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Windpark Reinhardswald: Vor der Rodung muss die Haselmaus erwachen

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Von: Daria Neu

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Eingerollt und müde: Eine Haselmaus ist gerade einmal so groß wie ein Daumen.
Eingerollt und müde: Eine Haselmaus ist gerade einmal so groß wie ein Daumen. © Daria Neu

Im Mai sollen die Arbeiten im Windpark Reinhardswald fortgesetzt werden. Wichtig ist allerdings, dass bis dahin ein kleines Tierchen erwacht ist.

Reinhardswald – Derzeit ruhen die Arbeiten für den Bau der 18 geplanten Windkraftanlagen im Windpark Reinhardswald. Erst im Mai geht es wieder los. Dann sollen die Stubben auf den Aufstellflächen gerodet werden. Die Windpark Reinhardswald GmbH & Co. KG hatte die Rodungen schon vor einigen Wochen nach hinten verschoben. Der Grund dafür ist ein kleines Tierchen – die Haselmaus, die aufgrund des recht kalten Frühjahrs vermutlich erst Ende April aus dem Winterschlaf erwachen wird.

In den Tiefen von Wurzelstubben suchen sich die Bilche gern ihr Winterquartier.
In den Tiefen von Wurzelstubben suchen sich die Bilche gern ihr Winterquartier. © Markus Sarrazin

Um die streng geschützte Art nicht zu gefährden, sei es zwingend notwendig, ihr Erwachen abzuwarten, bestätigt auch Jakob Gruber. Er ist für den Naturschutz im Forstamt Reinhardshagen zuständig und erklärt, warum ausgerechnet die Haselmaus so große Auswirkungen auf die Arbeiten am Windpark hat.

„Man geht stark davon aus, dass die kleinen Tiere auch Lebensräume auf den betroffenen Flächen im Reinhardswald haben.“ Da es sich bei der Haselmaus eigentlich gar nicht um eine Maus, sondern um ein nachtaktives Nagetier aus der Familie der Bilche handelt, braucht sie über viele Wintermonate ein warmes und geschütztes Quartier. Gern verbringt sie die Zeit zum Beispiel in den Tiefen von Wurzelstubben, die sie mit Gras und anderen Materialien zu einem kuscheligen und frostdichten Nest umfunktioniert.

Das tatsächliche Vorkommen der Haselmäuse im Reinhardswald sei schwer zu beziffern, erklärt Gruber. „Es gibt ein bundesweites Monitoring. Aber die Tiere sind so klein und so heimlich unterwegs, dass es schwierig ist, sie zu zählen.“ Fest stehe jedenfalls: „Wenn der Winter kalt oder lang war, bleibt sie gerne länger liegen – verständlicherweise“, sagt der Förster und lacht.

Aber was passiert eigentlich, wenn die Haselmaus Ende April aufwacht? Ist sie durch die Stubbenrodung nicht trotzdem in Gefahr? „Es ist davon auszugehen, dass sie ihren Lebensraum durch die bereits vorgenommenen Arbeiten schon als so verändert wahrnimmt, dass sie abwandert“, sagt Gruber. Klingt traurig, sei aber halb so wild. „Veränderungen finden immer wieder statt, auch durch natürliche Einflüsse – beispielsweise durch Sturm.“ Normalerweise sei innerhalb weniger Tage ein neuer Lebensraum gefunden.

In den Sommermonaten schläft der nachtaktive Bilch gern in kugeligen Nestern in Sträuchern am Waldrand. „Die Nester für ihre Jungen pflegen die Weibchen mit besonderer Sorgfalt.“

Natürlich sei es nicht nur die Haselmaus, auf die geachtet werden müsse. „Im Frühling ist einfach tierisch viel los in der Natur“, sagt Gruber. Vögel wie Rotkehlchen und Zaunkönige richten ihre Brutstätten her, Amphibien wie Erdkröten sind auf Wanderung, Insekten krabbeln umher, später bekommen dann auch die Säugetiere wie zum Beispiel Rehe ihre Kleinen.

Menschliche Eingriffe hätten immer Auswirkungen auf die Natur. Dazu gehörten aber nicht nur der Bau von Windrädern und die Arbeit mit Maschinen im Wald, sondern auch Formen der Naherholung wie beispielsweise frequentierte Wanderwege. Zu welchen Zeiten im Jahr der Wald besonders in Ruhe gelassen werden müsse, ließe sich so pauschal nicht sagen. „Es gibt verschiedene Zeiten und Räume, die je nach Tier- und Pflanzenart besonders schützenswert sind – das ist in einer Naturschutz-Leitlinie festgehalten“, erklärt Gruber. (Daria Neu)

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