Ein Herz für Familien: Dringend Verstärkung bei Notmüttern gesucht

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Ein eingespieltes Team: Notmutter Sandra Umbach (rechts) besucht Louis (6) und Lina (12, nicht im Bild), um die sie sich nach Ausfall der Mutter mehrere Wochen liebevoll gekümmert hat. Zur Freude von Anja Neutze, die jetzt wieder fit ist.

Ehrsten. Ob von der Kita abholen, Hausaufgaben machen, Kochen oder einfach nur Spielen - die Notmütter sind für Kinder und Eltern im Alltag da. Für alle hilfesuchenden Familien eine Lösung zu finden, ist allerdings oft nicht leicht. 

Bei Gabriele Götte klingelt das Telefon - Hilferuf einer Familie. Die Mutter zweier kleiner Kinder ist bei winterlicher Glätte schwer gestürzt: Beinbruch, Krankenhausaufenthalt. Zuhause warten eine Zweijährige und ein Säugling auf Betreuung. Der Vater muss zur Arbeit, niemand kann einspringen. Eine Notmutter muss her. Die Leiterin des Mütternotdienstes Nordhessen beginnt zu rotieren. Alle verfügbaren Kräfte sind im Einsatz, und doch findet Gabriele Götte durch Umorganisation noch mal die passende Lösung.

Aber die Lage sei kritisch, sagt sie. Weil Notmütter fehlen. Gleich ein Dutzend Frauen könnten zur Zeit in Einsätze geschickt werden. Für alle wäre „Arbeit genug da“. Der Mütternotdienst, angesiedelt beim Verein Kinder- und Jugendhilfe Hessen Nord (Geschäftssitz in Ehrsten), braucht dringend personelle Verstärkung. Als freie Mitarbeiterinnen auf Honorarbasis werden Frauen mit Sinn für soziales Engagement und zeitlicher Flexibilität gesucht.

Ziel: Gewohnter Alltag

Ihr Einsatz beträgt in der Regel drei bis vier Wochen. Der Auftrag: In die Familien gehen und dort dafür sorgen, dass für die Kinder der Alltag so gewohnt wie möglich weitergeht. Mit Bringen und Abholen zu und von der Kita oder Schule, Zubereitung von Mahlzeiten, Betreuung bei Hausaufgaben oder gemeinsamem Spielen. Auch alltägliche hauswirtschaftliche Arbeiten sind zu erledigen. Wenn Ganztagseinsätze notwendig sind, eine Notmutter aber nur stundenweise arbeiten will, teilen sich zwei Notmütter die Aufgaben. Ganztagseinsätze sind nach Auskunft Gabriele Göttes nicht mehr so häufig, seitdem auch für die ganz Kleinen ein Betreuungsanspruch in der Kita besteht.

Der Mütternotdienst bringt nicht nur hilfesuchende Familien und Helferinnen zusammen. Zur mentalen Unterstützung der Ersatzmütter auf Zeit werden regelmäßig Besprechungen, Fortbildungen und Supervision angeboten.

Frauen, deren Kinder aus dem Haus oder zumindest aus dem Gröbsten heraus sind, bilden den Stamm des Mütternotdienstes. Es gibt aber auch die 20-jährige Studentin mit Geschwister- und Haushaltserfahrung, die als Notmutter ebenso einspringt wie die rüstige Seniorin von 70 Jahren.

Auch Sandra Umbach aus Meimbressen ist seit zweieinhalb Jahren Notmutter. Ihren nach der Familienzeit neu ergriffenen Beruf möchte sie gegen ihren erlernten nicht tauschen, wie sie sagt. Die 50-Jährige: „Mit den Kindern in den Familien, das macht riesig Freude. Man erfährt so viel Zuneigung und Dankbarkeit.“

Dass das Telefon wieder klingelt und sie einer Familie aus Personalmangel absagen muss, daran mag Gabriele Götte nicht denken. Nur zusätzliche Notmütter können diesen Fall verhindern.

Kontakt: Gabriele Götte, Leiterin des Mütternotdienstes (Kinder- und Jugendhilfe Hessen Nord e.V.),  0 56 77/95 98 12, Pöttenbreite 1, Calden-Ehrsten.

Mütternotdienst: Leiterin Gabriele Götte ist bestrebt, für alle hilfesuchenden Familien eine Lösung zu finden. Das ist oft nicht leicht.

Keine Kosten für die Vermittlung

Kostenträger von Mutternotdiensteinsätzen in Familien, in denen die den Haushalt führende Person ausfällt, sind die gesetzlichen Krankenkassen und Jugendämter. Voraussetzung ist ein ärztliches Attest. Ein Betreuungsanspruch besteht, wenn in der Familie mindestens ein Kind im Alter von bis zu zwölf Jahren zu versorgen ist. Bei behinderten Kindern auch darüber hinaus. 

Voraussetzung: In demselben Haushalt steht keine andere Person zur Verfügung. Familien können auf Wunsch vom Verein Kinder- und Jugendhilfe Hessen Nord e.V. bei der Beantragung der Kostenübernahme beraten und unterstützt werden. Die Abrechnung mit dem Kostenträger läuft ebenfalls über den Verein. Die Notmuttervermittlung und die Beratung sind kostenlos.

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