Weg vom Seelsorger zum Chef

Dr. Jochen Gerlach ist Chef der Altenhilfe: Der Pfarrer, der Bilanzen lesen kann

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Unterwegs mit dem Dienstrad: Dr. Jochen Gerlach kommt m it der Tram aus Kassel zur Arbeit nach Hofgeismar. Am Bahnhof steigt er auf das Rad um und fährt ins Büro. Hier ist er vor dem Haus am Gesundbrunnen unterwegs.

Jochen Gerlach ist nicht nur engagierter Pfarrer. Er kennt sich auch mit Zahlen und Wirtschaft aus und kann Bilanzen lesen.

Diese Kombination hat sicher wesentlich dazu beigetragen, dass der Kasseler neuer Leitender Pfarrer der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen in Hofgeismar wurde. Damit ist er einer der beiden Chefs von etwa 2300 Mitarbeitern in Hessen und West-Thüringen beim größten Anbieter von Altenpflege der Region.

In seiner Jugend interessierte sich Gerlach in Ober-Melsungen für die Jugendarbeit der Kirche. Aus diesem Hobby machte er seinen Beruf, studierte Theologie und wurde Pfarrer, sagt Gerlach im Gespräch mit unserer Zeitung. 

Pfarrer mit Wirtschaftsstudium

Im Studium beschäftigte er sich auch mit Fragen der Gerechtigkeit in der Arbeitswelt. Damit war für ihn eine „Spur gelegt“. Er wollte wissen, wie man die Rationalität der Wirtschaft mit ethischen Fragen verbinden kann. Und er schloss ein Wirtschaftsstudium an.

Das Thema Wirtschaft beschäftigt Pfarrer Dr. Jochen Gerlach schon lange. Jetzt verbindet er Theologie und Wirtschaft: Gerlach ist seit April der neue Leitende Pfarrer der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen in Hofgeismar.

Vor der ersten großen wirtschaftlichen Herausforderung stand Gerlach in seiner Pfarrstelle in Wabern-Uttershausen, die er gemeinsam mit seiner Frau innehatte. Dort gehört eine Diakoniestation mit 17 Mitarbeitern dazu, die in finanzielle Schieflage geraten war. Der Pfarrer suchte Wege, das Defizit abzubauen. Das gelang, das Minus verschwand, die Station arbeitet erfolgreich weiter.

"Kirche muss verstehen, was in der Arbeitswelt passiert"

Inzwischen war man auch bei der Landeskirche auf den wirtschaftlich interessierten Pfarrer aufmerksam geworden. Vor acht Jahren übernahm Gerlach die Referatsleitung für Wirtschaft, Arbeit und Soziales im Landeskirchenamt in Kassel. „Kirche muss verstehen, was in der Arbeitswelt passiert“, sagt der 56-Jährige. Außerdem gehörte er dem Aufsichtsgremium der Baunataler Diakonie Kassel an. 

Ein Schwerpunkt der Arbeit in Kassel war Gesundheit am Arbeitsplatz. Gemeinsam mit dem Regionalmanagement und einer Krankenkasse bildete das Referat Gesundheitslotsen für Betriebe aus. Die sollen ihren Kollegen helfen, am Arbeitsplatz mit Stress umzugehen und gesund zu bleiben trotz Arbeitsverdichtung.

„Und dann kam diese Ausschreibung“, erzählt Gerlach. Die habe ihn sehr angesprochen. Als Leitender Pfarrer könne er seine Erfahrungen aus der Arbeitswelt und seine Vorstellung von diakonischer Arbeit umsetzen. Umso mehr freut er sich, dass er nun im Team mit dem Kaufmännischen Vorstand Ralf Pfannkuche die Einrichtung leitet.

„Zahlen sind nicht alles. Aber wenn die Zahlen nicht stimmen, wird alles andere schwierig“, weiß Gerlach. In der Altenhilfe solle der christliche Glaube als Kraftquelle erlebbar werden.

Größter Anbieter in der Altenpflege

Die Evangelische Altenhilfe Gesundbrunnen ist an 19 Standorten in Nordhessen und Thüringen vertreten. Damit ist sie der größte Anbieter von Altenpflege in der Region. An 18 Standorten gibt es Altenpflegeheime. 

Der Gesundbrunnen bietet insgesamt rund 1500 Betten und 180 Tagespflegeplätze. Dazu gehören außerdem das Hospiz in Kassel sowie das Krankenhaus für Geriatrie und Neurologie und das Aus- und Fortbildungszentrum, beides in Hofgeismar.

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