennt Lorch den Campingplatz in Bad Karlshafen. „Dort krümmt sich die Weser an einer Stelle sehr stark und genau da gehen viele ins Wasser. Das Problem ist, dass die Schwimmer wegen der Kurve nicht so schnell zu sehen sind. Für sie ist der Schiffsverkehr dann sehr gefährlich“, erklärt der Polizist. Ein Fahrgastschiff wie die Hessen, die während einer Saison regelmäßig diese Stelle passiert, könne auch gar nicht so schnell ausweichen oder abbremsen. „Die Anhaltewege sind sehr lang, teilweise über einen Kilometer“, sagt Lorch. Wenn man unbedingt im Fluss baden wolle, dann sollte man sich am besten in Ufernähe aufhalten. (Nela Müller)

2020 sind 378 Menschen ertrunken

Nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind im vergangenen Jahr 378 Menschen in Deutschland ertrunken, 2019 waren es 417. Die Statistik zeigt zudem, dass Seen (156 Tote) und Flüsse (130 Tote) die meisten Opfer fordern. 21 sind in Nord- und Ostsee ums Leben gekommen. 147 der Ertrunkenen aus dem vergangenen Jahr waren zwischen 56 und 90 Jahre alt. Auffällig ist auch, dass die meisten der Ertrunkenen Männer waren, nämlich 301.

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