Emstaler Verein sucht Paten für Kinder psychisch kranker Eltern

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Spielen gemeinsam : Sylke Domes ist die Patin von Paul. Auf dem Bild ist auf Wunsch der Eltern nur Pauls Hand zu sehen, um seine Privatsphäre zu schützen. Sylke Domes Sohn Milon (12) und seine beste Freundin Marlene Wiegand spielen mit.

Hofgeismar. Das Projekt Paten für Kinder psychisch kranker Eltern soll Familien entlasten. Momentan sucht der Träger 15 Paten im Landkreis, drei in Hofgeismar und einen in Immenhausen.

Das Brettspiel „Das verrückte Labyrinth“ liegt vor ihr auf dem Tisch, im Hintergrund sind Kinderstimmen zu hören. Immer wieder kommt während des Gesprächs auch der fünfjährige Paul (Name von der Redaktion geändert) vorbei und verlangt die Aufmerksamkeit von Sylke Domes. Die Hofgeismarerin ist Pauls Patin und Mitglied der Initiative Patenschaften für Kinder psychisch kranker Eltern.

Einmal die Woche besucht Paul seine Patin für etwa drei bis vier Stunden. Regelmäßig geht es momentan ins Schwimmbad, aber es wurden in diesem Sommer auch schon Erdbeeren gepflückt und daraus Marmelade gekocht. „Und er liebt Brettspiele“, erklärt Sylke Domes. „Am liebsten Mau Mau“, wirft Paul ein. Auch wenn ihre eigenen Kinder oft dabei sind, liegt der Fokus auf dem Fünfjährigen. „Das ist seine Zeit, da läuft er nicht nebenher, sondern ich konzentriere mich ganz auf ihn“, sagt Sylke Domes.

Denn bei dem Projekt gehe es auch darum, dass die Kinder „Kind sein können“, erklärt Michaela Rohde, die Bereichsleiterin Jugendhilfe des Emstaler Verein. „Kinder mit psychisch kranken Elternteilen müssen oft sehr früh Verantwortung übernehmen“, sagt Rohde. Die Paten sind verlässliche Vertrauenspersonen außerhalb der Familie. Sie können ihnen die emotionale Stabilität geben, die manchmal in der eigenen Familien fehle, sagt Rohde. Außerdem sollen die Eltern entlastet werden und sich in der Zeit ohne Sorgen auf sich selbst konzentrieren. In Krisenzeiten können die Kinder in Absprache mit dem Jugendamt auch für mehr als drei Stunden bei der Patenfamilie bleiben.

Im Fall von Paul ist das bisher noch nicht notwendig gewesen. Seit Februar ist Sylke Domes seine Patin. Erfahrung hat sie schon. Seit 2011 ist sie Patin. „Ich war damals bei einem Vortrag des Emstaler Vereins und habe dort Flyer gesehen“, sagt die 50-Jährige. Sie habe das Projekt spannend gefunden und Lust gehabt, zu helfen.

Die Hofgeismarerin hat auch beruflich viel Erfahrung, sie arbeitet als Erzieherin mit Menschen mit geistiger Behinderung. Sie hoffe, dass Menschen sich bei ihr angenommen und wohl fühlen. Auch mit ihrem letzten Patenkind habe das gut funktioniert. Bei Paul dauerte es eine Weile. „Anfangs hat er sich noch gewehrt, als ich ihm aus dem Kindergarten abgeholt habe“, sagt Sylke Domes. Inzwischen ist das Vertrauen gewachsen und Paul freut sich, wenn sie ihn abholt. Am Anfang habe er kaum geredet, jetzt stehe sein Mund kaum still.

Er sei angekommen, sagt sie , und akzeptiere ihr Heim einmal die Woche als Zuhause. „Es mag ein wenig kitschig klingen, aber ich finde es stimmt, wenn man sagt: ‘Das Lächeln, was du in die Welt sendest, bekommst du hundertfach zurück’“, erklärt Sylke Domes.

Hintergrund

Das Projekt gibt es seit 2007. Träger ist der Emstaler Verein, Auftraggeber das Jugendamt. Momentan bestehen zwölf Patenschaften im Landkreis. Die Paten kümmern sich einmal wöchentlich für drei Stunden um ihr Patenkind. Die Patenkinder sind maximal 16 Jahre und leben bei einem Elternteil mit psychischer Erkrankung.

Voraussetzung für die Übernahme einer Patenschaft ist ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis. Gibt es eine Anfrage in der Nähe, findet ein Gespräch zwischen potentiellen Paten, Familie und Mitarbeitern statt. Die Vereinsmitarbeiter sind auch nach Übernahme der Patenschaft Ansprechpartner und organisieren Patentreffen. Paten erhalten eine Aufwandsentschädigung von 140 Euro pro Monat, die unter die Übungsleiterpauschale fällt und damit steuerfrei ist.

Ansprechpartnerin ist Michaela Rohde, Bereichsleitung Jugendhilfe des Emstaler Vereins, Tel. 01 63/7 73 98 13 und 0 56 92/9 86 90. Sie beantwortet auch die Fragen betroffener Eltern, die einen Paten für ihr Kind suchen. Die Eltern können die Patenschaft beim Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamtes beantragen, bei Bewilligung übernimmt das Jugendamt die Kosten.

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