Sorge um Personen- und Krankentransporte

Einziger Taxiunternehmer in Hofgeismar gibt auf

Entschlossen: Da die Stadt Hofgeismar ihm keine Gebührenerhöhung stattgab, schließt Matthias Tschernich nun sein Taxiunternehmen zum Ende des Jahres. Einen Nachfolger wird es erst mal nicht geben. Der Selbstständige ist inzwischen auch nicht mehr gewillt, seinen Betrieb mit den 14 Autos weiterzugeben.
+
Entschlossen: Da die Stadt Hofgeismar ihm keine Gebührenerhöhung stattgab, schließt Matthias Tschernich nun sein Taxiunternehmen zum Ende des Jahres. Einen Nachfolger wird es erst mal nicht geben. Der Selbstständige ist inzwischen auch nicht mehr gewillt, seinen Betrieb mit den 14 Autos weiterzugeben.

Verunsicherung macht sich in Hofgeismars Stadtteilen breit, nachdem das einzige Taxi-Unternehmen in der Stadt angekündigt hat, seinen Betrieb zum Jahresende einzustellen.

Hofgeismar – Der Grund: Betreiber Matthias Tschernich konnte keine Gebührenerhöhung erreichen. Vor allem Personen, die Fahrten zu Ärzten und Kliniken benötigen, sind nun irritiert, wie es weitergeht. Die Stadt erklärt unterdessen, dass es noch andere Möglichkeiten gebe.

30 Cent mehr Fahrtkosten pro Kilometer

Der 36-jährige Unternehmer hatte gegenüber der HNA erklärt, dass er nicht mehr wirtschaftlich arbeiten könne. Er habe eine Gebührenerhöhung bei der Stadt erbeten, die aber nicht bewilligt wurde. Damit meint er ständig steigende Lohnkosten, die extremen Preise für Kraftstoff sowie Zusatzkosten durch die Coronalage.

Konkret wollte er nach sechs Jahren, in denen ihm keine Erhöhung gewährt wurde, seinen Kunden 30 Cent mehr pro Kilometer und zusätzliche 30 Cent für die Anfahrt berechnen. Das würde zwei Euro pro Kilometer und drei Euro Grundgebühr für die Anfahrt bedeuten. Tschernich: „Im Vergleich zu 2015 habe ich heute allein 2000 Euro mehr Benzinkosten im Monat, von den Personalkosten ganz zu schweigen.“

Dass seine Kunden mit höheren Fahrtkosten wenig Probleme hätten, davon ist Tschernich überzeugt: „Die meisten runden sowieso auf oder geben Trinkgeld.“ Taxifahren sei nun mal etwas Besonderes, wer es günstiger haben wolle, nehme Bus und Bahn.

145 000 Fahrten müssen übernommen werden

Als er im Oktober nochmals bei der Stadt anfragte, habe man ihm geantwortet, dass er einen Antrag stellen solle. Darin sah er aber keinen Sinn, weil er schon mehrfach Anträge gestellt habe, die nichts brachten, wie er sagt. Tschernich meint, die Stadt hätte auch von sich aus die Gebühren erhöhen können, wie es auch in anderen Kommunen möglich sei.

Wer ab Januar Tschernichs 145 000 Fahrten pro Jahr (davon 80 Prozent Krankenfahrten) übernehmen wird, weiß der Unternehmer nicht. Weil er keinen Nachfolger habe, werde er seine 14 Fahrzeuge einzeln verkaufen.

Für das Firmengrundstück an der Neuen Straße, eine ehemalige Tankstelle, werde er sich noch etwas überlegen. Ein Mitarbeiter von ihm wolle sich mit zwei Mietwagen in Liebenau selbstständig machen, berichtet er.

Von der Stadt Hofgeismar fühlt er sich nach seinen Worten unter Druck gesetzt. Für elf Fahrzeuge laufen die Konzessionen am Jahresende aus, für drei Taxis laufen sie noch weiter, und die solle er doch erst mal weiterlaufen lassen: „Doch das werde ich nicht tun.“

Letzte Gebühren-Erhöhung war 2015

2015 wurden die Gebühren das letzte Mal angehoben. Damals wollte Taxi-Unternehmer Matthias Tschernich eine Grundgebühr von 2,90 Euro von seinen Kunden haben, ihm wurden dann 2,70 Euro gestattet. Als Kilometerpauschale wollte er 1,90 Euro verlangen, er bekam aber nur 1,70 Euro genehmigt.

