Mit Nachhaltigkeitseuro

documenta will 170.000 Eichen im Reinhardswald pflanzen

 Reza Afisina und Dr. Markus Ziegeler pflanzen eine Roteiche im Reinhardswald. Hessen-Forst-Chef Michael Gerst und documenta-Direktorin Dr. Sabine Schormann schauen zu.
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Hier soll eine Eichenallee entstehen: Reza Afisina und Dr. Markus Ziegeler pflanzen eine Roteiche, begleitet von Hessen-Forst-Chef Michael Gerst (links) und documenta-Direktorin Dr. Sabine Schormann.

Die Kasseler Kunstausstellung documenta 15 und Hessen Forst gehen eine Partnerschaft ein: Sie wollen im Reinhardswald eine Fläche von 220.000 Quadratmetern klimastabil mit Eichen aufforsten.

Reinhardswald – Mehr als 170.000 Bäume wollen Forstamt und documenta auf der Fläche bei Beberbeck pflanzen, deren Größe rund 30 Fußballfeldern entspricht. Fachleute gehen davon aus, dass Eichen mit den veränderten Klimabedingungen besser zurechtkommen. Deswegen wurden Traubeneichen ausgewählt. Finanziert werden soll das Projekt mit dem Erlös eines „Nachhaltigkeitseuros“ aus dem Verkauf der Eintrittskarten.

Roteichen sollen zur Allee heranwachsen

Den Auftakt machten am Freitag Michael Gerst, Leiter des Landesbetriebs Hessen Forst, Forstamtsleiter Dr. Markus Ziegeler, Reza Afisina und Iswanto Hartono von Ruangrupa, der künstlerischen Leitung der Weltkunstausstellung, und Dr. Sabine Schormann, Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH. Sie pflanzten am Rand der Fläche die ersten Roteichen. Die werden im Laufe der Jahre zu einer Allee heranwachsen. Alleen sind typisch für den Reinhardswald.

Die documenta wolle in allen Bereichen nachhaltiger werden, kündigte die Direktorin an: von der Mobilität bis zum Aufbau der Kunstausstellung. In der indonesischen Heimat der künstlerischen Leiter ist ein zweites Projekt geplant. Auf der Insel Sumatra wollen sie Palmöl-Plantagen „ökologisch anreichern, sagte Schormann. Außerdem wollten sich Künstler mit Projekten für Nachhaltigkeit engagieren.

Eintrittskarte als Fahrkarte

Auch in Kassel selbst soll der neue Ansatz spürbar sein: Zum ersten Mal in der Geschichte der documenta gelten alle Eintrittskarten als Fahrkarten für die öffentlichen Verkehrsmittel im Tarifgebiet Kassel Plus.

Großes Medieninteresse im Reinhardswald: Forstwirt Erich Lenzing pflanzt den ersten Setzling der neuen Roteichen-Allee an der Schloss-Schneise bei Beberbeck.

Hessen-Forst-Chef Michael Gerst wies auf die Bedeutung des Waldes für den Klimawandel hin. Der Wald liefere „einen natürlichen Beitrag“ zur CO2-Reduzierung. Der klimaschädliche Stoff werde in Bäumen festgelegt. Gerst erinnerte aber auch daran, wie stark der Wald gelitten hat: Das sei seit 2018 durch Sturm, Dürre und Borkenkäfer in einem Ausmaß geschehen, das „Forstleute nicht gekannt haben“. Der Reinhardshäger Forstamtsleiter Dr. Markus Ziegeler freute sich über das Engagement und die Solidarität der Künstler mit dem Wald. Mit der Pflanzung trügen sie dazu bei, „dass unsere Enkel an dieser Stelle Wald erleben dürfen“. (Bernd Schünemann)

Mehr als 630.000 Festmeter Schadholz

Mehr als 630 000 Festmeter Schadholz sind durch Sturm und Käferbefall seit 2018 im Reinhardswald angefallen. 480 000 Festmeter hatte allein der Wintersturm Friederike am 18. Januar 2018 geworfen. Für den Rest sorgten Trockenheit und die Borkenkäfer. Den größten Anteil hatten laut Forstamt Fichten mit 60 Prozent. Auch Eichen und Buchen litten. Mit mehreren Millionen Bäumen – vorwiegend Laubbäume – hat Hessen Forst bereits Flächen bepflanzt.

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