Interview: Neue Aufgaben

Dr. Erik Aschenbrand wird Geschäftsführer des Naturparks Reinhardswald

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Experte für Natur und Tourismus: Dr. Erik Aschenbrand wird neuer Geschäftsführer des Naturpark Reinhardswald. 

Hofgeismar. Dr. Erik Aschenbrand (32) wird ab Januar der erste Geschäftsführer des künftigen Naturparks Reinhardswald und wird von Tübingen nach Hofgeismar kommen. Wir sprachen mit ihm über seine Aufgabe und den Wechsel nach Hessen.

Haben Sie damit gerechnet, den Posten zu bekommen?

Erik Aschenbrand: Ich habe natürlich darauf gehofft und mich intensiv vorbereitet, denn das ist mein absoluter Traumjob. Dass ich damit gerechnet hätte, wäre aber zu viel gesagt, denn es gehört ja auch etwas Glück dazu.

Fällt Ihnen der Wechsel vom Neckar zur Oberweser leicht?

Aschenbrand: Absolut, denn ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe. Einen neugegründeten Naturpark mitgestalten zu können, ist schon ein Privileg und es ist genau das, was ich gern machen möchte. In meiner Freizeit bin ich auch gern im Wald unterwegs oder im Kajak auf dem Wasser. Die Bedingungen könnten also nicht besser sein.

Warum interessieren Sie sich speziell für Naturparks?

Aschenbrand: Ich habe in Marburg Geografie studiert und meine Bachelorarbeit in einem Nationalpark in China geschrieben. Gemeinsam mit chinesischen Studenten habe ich dort ein Tourismuskonzept für die Nationalparkgemeinden entworfen. Erst durch die Einnahmen aus dem Tourismus konnten dort Naturschutzprojekte finanziert werden. Gleichzeitig werden Touristen einmalige Naturerlebnisse geboten. Durch Umweltbildung, etwa auf geführten Wanderungen, lernen Besucher ganz nebenbei etwas über die Natur und nehmen vielleicht ein neues Bewusstsein über natürliche Zusammenhänge mit nach Hause. Schutzgebiete wie National- und Naturparks haben also das Potenzial, viel Positives zu bewirken. Nach dem Studium habe ich im Nationalpark Bayerischer Wald als Mitarbeiter für Tourismus und Regionalentwicklung gearbeitet. Da ist die Arbeit für den Naturpark sozusagen die logische Konsequenz.

Was macht den Naturpark Reinhardswald in Ihren Augen zu etwas ganz Besonderem?

Aschenbrand:Das ist die Verbindung mit den Märchen, die ist hier einzigartig. Ich finde das Thema Märchenland Reinhardswald gut gewählt, da kann man im Tourismus an vielen Stellen anknüpfen. Wenn ich mir einen Märchenwald vorstelle, dann denke ich an alte knorrige Baumriesen, dichtes Grün, kleine Pfade, die sich über Wurzeln und zwischen Baumstämmen durchschlängeln. Das alles gibt es im Reinhardswald. In meiner Doktorarbeit habe ich mich mit Tourismusmarketing befasst. Aus Marketingperspektive gibt es nichts Besseres, als wenn eine Region durch Literatur oder Film symbolisch aufgeladen ist. Als Reisender merkt man es kaum, aber das, was man liest oder im Kino oder im Fernsehen sieht, erzeugt Wünsche und beeinflusst die eigene Reiseentscheidung. Im Reinhardswald ist also nicht nur die Natur fantastisch, sondern es gibt auch schon gute Geschichten über sie. Die gilt es nun für die Region zu nutzen.

Gibt es schon ein Thema, mit dem sie sich intensiver befassen wollen?

Aschenbrand: Ich freue mich schon sehr, an der touristischen Positionierung des Naturparks zu arbeiten. Idealerweise kann ein Naturpark nach innen identitätsstiftend wirken und nach außen die Sichtbarkeit und Attraktivität einer Region für Besucher erhöhen. Das ist spannend. Zudem freue ich mich besonders auf den Aufbau des Naturparkzentrums und die Gestaltung von Wanderwegen.

Ganz unbekannt ist Ihnen Nordhessen ja nicht. Was gefällt Ihnen an der Region?

Aschenbrand: Das ist richtig. Mein Vater kommt aus Ihringshausen und ich habe Verwandte in Vellmar und Hofgeismar. Natürlich freue ich mich schon sehr, dass wir uns demnächst wieder häufiger sehen. Außerdem mag ich die Landschaft in Nordhessen. Ich finde, man kann sich hier leicht wohlfühlen.

Welche Aufgaben hat der Geschäftsführer des Naturparks Reinhardswald?

Aschenbrand: Das sind vor allem der Aufbau und die Leitung der Naturparkverwaltung und der touristischen Arbeitsgemeinschaft. Das Entwicklungskonzept des Naturparks muss umgesetzt und dann auch fortgeschrieben werden. Wir wollen eine Naturparkinfrastruktur mit Wanderwegsbeschilderungen und Naturparkzentrum aufbauen. Zudem soll der Naturpark als touristische Marke sichtbar werden. Dafür müssen wir eine Marketingstrategie entwickeln und umsetzen.

Wenn der Naturpark ein Jahr besteht, woran werden Sie dann ihren Erfolg messen?

Aschenbrand: Ein Naturpark ist eine komplexe Organisation, die dem öffentlichen Interesse dienen soll. Ich lege also die Ziele des Naturparks nicht allein fest, sondern das geschieht mit dem Vorstand. Übergeordnete Ziele, wie Regionalentwicklung und touristische Positionierung sind langfristige Ziele, die eine kontinuierliche Arbeit erfordern. Zunächst gilt es die Rahmenbedingungen für eine solche kontinuierliche Arbeit aufzubauen. Ich möchte gute Beziehungen und eine gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten etablieren. Parallel sollen die Marketingaktivitäten des Naturparks aber schon beginnen. Wenn das 2019 geschafft ist und erste Projekte auf den Weg gebracht sind, dann wäre das ein guter Start. 

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