Mit Schwerstarbeit in die Bank

Ein Tresor zieht um: Volksbank in Hofgeismar öffnet an neuem Standort

In gut drei Wochen wird die Volksbank in Hofgeismar in eine neue Unterkunft umziehen. Das alte Gebäude an der Mühlenstraße wird abgerissen und durch einen größeren Neubau ersetzt.

Hofgeismar - Als vorübergehender Standort dient die frühere Post an der Neuen Straße. Neben vielen Umbauarbeiten im Gebäude war eines besonders spannend und aufwendig: der Umzug des großen Banktresors. Denn dabei waren vor allem Geschick und Muskelkraft gefragt.

Statt der eingeplanten drei Tage dauerten der Transport ins Gebäude und der Aufbau insgesamt sechs Tage. Die letzten Arbeiten wurden dabei erst jetzt abgeschlossen, nachdem die Kunden der Volksbank aufgefordert wurden, ihre alten Schließfächer selbst zu räumen oder der Bank den Umzug zu überlassen.

Der Tresorumzug war eine logistische und technische Herausforderung. Da der alte Tresorraum an der Mühlenstraße noch benötigt wurde, musste man am neuen Standort einen weiteren aufbauen. Der musste in Einzelteilen ins künftige Gebäude geschafft und dort zusammengebaut werden. Kein einfaches Geschäft, wenn ein Einzelteil schon mal eine Tonne wiegt und es kein Kran in den Rohbau heben kann.

Einfach aber effektiv: Wo Maschinen nicht hinkommen, bewegen die Männer die bis zu 1000 Kilo schweren Stahlelemente auf Rollen, mit Hebeln und Muskelkraft.

Ein Fall für Experten aus Kassel. Zwischen vier und sechs Männer der Spezialfirma Clavis sind eine Woche – und damit doppelt so lang wie geplant – mit dem Riesenpuzzle beschäftigt gewesen. Die Firma baut in ganz Deutschland und europaweit modulare „Wertschutzräume“, das heißt, Anlagen, die einem gewaltsamen Öffnen erheblichen Widerstand entgegensetzen.

Die Firma hat unter anderem in einer Flughalle den mit 18 mal 12 Metern größten Wertschutzraum der Welt gebaut – und der Bedarf steigt, wie ein Mitarbeiter berichtet. Kunden sind unter anderem Apotheken, Pharmakonzerne, Banken, Firmen oder Privatleute, die Waffen oder Munition oder andere begehrte Stoffe sicher verwahren wollen. Einen Tresor in ein bestehendes Gebäude zu transportieren und dort aufzubauen, erfordert ein besonderes Geschick und einen exakten Plan. Denn wenn eine Tür bis zu zwei Tonnen wiegt und ein Wandteil locker 800 Kilogram auf die Waage bringt, ist es fatal, wenn ein Teil in der falschen Reihenfolge und anderen im Wege steht. Denn ein Umrangieren ist meist aus Platzgründen nicht mehr möglich, kleinste Korrekturen kosten wegen des enormen Gewichts Stunden.

Gemeinsam stärker: Unterstützt durch einen Stapler wuchten die Tresorbauer eine Seitenwand in die Senkrechte. Hier zählt das exakte Zusammenspiel, nichts darf wanken.

Schon die Anlieferung der insgesamt 26 extrem schwergewichtigen Einzelteile mit einem Sattelschlepper (wir berichteten) war komplex. Beim Abladen per Schwerlaststapler musste eine exakte Reihenfolge eingehalten werden, die Teile wurden dann auf dem Hof des früheren, jetzt in Privatbesitz befindlichen, Postgebäudes in penibler Reihenfolge sortiert.

Am Ende werden die Einzelteile verschweißt, danach folgen eine Innenverkleidung und die eigentlichen Tresorfächer. Die Oberflächen zeigen, dass der Tresor schon mehrfach im Einsatz war.

Einen Fehler darf man sich nicht erlauben, schilderte der gelernte Schweißer Alexander Göppert, der natürlich einen Staplerschein hat und Kenntnisse in etlichen weiteren Fachbereichen, die ihm beim Tresorbau in einem Team zugutekommen.

Bei jedem Bauteil wurde ausgelotet, mit welcher Technik es am besten durch die Türen und um etliche Ecken herum an den endgültigen Platz gebracht werden kann. Meist half dann nur noch Muskelkraft weiter. Wie im alten Ägypten beim Pyramidenbau oder im Mittelalter beim Burgenbau wurden die schweren Elemente auf Rollen und mit Brechstangen und viel Muskelkraft bewegt. Aber extrem vorsichtig und auch langsam – denn jeder Fehler kann verheerend sein.

Passt: Zum Abschluss kontrolliert Schweißer Alexander Göppert das richtige Schließen der Tresortür. Danach folgen noch technische Feinheiten.

Voraussichtlich am 12. Juli wird die Volksbank Kassel Göttingen nach Angaben ihres Pressesprechers Peter Mühlhaus ihre vorübergehende Filiale in der früheren Hofgeismarer Post eröffnen und gleichzeitig die Zweigstele in der Mühlenstraße schließen. In zwei Jahren soll dort dann der Fünf-Millionen-Euro-Neubau fertig sein. (Thomas Thiele)

Ein Video zum Tresorbau gibt es auf hna.de/hofgeismar

Rubriklistenbild: © Thomas Thiele

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