Neben höheren Kosten musste Tschernich auch einen starken Mitarbeiterschwund hinnehmen. Das liegt an der Coronakrise, während der viele seiner 450-Euro-Kräfte nicht mehr bereit gewesen seien, sich einer möglichen Ansteckung im Wagen auszusetzen. Im Gegensatz zu öffentlichen Verkehrsmitteln gilt nämlich in den Taxis keine 2G- oder 3G-Regelung.

Ordnungsamt weist Kritik des Taxifahrers zurück

Bei der Stadt sieht man die Sache etwas anders. Es sei richtig, dass der Taxiunternehmer eine Gewerbeabmeldung zum heutigen 31. Dezember vorgelegt habe.

Im Mai habe der Unternehmer der Stadt mitgeteilt, dass er mit den aktuellen Gebühren nicht mehr wirtschaftlich arbeiten könne. Den für eine Erhöhung nötigen Antrag habe er aber nicht eingereicht, erklärt die Hofgeismarer Ordnungsamtsleiterin Daniela Pfeiffer.

Daniela Pfeiffer, Leiterin des Ordnungsamtes

Der Magistrat habe über die Taxigebühren zu entscheiden und benötige dafür als Grundlage unter anderem Daten über die Firmenumsätze, eine Bilanz mit Gewinn und Verlust.

Die habe Tschernich aber auch schon beim vorangegangenen Antrag 2018 nicht vorgelegt, um seine Forderung wegen der wirtschaftlich schwierigen Lage belegen zu können. Nach Informationen der Stadt ging es der Firma gut.

Die Krankenfahrten seien nicht der Knackpunkt, sondern der etwa zehnprozentige Anteil an normalen Taxifahrten mit Kunden, die am Straßenrand warten. Die seien Teil des öffentlichen Personennahverkehrs und dafür würden die Beförderungsentgelte vom Magistrat festgelegt.

„Die Beiträge dafür dürfen nicht ins Unermessliche steigen, es muss den Bürgern zumutbar sein“, ergänzt Christian Lass vom Ordnungsamt. „Wenn wir wüssten, wie es mit den Umsätzen aussieht, dann wäre eine Erhöhung vielleicht begründbar“.

Ein Problem sei jetzt, dass der Unternehmer die Krankentransportverträge mit den Krankenkassen gekündigt habe, ohne die Nachfolge zu regeln. Die Stadt sei nicht verpflichtet, Taxis anzubieten, sie sei nur die Genehmigungsbehörde.

Gespräche über Nachfolger habe es gegeben

Über eine Taxi-Nachfolge habe es mit der Stadt tatsächlich Gespräche gegeben, bestätigt das Ordnungsamt. Gemeinsam mit dem Bürgermeister habe das Amt positive Gespräche mit einem Tschernich-Mitarbeiter geführt, der ein Unternehmen gründen wollte.

Es sei fast soweit gewesen, die Gesellschaft einzutragen, als Anfang November die Information eintraf, dass es Ärger gegeben habe und das Vorhaben geplatzt sei.

Daraufhin gab es eine Initiative eines weiteren Mitarbeiters, einige Konzessionen zu übernehmen. Bei diesen positiven Gesprächen mit der Stadt ergab sich laut Daniela Pfeiffer aber ein Zeitproblem.

Die benötigten Nachweise unter anderem von der IHK und dem Regierungspräsidium seien bis Jahresende nicht zu beschaffen gewesen, sondern das werde erst im Januar umgesetzt werden können. Darauf hoffe die Stadt nun.

Diskussion um Konzessionen

Sie hat auch die übrigen fünf Mietwagenbetriebe in der Stadt über die frei werdenden Konzessionen informiert. Einige haben positiv reagiert, wollen zusätzliche Wagen beantragen und bekamen Anträge zugeschickt. Der Betriebssitz sei dann in Hofgeismar nötig.

Die Kritik des Unternehmers Tschernich, dass die Stadt keine Ausschreibung der Konzessionen vorgenommen habe, obwohl es doch zum Jahresende jede Menge freie Taxikonzessionen gebe, weist die Stadt zurück, weil es ja noch drei Konzessionen gebe, die bis 2022, 2023 und 2024 laufen, für die es Bestandsschutz gebe.

Ausschreibungen machten eher Sinn in einer großen Stadt mit Wartelisten, aber nicht in einer Stadt wie Hofgeismar, wo es nur ein Taxiunternehmen gebe. (Von Tanja Temme und Thomas Thiele)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.