Premiere "Der Gott des Gemetzels"

Ein bürgerliches Schlachtfest: "Die Bühne Hofgeismar" für Premiere gefeiert

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Jeder gegen jeden: Véronique Houillé (Elvira Löber) attackiert ihren Mann Michel (Dieter Dotzert). Beobachtet wird die Szene von Alain Reille (Thomas Otterpohl), während dessen Frau Annette (Christel Frank) mit Übelkeit kämpft.

Hofgeismar. Die Premiere in der Stadthalle Hofgeismar am vergangenen Freitag wurde vom Publikum in minutenlangen Standing Ovations gefeiert.

„Ich glaube an den Gott des Gemetzels“, sagte Alain (Thomas Otterpohl). Das tat das Publikum zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich auch bereits: so stimmig, immer nachvollziehbar und intensiv präsentierte „Die Bühne Hofgeismar“ das Theaterstück „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza.

Es ist ein Gemetzel, bei dem kein Blut fließt: Die Kontrahenten, zwei Paare der gebildeten Oberschicht, gehen in psychologischer Brutalität gegeneinander vor. Es gibt weder klare Fronten noch Gut oder Böse, keine Strategien oder lineare Entwicklungen. Mal ergeben sich kurzzeitig wechselnde Allianzen, mal gilt jeder gegen jeden.

Das Kammerspiel entlarvt in klassischer Einheit von Ort, Zeit und Handlung zivilisierte Errungenschaften wie Anstand, Höflichkeit und Respekt als dünnen Anstrich einer brüchigen Fassade aus Frust, falschem Glück, Zweifeln und unterdrückten Emotionen.

All das transportierten die Schauspieler Thomas Otterpohl als Alain Reille, Christel Frank als dessen Ehefrau Annette sowie Elvira Löber und Dieter Dotzert als das Ehepaar Véronique und Michel Houillé im ständigen Spannungsfeld zwischen Weinen, Schreien und Lachen, zwischen Provokation und bemühter Deeskalation.

Die Dialoge auf dem Punkt, Mimik und Emotionen präzise und authentisch, und all das unter dem zunehmenden Einfluss einer Flasche Rum, die geleert wurde: was das Quartett hier in 80-minütigem Text-Dauerfeuer bot, war beeindruckend und filmreif.

Bewährt hat sich dabei die Zusammenarbeit der Bühne mit Schauspielerin Brunhild Falkenstein vom Rollwagen-Theater, die Inszenierung und Regie übernahm und mit den Darstellern lange an Details gefeilt hatte. So galt der Applaus am Ende der Premierenvorstellung auch ihr und dem gesamten Team der Bühne.

Weitere Termine

Das Gemetzel ist noch zu sehen am Freitag, 30. Juni, um 20 Uhr im Wasserschloss Wülmersen, am Freitag, 8. September, um 19.30 Uhr in der Kulturscheune Liebenau und am Samstag, 23. September, um 19.30 Uhr im Generationenhaus Hümme.

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