Einbruch bei Dekan: Angeklagten fehlt Erinnerung

Aufgehebelt: Eine Tür im Dekanat. Archivfoto: Temme

Hofgeismar. Mehrere Einbrüche sowie Diebstähle in Hofgeismar und Kassel: Deswegen muss sich nun ein 32-jähriger Mann aus dem Landkreis Kassel verantworten.

Er steht gemeinsam mit seiner wegen Hehlerei angeklagten Lebensgefährtin seit dem gestrigen Montag vor dem Amtsgericht Kassel.

Vermutlich mittels eines Nageleisens verschafften sich der 32-Jährige und ein weiterer unbekannter Täter in der Nacht vom 1. auf 2. September 2013 Zutritt ins Dekanat, indem sie das Fenster des im Erdgeschoss gelegenen Schuldnerbüros aufbrachen, so lautet der Vorwurf. Während der Dekan in seiner Wohnung war, durchsuchten die Einbrecher das Schuldnerbüro, ebenso die Kellerräume und das Obergeschoss des Gebäudes.

Die Einbrecher ließen zwei PC-Monitore, einen Würfeltresor, eine Spendendose, eine Geldtasche sowie Werkzeug aus einem Kellerraum im Wert von insgesamt 1800 Euro mitgehen. Der Angeklagte, ein arbeitsloser gelernter Maurer, hat bereits eine schwere Drogenkarriere hinter sich. Das wurde am ersten Prozesstag deutlich, an dem der Angeklagte guten Willen zeigte, sich aber an keine der ihm zur Last gelegten Taten konkret zu erinnern vermochte. Ebenso seine 27-jährige Freundin, die wegen des Verdachts der Hehlerei mit ihm auf der Anklagebank sitzt.

Sie soll eine externe Festplatte, die neben einem Laptop und einer Digitalkamera aus dem Kindergarten gestohlen wurde, einer Ankaufstelle für gebrauchte Sachen in Kassel angeboten haben.

Unter fast unmenschlichen Bedingungen habe das von Heroin, Kokain und Tabletten abhängige Pärchen gehaust, berichtete ein als Zeuge geladener Kriminalbeamter aus Hofgeismar, der deren Wohnung nach dem Einbruch in den Kindergarten durchsuchte. Das Diebesgut aus dem Dekanat und dem Kindergarten wurde gefunden, ebenso das Tatwerkzeug, sagte er. Ohne Heizung, möglicherweise ohne Strom, völlig vermüllt und verwahrlost, so beschrieb er die Zustände der Unterkunft. Das bestätigte die 27-jährige Angeklagte, die sich mit ihrem Lebensgefährten bis vor kurzem einer Entgiftung und Entziehung unterzogen hat und seither eigenen Angaben zufolge ohne Drogen lebt. Beide bekräftigten, zur Aufklärung beitragen und sich einlassen zu wollen. „Es fällt mir schwer, mich zu erinnern“, sagte der 32-jährige zu den ihm zur Last gelegten Straftaten.

Urteil im Februar

Damals habe er täglich Heroin, Diazepam-Tabletten und Bier konsumiert. Anschaulich und eindringlich schilderte seine Freundin ihre fast zehnjährige Drogenkarriere. Straffällig sei sie erst zuletzt geworden. Sie könne sich nicht erinnern, die Festplatte, die im Kindergarten gestohlen wurde, einem Kasseler Ankaufladen zum Kauf angeboten zu haben.

Manchmal sei sie morgens von der Polizei an einer Bushaltestelle mit 3,2 Promille Alkohol im Blut aufgegriffen worden, beschrieb sie ihr Leben zu der Zeit.

Das Urteil wird für den 23. Februar erwartet.

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