Günter Wyss aus Grebenstein

Ehrenamt für den Kindergarten: Er ist Opa für 400 Kinder

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Blätter für die Regenwürmer: Zusammen mit Günter Wyss bestückten die Kinder den Regenwurmkasten. Unser Bild zeigt (vorne von links im Urzeigersinn): Michel, Maja, Günter Wyss, Luna, Joana und Lenn.

Grebenstein. Er ist für Grebensteins Kinder wohl der bekannteste Erwachsene im Ort: Opa Wyss. Seit über zehn Jahren begleitet er Kindergartengruppen in den Wald.

Mal geht es um Pflanzen, mal um Schnecken, ein anderes Mal, wie diese Woche, um Regenwürmer. Als seine eigene Enkeltochter im Kindergarten war, wurde er einmal gefragt, ob er nicht mitgehen möchte, erzählt er. Bei den Kindern kam es gut an, Wyss machte es Spaß und seit 2007 begleitet er die Kinder an  zwei Vormittagen in der Woche bei ihren Waldausflügen. Um die 400 Kinder waren es bislang, denen Opa Wyss die Natur nahebrachte. Keine Frage, Opa Wyss, wie ihn alle nennen, ist bei den Kindern eine Institution.

Schon beim gemeinsamen Frühstück im Freien vor der Hütte des Lauftreffs umlagern sie ihn. Und er hat für alle ein nettes Wort bereit. Und auch wenn ihm ein virtuelles „Matsche-Eis“ angeboten wird, greift er zu.

Doch sein eigentlicher Einsatz beginnt erst kurze Zeit später. Einige 100 Meter entfernt von der Schutzhütte hat man einen kleinen Platz angelegt – mit Bänken und Tischen und einem Unterschlupf aus Reisig.

Ameisen auf dem Arm

Auf dem Weg dahin kommt die Gruppe an einem großen Ameisenhügel vorbei. „Vor denen haben die Kinder Angst. Vor allem wenn die Ameisen ihnen über die Schuhe oder die Hosen hinauf laufen“, weiß Günter Wyss. Die „Iiihhhsss“ und „Ooooohssss“ der Kinder unterstreichen dies. Doch Opa Wyss greift zum Kontrastprogramm. Er legt seinen Arm auf den Haufen, wartet bis gut zwei Dutzend Ameisen auf seiner Haut krabbeln und zeigt den Kindern, dass dies gar nicht so schlimm ist. Überzeugen kann er sie, wohl nicht ganz, doch das Staunen ist groß.

Das können die Erzieherinnen nur bestätigen. Wenn es heißt, morgen geht es mit Opa Wyss in den Wald, dann ist die Freude groß, sagt Birgitt Schmitz, die gestern mit ihrer Gruppe im Wald war. „Die Kinder sind total begeistert“, weiß auch die stellvertretende Kindergartenleiterin Julia Hotzy.

Ein ehrenamtliches Engagement auf eine so lange Zeit mit so viel Zeitaufwand – das sucht tatsächlich seinesgleichen. „Es macht mir doch auch Spaß“, wiegelt Wyss ab. Als die eigenen Kinder groß wurden, sei er berufsbedingt oft nur am Wochenende zu Hause gewesen. „Jetzt bin ich Rentner, jetzt habe ich Zeit“, begründet er sein Engagement, packt einen Regenwurm-Kasten aus, der von den Kindern erst mit Erde gefüllt und dann mit den Würmern bestückt wird. Blätter kommen als Nahrung hinzu und die Kinder sehen, wie sich Würmer ernähren. „Nur reden bringt wenig“, sagt Wyss. „Die Kinder müssen Sehen und Fühlen“, sagt der 76-Jährige, den alle nur Opa Wyss nennen. 

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