Unparteiische halten sich mit Online-Tests und individuellem Training fit

Droht nach der Pause ein Mangel an Schiris?

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Zwangspause: Auch die Schiedsrichter sind derzeit nicht im Einsatz. Kreisschiedsrichterobmann Mike Britting hofft, dass es nach der Pause nicht zu einem Engpass bei den Unparteiischen kommt.

Vor allem die aktiven Sportler stehen derzeit in der Berichterstattung im Fokus. Was ist aber zum Beispiel mit den Schiedsrichtern? Auch sie sind von der Corona-Pandemie betroffen.

Dass sie keine Spiele leiten können, ist keine Überraschung. Aber auch Lehrabende oder Zusammenkünfte können derzeit nicht stattfinden. Über die Folgen sprachen wir mit dem obersten Schiri im Fußballkreis, Kreisschiedsrichterobmann Mike Britting.

Während einer normalen Saison sind die Schiris im Dauereinsatz. Da Unparteiische Mangelware sind, sind zwei Einsätze an einem Wochenende keine Seltenheit. Die meisten Referees leiten pro Jahr 20 bis 25 Spiele. Einige allerdings sind auch deutlich öfter im Einsatz. 70 bis 80 Einsätze kommen da zusammen, weiß Britting.

Kaum Einsätze in diesem Jahr

Britting pfeift für den TSV Holzhausen. Den letzten Einsatz hatte der 42-Jährig bei der Hallenkreismeisterschaft. Die war Anfang Dezember. Als Beobachter war er noch einmal Anfang März im Einsatz. Ähnlich geht es seinen Kollegen. Einsätze in diesem Jahr sind Mangelware. Zwar hat der Fußballverband das Pflichtspielsoll, das Schiris pro Jahr zu absolvieren haben, wegen der Coronakrise gestrichen, doch das befreit, doch Probleme bleiben für die Unparteiischen.

„Das Hauptproblem sind die Sitzungen“, sagt Britting. Bei den monatlichen Pflichtsitzungen tauschen sich die Schiris aus, sprechen brisante Szenen durch und bilden sich so praxisnah fort. Doch diese Sitzungen gibt es nicht mehr. Zwar gibt es auf Verbandsebene per Internet Tests für Schiris, doch ein gleichwertiger Ersatz sei dies nicht, befindet Britting, der das Angebot nutzt.

Personalmangel könnte sich verschärfen

Sich körperlich fit zu halten, sei, wie auch bei den Fußballern selbst, nicht das Problem. Was fehlt, sei die Praxis, der reale Einsatz, den kein Test und keine theoretische Schulung ersetzen könnte. Auch für die Schiris werde es daher schwierig, wieder in den Spielbetrieb zu finden, wenn denn wieder gespielte werden kann. Sollte es im August oder September weitergehen, dann sind einige Schiris neun oder gar zehn Monate ohne Einsatz. „Auch wir brauchen zwei oder drei Spiele, bis wieder alle Abläufe wie selbstverständlich laufen“ sagt Britting.

Zudem plagt ihn noch eine weitere Sorge: Der Personalmangel bei den Schiedsrichtern könnte sich noch verschärfen. Und das aus zwei Gründen: Derzeit gibt es keine Neulingslehrgänge. Es wird also keine neuen Referees geben. Zum anderen könnten einige Schiedsrichter die lange Pause zum Ausstieg nutzen. Manche seiner Kollegen seien schon deutlich über 70. Dass sie einmal altersbedingt ausscheiden, sei absehbar. Dass sie die Pause für dieses Ausscheiden nutzen, fürchtet der Kreisschiedsrichterwart. Denn sie sind nicht nur erfahren, sonder gelten auch als sehr zuverlässig. Kehren sie nicht auf den Rasen zurück, dann könnte es dazu kommen, dass nicht mehr für jedes Spiel ein Schiri gestellt werden kann.

Bislang konnte man solche Situationen meist vermeiden. Fiel ein Schiri kurzfristig aus, sprang beispielsweise Britting in die Bresche. Der 42-Jährige, der einst Oberliga pfiff, ist wegen Knieproblemen und einer angegriffenen Achillesferse nicht mehr regelmäßig mit Pfeife auf dem Sportplatz. „In den unteren Klassen pfeife ich noch manchmal. Und Schiedsrichterbeobachter mache ich auch“ sagt er. Und dass er im Notfall als Springer zur Verfügung steht, hat ja auch Vorteile. Noch besser wäre es jedoch, man hätte ausreichend Schiris. Derzeit hat der Fußballkreis 105 aktive (und 15 passive) Schiedsrichter. Und das sind eigentlich schon zu wenig.

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